The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Zum FDP-Wähler an und für sich

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Nachdem momentan quasi täglich die Meldungen zu unserer neuen Regierung meinen Puls in die Höhe treiben (mein aktueller Favorit an Irrsinn: Dirk Niebel bekommt das Ministerium für Entwicklungshilfe), muss ich mich doch noch mal mit der Frage auseinandersetzen, wer die Leute eigentlich sind, denen wir die nächsten 4 Jahre zu verdanken haben.

Dafür muss ich etwas weiter ausholen und erst mal die Situation beschreiben, in der sich unser Land befindet. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends haben wir vor allem eines erlebt – eine Umverteilung von unten nach oben und eine Zementierung der Schichten. Während sich das Vermögen der oberen 10% der Bevölkerung vervielfacht hat, ist es bei den restlichen 90% stagniert bzw. gesunken. Aufgrund „notwendiger Reformen“ wurden die Sozialsysteme abgebaut und die Finanzmärkten dereguliert, wovon zwar die Wirtschaft profitiert hat, aber eben nur was die Unternehmensgewinne angeht. Das hat sich weder in neuen Arbeitsplätzen noch in entsprechenden Lohn- und Gehaltssteigerungen niedergeschlagen. Ganz im Gegenteil wird weiter fleißig rationalisiert um die Renditen der Aktionäre auf hohem Niveau zu belassen. Im Endeffekt bedeutet das alles nur, dass sich eine kleine Minderheit auf Kosten der Allgemeinheit massiv bereichert hat. Das besonders perfide daran ist, dass man es gleichzeitig geschafft hat, von dieser offensichtlichen Tatsache abzulenken und die Schuld genau dem anderen Ende der Gesellschaft zuzuschieben. Schuld sind nämlich nach dieser Logik nicht die Manager, Banker und Börsianer, sondern die angeblichen Sozialschmarotzer und Arbeitsverweigerer, die unser System durch ihre Leistungsverweigerung belasten würden. Dass es sich hierbei nicht nur um eine so halt- wie bodenlose Pauschalisierung handelt und die Beträge, von denen wir hier reden, nur einen Bruchteil der Summen ausmachen, die von den sogenannten „Leistungsträgern“ in der Finanzkrise verballert wurden, scheint dabei niemanden zu interessieren. Man tritt halt lieber nach unten als nach oben. Während sich also Vorstandsvorsitzende immer noch auf die Straße trauen können, erhalten Hartz IV-Empfänger Morddrohungen.

Was hat das jetzt alles mit der FDP zu tun? Direkt erst mal nichts, denn diese Entwicklung haben wir vor allem der SPD unter der Führung Schröders zu verdanken. Die Rechnung dafür hat sie wenigstens in Form der Wahlerfolge der Linken bekommen, aber an der Politik hat das erst mal nichts geändert. Aber auch wenn die FDP nicht für diese Politik verantwortlich ist, so steht sie eben doch ganz eindeutig dafür, diesen gesellschaftlichen Wahnsinn nicht nur nicht rückgängig zu machen, sondern ganz im Gegenteil auch noch weiter auszubauen. Also weiter mit dem Turbokapitalismus in die Ellenbogengesellschaft, in denen die sogenannten „Leistungsträger“ sich bitte bei ihrer persönlichen Bereicherung nicht vom ständig anwachsenden „Prekariat“ aufhalten lassen müssen. Das beinhaltet ihr Programm, dafür stand sie vor der Wahl und dafür steht sie auch nach der Wahl, wie die bisherigen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zeigen.

Kommen wir also zu den Leuten, die diese Politik gewählt haben und die sich im Großen und Ganzen für mich in drei Gruppen einteilen:

1) Der Taktiker

Ich kenne einige Leute, die die FDP deswegen gewählt haben, weil die Regierung eh nicht zu verhindern war und man somit zumindest der rapide fortschreitenden Umwandlung des Rechts- in einen Überwachungsstaat einen Riegel vorschieben kann. Mit Leutheusser-Schnarrenberger als Justizministerin halte ich diese Überlegung sogar für gerechtfertigt, mit der wird die Union keinen Spaß haben. Ich kenne auch Leute, die eigentlich SPD-Wähler sind, aber in der Großen Koalition den endgültigen Untergang ihrer Partei gesehen haben und diese Regierung also auf alle Fälle beenden wollten. Meiner Meinung nach ein gefährliches Spiel, das aber in dem Fall vielleicht sogar funktioniert hat. Allerdings zu einem ziemlich hohen Preis, wie oben bereits beschrieben. Es gibt auch noch andere taktische Überlegungen, die ich hier nicht mehr explizit aufführe. Insgesamt habe ich mit dieser Gruppe von Wählern noch das geringste Problem, auch wenn ich persönlich taktisches Wählen für falsch halte. Man kann nur Überzeugungen wählen, alles andere geht auf die eine oder andere Art schief, aber das führt hier zu weit.

