The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Du bist was du isst

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Das wäre im Moment dann Dioxin, sollte man meinen. Denn das findet sich gerade nicht nur in Eiern wieder, sondern auch in Hühner- und Schweinefleisch. Nun ist der Aufruhr wieder einmal groß und wir schimpfen auf Futtermittelproduzenten, die nur an ihren Profit denken statt an unsere Gesundheit. Aber sind wirklich nur sie daran schuld?

Wir leben in einem System der Hochverfügbarkeit. Es muss immer alles überall geben und das möglichst noch als Schnäppchen. Wenn wir 10 Minuten vor Ladenschluss in einen Supermarkt gehen, dann erwarten wir das komplette Angebot – volle Obst- und Gemüsesteigen mit frischer und optisch ansprechender Ware aus aller Herren Länder und dem entsprechende Fleischtheken. Finden wir diesen Überfluss nicht vor, meiden wir den Laden, weil er ein schlechtes Angebot hat. Genauso meiden wir ihn, wenn dieses Angebot 10ct mehr kostet als im Laden nebenan, denn wir alle sind ja nicht blöd und zahlen nicht mehr als wir müssen. Zumindest nicht im Laden.

Was wir mit dieser Mentalität nämlich andererseits doch wieder zahlen, sind Lebensmittelskandale wie der aktuelle, die regelmäßig aufkommen. Wie sollte es auch anders sein? Lebensmittel können in diesen Massen und zu diesen Konditionen nur dann bereit gestellt werden, wenn alle Beteiligten sich den Vorgaben des Kapitalismus bedingungslos unterwerfen. Also rationalisieren und optimieren. Den Preis optimieren, versteht sich, nicht die Qualität der Ware oder gar die Qualität der Tierhaltung, des Anbaus oder der Arbeitsbedingungen derer, die damit zu tun haben. Dafür ist kein Platz am Markt.

Hühner, die im Hof Körner vom Boden picken, sind idyllisch. Sie schmecken auch gut. Aber damit kann man kein System der Hochverfügbarkeit betreiben, in dem wir jeden Tag tonnenweise Chicken McNuggets und andere Fleischberge verdrücken wollen, die man nicht Schnitzel callen darf und die uns auch nichts von dem Geld kosten dürfen, dass wir für Handys, Playstations, DVD, unsere Autos oder unseren Urlaub brauchen. Beides zusammen geht aber nicht, egal wie viel wir darüber lamentieren.

Solange wir unsere Haltung zu Lebensmitteln nicht ändern, werden wir genau das bekommen, was wir im Moment haben – industrielle Ware mit all den Auswüchsen, sie „Leistungsoptimierung“ mit sich bringt. Egal wie viele Kontrollen es geben wird und egal wie hoch die Strafen sein werden. Denn solche Lebensmittelskandale sind keine Auswüchse, sondern einfach nur die logische Folge eines konsequent umgesetzten Konsumsystems wir dem unsrigen. Die Schuldigen sind nicht nur die „Verbrecher, die nur an ihren Profit denken“. Die Schuldigen sind auch wir, die wir auch nur an unser Geld denken und mit unserem Verhalten genau das System einfordern, dass nur nach solchen Regeln funktionieren kann.

Entweder wir akzeptieren das oder wir fangen endlich damit an, unsere Lebensweise zu überdenken und zu ändern. Denn zahlen werden wir so oder so. Es geht nur darum, womit und was wir dafür bekommen.

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