The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

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Es gibt Daten im Leben eines Menschen, die etwas besonderes bedeuten.
16 war das erste Datum, das mir etwas bedeutet hat. Von da an durfte ich mich offiziell erwachsen fühlen und die zu der Zeit nicht mehr (oder noch nicht) geschätzte Kindheit zurücklassen. Alkohol, Tabak und Frauen wurden attraktiv. Statt abends mit dem Fahrrad zum Spielplatz zu fahren, um dort mit den Freunden Räuber und Gendarm zu spielen, fuhr ich nun mit den Kumpels per Anhalter in diverse Kneipen.
Der nächste Einschnitt kam dann mit 18. Natürlich. Volljährigkeit. Führerschein. Ernst des Lebens (haben damals Leute behauptet, geglaubt habe ich es ihnen nicht). Eine gute Zeit, eine erfüllte Zeit. Und eine Zeit, in der ich sehr stark in der Gegenwart gelebt habe. Die Vergangenheit war lange her, die Zukunft noch weit weg.
Die Schwelle 25 ist dann eher sang- und klanglos an mir vorüber gezogen. Das Alter hat mir gar nichts bedeutet. Ich war gerade auf dem Weg. Aber irgendwie war ich noch nicht richtig los gelaufen. Angekommen sowieso nicht. Eigentlich war noch nicht mal die Richtung wirklich klar. Und da war dieses Datum nur eins von vielen.
Jetzt sind die 30 fällig. Und das ist ein Bruch. Ich mache mir vermehrt Gedanken darüber, was ich bislang in meinem Leben so gemacht habe. Was aus den ganzen Träumen, Wünschen und Vorstellungen aus meiner Jugend so geworden ist. Ob ich der Mensch bin, der ich sein wollte. Ob mein Leben eine Bedeutung hat. Ob ich glücklich bin.
All diese Fragen bleiben in erster Linie genau das. Fragen. Antworten gibt es zwar viele. Aber die sind klein, wechselhaft und nie endgültig. Aber rein gefühlsmäßig überwiegen die Antworten, die mich nicht zufrieden stellen. Der Zweifel nagt.
Gestern habe ich genau den richtigen Film dazu gesehen. „About Schmidt“, in dem ein überragender Jack Nicholson nach seiner Pensionierung erkennt, dass sein ganzes Leben nur aus Lügen und Belanglosigkeiten besteht. Dass er von einer Bedeutung und einem Sinn nicht weiter entfernt sein könnte. Und dass sich wohl niemand an ihn erinnern wird, wenn er denn einmal sterben würde.
Ein harter Film. Ein komischer Film. Ein trauriger Film (auch wenn man am Ende merkt, dass er eben aus Hollywood kommt und nicht aus Frankreich). Ein sehr realistischer Film.
Den Film zu sehen ist wie ein Buch von John Irving zu lesen. Obwohl man sich selber nicht direkt angesprochen fühlt, findet man sich wieder. Obwohl man es vielleicht gar nicht konkret begründen kann, bleibt ein unangenehmes Gefühl im Magen zurück. Weil die Realität eben meistens doch kein Märchen ist. Und auch kein Heldenepos.
Was außerdem kommt, ist ein nicht ganz genau definierbarer Druck. Druck, sich mit sich selbst und seinem Leben auseinander zusetzen, damit man vielleicht doch noch rechtzeitig die Kurve kriegt und dann doch noch das tolle und außergewöhnliche Leben führt, von dem man immer geträumt hat.
Und dabei weiß ich noch nicht einmal, was mich mehr beunruhigt. Dass ich diese Chance vielleicht verpassen könnte, oder dass ich mich früher oder später mit diesem Thema ernsthaft auseinander setzen muss.

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