The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Auf der Suche nach der Relevanz

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Schöne neue Fernsehwelt. Dass man auf den privaten Sendern keine Nachrichten schauen kann, wissen wir ja schon seit längerem. Sowohl die Auswahl wie auch die Aufarbeitung der dort gezeigten Nachrichten orientiert sich hier eher an der Boulevardpresse als an vernünftigem Journalismus. Aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender verfehlen immer öfter ihren eigentlichen Auftrag und scheinen eher die Quoten im Kopf zu haben (von denen sie ja dank der Fernsehgebüren eigentlich unabhängig sein sollten).
Heute war dafür wieder ein tolles Beispiel. Tagesschau, 19:05, erste Meldung: Der Verdächtige im Mordfall der beiden Geschwister Tom und Sonja habe die Tat gestanden. Inklusive Reporter-vor-Ort-Bericht mit vorbeifahrendem Polizeibus (ist das jetzt auch embedded journalism oder muss der Reporter dazu im gestreiften Anzug auf der Pritsche sitzen?).
Ganz ehrlich, was soll das? Dass hier zwei Morde an Kindern passiert sind ist natürlich schlimm. Aber hat es wirklich genug Relevanz, um als erste Nachricht des Tages zu kommen? Hat es genug Relevanz, um überhaupt in der Tagesschau zu kommen, die ja die Nachrichten des Tages in 15 Minuten zusammenfassen soll?
Nicht dass die Tat keine Bedeutung hätte. Für die Eltern, für das Umfeld, wahrscheinlich auch für die Heimatgemeinde. Aber für den Rest der Republik? Sie hat nicht die geringste Auswirkung auf unser Leben. Wir werden keine Entscheidung aufgrund dieses Berichtes anders fällen. Diese Tat ist für mich (und ziemlich sicher für die überwiegende Mehrzahl der Menschen in diesem Land) vollkommen irrelevant. Aber sie kommt an erster Stelle der Nachrichten. Gleichzeitig passieren jeden Tag 1000 Dinge, die an sich für uns durchaus relevant wären (z.B. dass Nordkorea gestern bekannt gegeben hat, 8000 atomare Brennstäbe wiederaufarbeiten zu lassen, was die Auseinandersetzung mit den USA weiter verschärft). Aber das findet dann nicht den Weg in die Tagesschau. Nicht mal weiter hinten. Aber da kann man ja auch nicht am Esstisch sitzen und seufzend „Mein Gott, wie tragisch“ sagen.

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