The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Winter

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Um es gleich vorwegzunehmen, Winter ist ganz große Scheisse!
Wenn man auf Konzerte geht, hat man 2 Möglichkeiten. Entweder man friert sich am Eingang zu Tode und holt sich nach Ende des Konzerts eine langwierige Grippe, oder man zieht sich warm genug an und hat dann in der Halle 2 Tonnen Klamotten zu viel an. Besonders günstig ist das in den Hallen, in denen es keine Garderobe gibt, da kann man alles schön säuberlich in irgendeine versiffte Ecke legen und hoffen, dass es nicht geklaut wird oder irgendein Arschloch drüber kotzt oder man kann alles im Arm halten, steht da wie der letzte Idiot und kann sich nicht bewegen.
Aber nicht nur auf Konzerten, nein, man ist prinzipiell falsch angezogen. Wenn ich in die Arbeit fahre, habe ich auf dem Weg zum und vom Bahnhof kalte Füße, im Zug und am Schreibtisch läuft mir das Wasser aus den Stiefeln. (Was so ganz nebenbei meinen Verbrauch an Socken um den Faktor 3 steigert und sich außerdem negativ auf mein Umfeld auswirkt).
Man kann das Haus eigentlich nur mit speziellem Thermoanzug verlassen, den außer der NASA niemand besitzt. Jedenfalls hab ich ihn noch in keinem Laden gesehen.
Dann die Sache mit dem Schnee. Ja, natürlich ist der schön. Wenn man durch ein Fenster schaut, auf eine schneebedeckte, unberührte Landschaft mit Sonne darüber, neben sich ein prasselndes Feuer im Kamin, einen Tee in der Hand. Aber das ist völlig realitätsfern.
Wann haben wir denn im Winter schon mal Sonne? Wenn ich morgens das Haus verlasse, dann ist es noch dunkel. Und wenn ich nach der Arbeit heimkomme, dann ist es wieder dunkel. Zwischen drin brauche ich meistens trotzdem künstliches Licht, denn es ist andauernd Nebel. Der schlägt nicht nur aufs Gemüt, er hindert einen auch daran, sich schneller als mit 50 km/h fortzubewegen, was dazu führt, dass man noch mehr Zeit draußen verbringen muss, noch depressiver wird und früher oder später einen Wintersportler erschießt (zu Recht, aber welcher Richter versteht das schon?). Und wenn es dann wieder warm wird, sitzt man hinter schwedischen Gardinen.
Auch der Schnee an sich ist doch nur bei Disney weiß und malerisch. In der kurzen Zeit zwischen dem Fallen der Flocken und der Metamorphose zu einer ekligen, grau-braunen, siffigen Masse muss man garantiert irgendwo hin, was bedeutet, man muss den ach so schönen Schnee mit einer Schaufel auf völlig un-pittoreske Haufen werfen. Währenddessen wird man im Normalfall von irgendwelchen pubertierenden Idioten in eine Schneeballschlacht verwickelt. Heissa, das ist lustig.
Wenn man fertig ist mit Räumen, ist einem zwar ausnahmsweise mal warm, da ändert sich aber spontan, wenn man dann in der größten Eiseskälte stundenlang sein Auto abkratzt. Hat man die Scheiben dann endlich abgekratzt, frieren sie ca. 13 Sekunden später wieder zu. Danach begibt man sich in den winterlichen Verkehr. Das ist immer ein Spaß, denn die Straßen sind nie vernünftig geräumt. Man rutscht entweder auf einer gar nicht geräumten Straße, oder schlittert durch eine halb geräumte in 15cm tiefen, sich schlängelnden Rillen, die nur in seltenen Fällen mit der gewünschten Fahrtrichtung übereinstimmen. Oder die Straße ist frei aber nass, man hat die ganze Scheiße auf der Scheibe und nach spätestens einer halben Stunde ist die Waschanlage leer. Dann rutscht man nicht mehr in die Hindernisse, sondern fährt einfach blind hinein.
Wer statt dessen auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen versucht, erfriert auf dem Bahnsteig, während er auf den Zug wartet, der vor 2 Tagen hätte kommen sollen (aber leider eingefroren ist).
Auch zu Fuß ist es kaum besser, man fällt ständig hin und bricht sich mehrmals sämtliche Knochen, der Turm an Weihnachtsgeschenken (die man im Winter kaufen muss) geht kaputt und alle lachen einen aus.
Vor Weihnachten ist es eh besonders schlimm. Da kann man das Haus gar nicht mehr verlassen, da alle Straßen von Morgens bis Abends mit Weihnachtsfanatikern überfüllt sind. Überall peinliche Deko, Christkindlmärkte (die sich von anderen geschmackfreien Zonen durch ihre Aufdringlichkeit unterscheiden), Weihnachtssendungen im Fernsehen (die das Niveau des Programms unglaublicher weise noch weiter nach unten drücken, als es sowieso schon ist) und überall Werbung aus Satans finsterster Folterkammer. Alle Leute sind in weihnachtlicher Laune und man darf ihnen nicht ungestraft die Fresse einschlagen.
Außerdem haben alle auf einmal ihre gemeinnützige Ader entdeckt. Man wird ständig um Spenden für soziale Zwecke gefragt und spendet entweder mehr Geld als man vernünftigerweise sollte oder hat ein schlechtes Gewissen, weil man nichts mehr geben will obwohl man es sich ja vielleicht doch leisten könnte. Besonders schlimm ist es, wenn man einmal im sozialen Bereich gearbeitet hat. Gemeinnützige Vereine haben nämlich die Angewohnheit, nicht die Leute um Spenden zu bitten, die haufenweise Kohle haben und nichts vernünftiges damit anfangen, sondern prinzipiell die, die erstens schon irgendwann mal sozial engagiert waren und zweitens wenig Geld haben.
Aber auch nach Weihnachten wird es nicht besser. Nicht nur, dass ich selber depressiv bin, nein, alle reden ständig vom Skifahren oder Snowboarden und wie toll doch der Winter sei. Völliger Unsinn. Während ich im Sommer zu Vogelgesang und angenehmen Düften in leichter Bekleidung Sport machen kann, muss ich mich im Winter (nach der schon beschriebenen Auto-Prozedur plus mehrerer Stunden Stau bei Hin- und Rückfahrt) in 7 Schichten Klamotten und unbequemen Stiefeln eingehüllt für 10 Minuten Abfahrt 3 Stunden in die Schlange am Lift stellen. Ohne mich. Dann werd ich lieber fett.
Und wo wir gerade beim Sport sind, es gibt deutlich zu wenig Fußball und Rugby im Fernsehen. Dafür gibt es deutlich zu viel Skispringen und ähnlichen Mist. Wintersportarten sind allgemein sehr viel uninteressanter als Sommersportarten. Unsere Vorfahren haben schon gewusst, warum sie zur Olympiade nach Griechenland gefahren sind.
Und nicht nur Sport ist schlechter. Man ist bei allem im Freien eingeschränkt. Man kann nicht barfuß gehen. Man kann nicht in Seen baden gehen. Man kann nicht im Freien Lesen. Man kann nicht im Freien schlafen. Man kann nicht im Freien ficken. Und überhaupt haben Frauen im Winter auch zu viel an.
Reicht das? Hab ich irgendwas vergessen? Wahrscheinlich, denn das waren nur die Punkte, die mir spontan eingefallen sind.
Nein, es bleiben einem eigentlich nur Depression und Suizidgedanken, oder die Flucht. Aber man gehört ja nie zu den Leuten, die es sich leisten können, den Winter in der Karibik zu verbringen.

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