The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Das Narrenschiff

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Gestern war ich zum Einkaufen in der Fußgängerzone in der City. Ein schöner Samstag, zum ersten Mal richtig warm. Dementsprechend voll war es denn auch. Obwohl ich normalerweise das Land der Stadt vorziehe, mag ich das von Zeit zu Zeit ganz gerne. Dann macht das Treiben in der Stadt richtig Spaß. Allerdings zeigt sich dann auch recht schnell, dass der moderne Mensch in einem Zustand kollektiven Irrsinns lebt.
Der erste Hinweis darauf war die inzwischen täglich stattfindende Anti-Kriegs-Demonstration, bei der mal wieder mehr Polizisten anwesend waren als Demonstranten. Ich habe dem gerade am Pult stehenden Redner ungefähr 5 Minuten zugehört. Das lieferte mir zumindest die Erklärung, warum so wenige Demonstranten anwesend waren (hoffentlich). Es war ein junger Redner von Attac, mit Dreadlocks und in eine Pace-Fahne gehüllt. Soweit keine große Überraschung und auch kein großes Problem. Was mich ein wenig gestört hat, war dass er seine „Rede“ abgelesen hat – allerdings konnte er das wenigstens. Inhaltlich war im wahrsten Sinne des Wortes zum Davonlaufen. Man hörte bereits nach wenigen Sätzen, dass der gute sich über billige Polemik und die Standard-Platitüden hinaus keine große Mühe gemacht hat, sich mit den Fakten und Zusammenhängend tiefer gehend auseinander zusetzen. Da fällt mir dann doch wieder der Satz ein, der in einem von mir regelmäßig besuchten Forum ganz gern zur Anwendung kommt: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal das Maul halten!“.
Was mir an der ganzen Sache immer noch unklar ist, ist mal wieder die Zahl der anwesenden Polizisten. Ja, wir sind in Bayern. Ja, das ganze findet mitten in der Fußgängerzone statt. Aber trotzdem macht es keinen Sinn, um 200 gelangweilte Demonstranten 500 Polizisten zu stellen.
Ein paar Meter weiter oben hab ich dann einem Schwarzen zugeschaut, der Zaubertricks vorgeführt hat. Die Tricks waren ganz nett. Das Elementare an seiner Performance war allerdings seine Kommunikation mit den Zuschauern, die anfangs recht wichtig war. „Who believes, that this is possible?“ – 2 melden sich – „Thank you. And who believes, that it’s not possible?“ – 3 andere melden sich – „And who doesn’t give a shit about what I’m saying here?“ – wieder 3 andere melden sich – „That’s OK, this is democracy.“
Das war schon ziemlich komisch. Dann allerdings begann er einen Streit mit einem der Zuschauer. Das ganze sollte wohl ein Showeffekt sein, war aber eher lau und wurde nach ein paar Minuten ziemlich idiotisch. Schade eigentlich, denn das ganz hatte recht viel versprechend angefangen. Ich bin dann also weiter gegangen.
200 Meter weiter wurde es dann auch wieder deutlich komischer. Ich wartete vor dem Eingang zum Parkhaus auf meine Freundin. Und so konnte ich nicht umhin, folgende Szenerie zu beobachten: Ein überzeugter Christ mit der Bibel in der Hand lief erfüllt vom Geist der Wahrhaftigkeit auf und ab und referierte lautstark über Irak, Christus, den Weltuntergang, die Kraft des Gebets und weiteren Blödsinn. Ich hab nicht alles mitbekommen, da er ja immer auf- und abging und ich ihn nur dann verstanden habe, wenn er in meine Richtung gelaufen ist. Ich denke aber nicht, dass die Gesamtheit seines Sermons mehr Sinn gegeben hätte als die Fragmente, die bei mir ankamen.
Trotz allen religiösen Eifers wurde er völlig zurecht von allen Leuten um ihn herum komplett ignoriert, was ihn aber nicht weiter gestört hat (was bei solchen Menschen auch nicht ungewöhnlich ist).
Während ich da nun so stand und rauchte, kam eine Obdachlose zu mir, um mich um Feuer zu bitten. Ich besitze zwar traditionell kein Feuerzeug, aber meine brennende Zigarette war ja völlig ausreichend. Wir kamen ins Gespräch, und sie fragte mich, warum der Typ da drüben so herum plärren würde. Und kurz darauf ereiferte sie sich auch darüber und marschierte mit den Worten „Soll er halt in a Moschee gehn und da umanandaschrein. Des wer i eam jetzad a sogn!“ wutentbrannt in seine Richtung los. Damit hatte er dann doch noch Interesse geweckt, allerdings war die nun folgende Diskussion wohl eher nicht das, was er sich erwartet hatte. Verstanden hab ich nichts, aber rein optisch war es sehr erheiternd. Auf der einen Seite der Christ, bemüht um Ruhe (und darum, auszureden) und ständig auf die offene Bibel zeigend. Auf der anderen die Obdachlose, wild gestikulierend und völlig unwillig, auf den anderen einzugehen. Ich weiß nicht, wer letztlich gewonnen hat, aber der Christ musste nach diesem Ereignis erst wieder durch Bibellesen zu Ruhe finden, bevor er wieder genug Kraft zum Predigen aufbringen konnte.
Inzwischen war dann auch meine Freundin da und wir sind Grillen gefahren. Gemütlich im Garten mit Freunden und ohne lauter Verrückte drum herum. Trotz dem Reiz der Stadt wohl doch immer noch die bessere Wahl.

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