2) Der Dummkopf

Sorry, wenn ich es so drastisch formulieren muss, aber wenn ich mir anschaue, wie viele normale Angestellte und Arbeiter die FDP gewählt haben, weil sie der Ansicht sind, dass deren Politik dem Land und der Gesellschaft gut tun würde, dann bleibt mir einfach keine andere Möglichkeit als diese Bezeichnung. Wie kann man aus dem Programm und dem Verhalten der FDP in irgendeiner Weise herauslesen, dass es der Partei um das Wohl von Ottonormalverbraucher gehen würde? Ich verstehe das beim besten Willen nicht und kann wirklich nur verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn ich von einem kleinen Angestellten mit niedrigem Gehalt höre, dass „der Westerwelle doch ganz vernünftige Sachen sagen würde“. Nein, tut er nicht, verdammt noch mal. Er verarscht dich nach Strich und Faden! Wie offensichtlich kann es bitte sein?

3) Das Arschloch

Und nochmal sorry, aber auch hier muss ich einfach drastisch werden. Das bezieht sich auf die Leute, die die oben von mir beschriebene Entwicklung durchschauen und eben auch noch gut heißen. Die amerikanische Verhältnisse befürworten, in denen „persönliche Freiheit“ (die eben vor allem eine Freiheit der Oberschicht ist) mehr wiegt als gesamtgesellschaftliche Verantwortung und Solidarität. Obama versucht, diesen Irrsinn gerade wieder rückgängig zu machen, wir steuern erst noch richtig darauf zu. Als Arzt, Anwalt oder Börsenmakler mag man das befürworten, wenn man egoistisch genug ist. Ich persönlich finde so eine Haltung aber einfach nur zum Kotzen.

PS: Wer sich von dem Arschloch jetzt angegriffen fühlt, der soll einfach mal kurz drüber nachdenken, wie er ehrlicherweise mich als überzeugten Linken einstufen würde. Da würde das Urteil nicht viel anders ausfallen und das ist auch in Ordnung so. Klare Verhältnisse sind mir letzten Endes lieber als irgendeine höfliche Wischi-Waschi-Haltung.

8 Kommentare

  1. Daumen hoch für den Artikel.
    Rein vom Gefühl her (kann aber natürlich falsch sein) würde ich sagen, die zweite Gruppe, also die Gruppe der Idioten, ist die mit Abstand größte.

  2. Ich kann diesen grenzenlosen Egoismus in christlich konservativ verbohrter Eitelkeit und Arschlöchrigkeit Hoch 10, bei manchen Menschen einfach nicht fassen. Besonders das Blatt mit den vier Buchstaben wird weiterhin daran arbeiten das auch die Mehrheit der Bevölkerung einfach alles hin nimmt oder wie geschrieben, Grabenkämpfe zwischen den Schwachen und Noch Schwächeren weiter pushen.

    Ich sehe es auch so das die zweitere Schicht den Großteil der Wähler der FDP ausmacht.

    Da war die FDP unter Genscher als Außenminister damals, wirklich noch nicht so extrem in meiner Erinnerung.

    Die SPD wird weiter zerbröseln nach meine Sicht und leider auch Stimmen ins FDP Lager wandern. Ich wäre wirklich dafür das es ein Links/Soziales Bündnis gebe unter Rot/Rot, dafür wird die derzeitige Generation der SPD aber lieber aussterben als das zu tun.

  3. Gratuliere !! Im ganzen großen weiten Web habe ich selten so einen geistigen Dünnschiss gelesen.

    „Aber auch wenn die FDP nicht für diese Politik verantwortlich ist, so steht sie eben doch ganz eindeutig dafür, diesen gesellschaftlichen Wahnsinn nicht nur nicht rückgängig zu machen, sondern ganz im Gegenteil auch noch weiter auszubauen.“

    Liefer doch dafür mal einen Beleg und blöck nicht nur das Geschrei der Linken und Gewerschaftsheinis nach.

    Fakten:

    -Hartz IV: Zumindest werden die jenigen, welche über Jahre in die Scheisse einbezahlt haben jetzt gerechter behandelt !

