Was schon länger zu befürchten stand, ist heute Nacht eingetreten. Christopher Hitchens ist seinem schweren Krebsleiden erlegen. Noch vor Kurzem hat er einen Artikel über Leiden und Sterben veröffentlicht und dabei trotz seines körperlichen Verfalls nach wie vor wachen Geist bewiesen.
Mit Hitchens verlieren wir einen der großen Intellektuellen unserer Zeit und einen unserer streitbarsten Geister. Tragisch ist beides, für mich aber vor allem das Zweite. Hitchens war nicht nur ein großartiger Rhetoriker und scharfer Redner, er war bei allem Zynismus und aller Angriffslust jemand, dessen Meinung immer fundiert und bedenkenswert war. Vor allem, wenn man sie nicht geteilt hat, was aufgrund der Tatsache, dass er ein Mensch mit sehr kontroversen Ansichten war und sich nicht einfach in irgendein Lager einordnen ließ, auch regelmäßig passiert ist. Es gibt wohl niemanden, der in allem einer Meinung mit Hitchens war und sich nicht an mindestens einem Punkt an ihm gestoßen hat. Aber genau das hat ihn so wertvoll gemacht. Es waren nicht die Themen, bei denen ich ihm zugestimmt habe, die mich weiter gebracht haben – es waren vor allem die Themen, bei denen ich ihm innerlich widersprochen habe und er mir den Widerspruch so schwer gemacht hat wie kaum ein anderer.
Das wird fehlen und das wird nur schwer zu ersetzen sein.
Ich teile auch seinen Geschmack in Sachen Whisky nicht, aber auch hier hätte er eine eigene Meinung sicher zu schätzen gewusst. To Hitch!
Da ist es wieder, das Allheilmittel gegen Rechts. Das NPD-Verbot. Nach dem ersten Schock über das Ausmaß organisierter rechtsradikaler Kriminalität in Deutschland (und dem üblichen Geschrei nach einem Ausbau des Überwachungsapparates von Menschen wie Hans-Peter Uhl, denen noch nie an einer Lösung des Problems gelegen ist und die keinerlei Skrupel besitzen, jedes Thema für die Demontage des Rechtsstaates und der Demokratie zu missbrauchen) haben sich Debatte und Aktivitäten auf das Parteiverbot eingeschossen. Leider.
Nicht, dass mir an der NPD irgendwas gelegen wäre. Ich würde dieser widerwärtigen Partei ganz sicher keine Träne nachweinen. Auch halte ich es für unerträglich, dass über die Parteienfinanzierung öffentliche Gelder in den Aufbau rechtsradikaler Strukturen fließen. Aber diese Zahlungen richten sich nach der Anzahl der Stimmen, die Parteien bei Wahlen erhalten. Das Problem ist nicht in erster Linie die NPD. Das Problem sind vor allem die Menschen, die sie wählen. Die werden nicht verschwinden, wenn die NPD verboten wird.
Bayern sind rückständige, einfältige, sture, ungebildete und unfreundliche Grantler, die alle Auswärtigen als Saupreissn verachten. Dieses Vorurteil mag nicht völlig aus der Luft gegriffen sein. Aber die Bayern haben auch ganz eindeutig großartige Seiten. Eine davon durfte ich gestern Abend mal wieder erleben.



