The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Die Welt liegt nicht auf unseren Schultern

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Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion mit Freunden, die die Ansicht vertreten haben, dass die Welt den Bach runter geht, alles immer schlimmer wird und dass sie darauf nur noch mit Resignation bzw. mit Wut reagieren können. Ich kann verstehen, wie man zu dieser Haltung kommen kann, teile sie aber nicht. Warum, sei im Folgenden ausgeführt.

Mein erster Widerspruch betrifft den Zustand der Welt als solches. Ich glaube nicht, dass dieser wirklich so schlimm ist, wie es manchem scheinen mag, sondern halte das in erster Linie für ein Wahrnehmungsproblem. Wir werden in der heutigen Zeit rund um die Uhr auf allen Kanälen mit Meldungen aus der ganzen Welt beschallt. Dass dabei die Katastrophenmeldung aus Sicht der Medienschaffenden wesentlich mehr Aufmerksamkeit erfahren als die guten Nachrichten, ist eine Binsenweisheit. Es verzerrt aber die Wahrnehmung. Als einfaches Beispiel sei hierfür die Kriminalstatistik genannt. Die meisten Menschen in meinem Umfeld äußern sich in Gesprächen oft in der Richtung, dass man sich gewisse Dinge in der heutigen Zeit nicht mehr trauen dürfe und alles viel gefährlicher wäre als früher. Die Zahlen sehen aber tatsächlich anders aus. Das Leben war (hier in Deutschland) noch nie so sicher wie heute. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, noch nie so niedrig. Und die Zahlen sinken weiter. Nur wirkt das nicht so, wenn man täglich von schlimmen Tragödien lesen kann. Davon sind früher nicht weniger geschehen, wir haben nur weniger darüber gelesen. Und das gilt nicht nur für Verbrechen, sondern für beinahe jeden Bereich. Das muss man sich immer wieder klar machen (und auch gegebenenfalls die Konsequenzen daraus und den eigenen Medienkonsum überdenken).

Aber selbst wenn es kein Wahrnehmungsproblem sein sollte, sondern die Welt tatsächlich den Bach runtergehen sollten, habe ich noch einen zweiten Einwand – und der ist der schwerwiegendere. Der Zustand der Welt als Ganzes ist weder unsere persönliche Schuld noch unsere persönliche Verantwortung. Es ergibt auch absolut keinen Sinn, ihn dazu zu machen.

Nicht falsch verstehen, die Welt ist mir weder egal noch bin ich der Ansicht, dass man „ja eh nichts tun könne“. Von solchem Fatalismus halte ich genau so wenig. Wir sollten ein möglichst anständiges Leben führen. Und auch über den direkten persönlichen Rahmen hinaus sollten wir uns dafür einsetzen, dass diese Welt eine bessere (oder auch nur eine weniger schlechte) wird. Dafür gibt es keine Ausrede und keine Entschuldigung.

Aber mehr als das können wir nicht tun und auch das müssen wir erkennen und akzeptieren. Auf alles, was über unsere persönlichen Möglichkeiten hinausgeht, haben wir eben keinen Einfluss. Sich über Dinge aufzuregen (oder an ihnen zu verzweifeln), die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen, ändert nichts und hilft niemandem. Weder uns noch anderen. Also sollten wir es bleiben lassen. Das mag banal klingen, ist deswegen aber nicht weniger wahr.

Die Welt ist, wie sie ist. Wir können (und müssen) unseren Teil dazu beitragen, dass sie eine bessere wird. Aber mehr als das kann nicht sein und muss auch nicht sein. Wir können die Welt nicht alleine retten. Wir müssen auch noch unsere Kinder ins Bett bringen, mit unseren Familien und unseren Freunden lachen und weinen, die Wäsche waschen und den Müll rausbringen. Unser Leben leben. Ob die Welt nun untergeht oder nicht, wir haben nur das eine.

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