Adios, Drecksack
Einer der ganz großen Denker. Einer der ganz großen Freidenker. Autor von lesenswerten Büchern wie Illuminatus!, Schrödinger’s Cat oder Cosmic Trigger, voll von Ideen, die den Kopf zum Rauchen bringen, alles in Frage stellen, voller Zynismus aber auch voller Augenzwinkern sind und zu Verschwörungstheorien, Esoterik und Realität mehr sinnvolles enthalten als alles andere, was ich je gelesen hab. Er gehört klar zu den Menschen, die meine Denkweise erheblich beeinflusst haben.
Am 11. Januar ist Robert Anton Wilson im Alter von 75 Jahren dem Post-Polio-Syndrom erlegen. Noch aus dem Krankenhaus hielt er über sein Blog Kontakt mit der Außenwelt und blieb bis zum Schluss so geistreich, wie man ihn kannte. Das in den letzten Monaten zu lesen, hat mich schon berührt. Jetzt von seinem Tod zu erfahren, trifft mich ziemlich, auch wenn wir uns natürlich nicht persönlich kannten. Farewell Rob, ALL HAIL ERIS!
Den Beginn dieser Phase kann ich relativ genau datieren. Es ist 1986 und die Schweden Europe veröffentlichen The Final Countdown. Plötzlich ist alles anders. So wollen Gitarren gespielt werden, da bin ich mir sehr sicher. OK, der Gesang ist ein wenig cheesy, aber das weiß ich damals noch nicht. Da ist das einfach nur die Offenbarung und sonst gar nichts. Ich erstehe von meinem Taschengeld das Album – auf Tape. Meinen Kinderplattenspieler hab ich nicht mehr und einen richtigen kann ich mir noch nicht leisten. Aber ich hab einen einigermaßen guten Ghettoblaster. Als nächstes mops ich meinem Vater dann die Kopfhörer, denn diese Musik will laut gehört werden und das ist nicht direkt kompatibel mit meinen Eltern. Später verliere ich den Kontakt zu der Band wieder, aber The Final Countdown und auch den Nachfolger Out Of This World hab ich damals bis zum Abwinken gehört.
Musik war schon sehr früh ein fester Bestandteil unseres Haushalts. Meine Eltern waren beide Musikliebhaber, die dominante Rolle hatte allerdings mein Vater inne. Was dann auch den frühen Kontakt zu Rock verhindert hat, denn den hatte er im Gegensatz zu meiner Mutter nicht im Repertoire. Außer ein wenig französischem Chanson gab es für meinen Vater vor allem eins: Klassik. Und zwar den heavy stuff, also keine Operetten und ähnliches, sondern vor allem Symphonien, Konzerte und Opern. An den Wochenenden lief die recht umfangreiche Plattensammlung eigentlich immer und das hat zu einem zwiespältigen Verhältnis geführt. Klassik hat mich zwar nicht richtig gepackt oder mich veranlasst, mich intensiv damit auseinanderzusetzen. Sie ist mir aber sehr vertraut. Ich kenne und mag vieles, auch wenn ich den meisten Sachen keinen Namen zuordnen kann. Ich gehe immer noch ab und an mit Genuss in eine klassisches Konzert oder lege zu Hause eine Platte auf. Das war es dann aber im Großen und Ganzen auch. Ausnahmen sind die Symphonie aus der Neuen Welt von Antonín Dvorák und die 9 Symphonien Beethovens, die ich wirklich sehr schätze.