    – Steuerreform (falls sie kommt): Ich kann nicht schlimmes dabei finden, wenn ich (als normaler Angestellter) mehr netto im Geldbeutel hab und endlich Klein-und Mittelständische Unternehmen entlastet werden.

    – Erhöhung Kinderfreibetrag und Kindergeld. Zumindest letzteres kann man zwar darüber streiten (Ich persönlich würde nur noch Gutscheine für Kinderartikel verteilen, dann würde das Geld nicht von Teilen der Eltern in Schnaps und Kippen investiert), aber immerhin.

    Anhand dieser Beispiele kann ich weder Sozialabbau noch Umverteilung nach oben feststellen.

    Und wenn jetzt noch arbeitsscheuen Gesindel der Geldhahn mehr zugedreht wird, kann ich das nur befürworten. Dann ist auch endlich wieder Geld in den Sozialkassen für die Leute, denen auch wirklich geholfen werden muss. Das sind diejenigen, die unverschuldet (durch Krankheit, Arbeitslosigkeit) in große Not geraten sind.

  4. @ Peter:

    Stell dir doch mal kurz die Frage, wem eine niedrigere Lohnsteuer und ein höherer Kinderfreibetrag mehr nutzt. Den hohen oder den niedrigen Einkommen?

    Und auf den Bullshit im letzten Absatz werde ich nicht eingehen, sondern lasse das einfach mal so stehen. Das spricht schon für sich.

  5. Peter:
    k
    Ich bin jemand der durch eine chronische Krankheit in die Frührente gehen musste. Diesen Spruch mit dem arbeitslosen Gesindel durfte ich mir aber auch schon deshalb anhören.

    Arbeitsscheues Gesindel ist für mich das was am Stammtisch die „rechtschaffenen Bürger“ verallgemeinend über Menschen sagen die sie gar nicht kennen oder über die in dem besagten Blatt gehetzt wird.

    Lass es vielleicht ein paar Wenige (sehr wenige Menschen) geben die wirklich den Staat ausnutzen. Ja die gibt es! Aber die halten als Totschlagargument dafür das unbescholtene Menschen, Mord-Drohungen erhalten, weil es eben diese dumme Meinungsmache gibt…..

  6. Dear Peter:
    Ob wir beide „mehr netto vom brutto“ erhalten werden, steht noch aus. Momentan geht die zu erwartende Kindergelderhöhung wahrscheinlich für die verpflichtende Pflegezusatzversicherung drauf. Und die Steuerersparnisse durch den erhöhten Kinderfreibetrag (in meiner Familie laut Tabellen €250)lege ich schonmal für die entsolidarisierten Krankenversicherungskosten zur Seite. Hoffentlich reicht es…
    Desweiteren will die FDP-Stammwählerschaft sicher keine Kleidergutscheine für ihre Kinder. Und die Eltern, die eh nur Schnaps vom Kindergeld kaufen, haben nichts von der Erhöhung, da selbiges voll auf Hartz4 angerechnet wird.

    Ich muss schon sagen, ein echter Gruppe 2-Kandidat bist Du. Lerne denken, nicht nachplappern.

  7. Ich finde dafür dass Du hier deine Meinung äußerst tust Du dies auf einem sehr beleidigende Art und Weise.

    Jeder darf in einer Demokratie wählen was er/sie will, finde Dich mal damit ab. Und nein nur weil Du ein überzeugter Linker bist, werde ich Dich nicht als Idiot oder Arschloch bezeichnen.

    Zu dem mit der niedrigen Lohnsteuer… sicherlich hilft dies mehr den besser verdienenden… aber den anderen nicht? Und wer gibt mehr im Konsum aus? Sprich durch wen wird der Staat mehr Einnahmen über die Mehrwertsteuer erzielen?…

  8. @Thomas:

    Mit dem beleidigend hast du Recht, aber das nehme ich mir auf meiner Seite einfach mal raus 😉

    Das mit dem Konsum stimmt so einfach nicht. Gerade die unteren Einkommen werden zusätzliches Geld ausgeben, während die höheren ihr Konsumverhalten dadurch nicht ändern, sondern zusätzliches Geld eher anlegen werden. Dazu gibt es genug Untersuchungen. Wenn ich also den Konsum ankurbeln will, muss ich gerade die unteren Einkommen entlasten und nicht die oberen.

    Außerdem müssen die Steuersenkungen gegenfinanziert werden, das sollte eigentlich jedem klar sein. Und jetzt geben wir mal Tipps ab, ob hier dann auch wieder die oberen Schichten mehr belastet werden oder ob das nicht doch wieder alle über Mehrwertsteuer und Co. leisten dürfen …

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