The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Gute Nacht, Scheibenwischer

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Nach 23 Jahren und 144 Sendungen ist es jetzt vorbei mit dem Scheibenwischer. Mit Dieter Hildebrandt verabschiedet sich ein Stück Urgestein der politischen Satire. Hildebrandt geht zwar altersbedingt, aber auch die Sendung an sich wird eingestellt, weil der ARD das Format nicht mehr passt. Das verwundert nicht. Satire ist nicht angesagt. Comedy ist angesagt. Auf allen Kanälen und bis zum Erbrechen. Hunderte von „Comedians“ tummeln sich zu jeder Stunde auf dem Bildschirm. Woran man einen Comedian erkennt? Im Normalfall daran, dass nach seinem Humorverständnis jede Pointe in Wörtern wie „schwul“ oder „voll krass, ey“ zu finden ist.
Hollywood hat es mit Granatenstreifen wie American Pie vorgemacht. Ein Typ greift dem anderen in der Umkleidekabine an den Arsch und sagt irgendwas mit Fistelstimme. Und das ganze Kino liegt am Boden. Irgendwo zwischendrin sitze ich und warte auf den Gag. Vergeblich, aber so ist nun mal Comedy.
Wie angenehm anders war doch der Scheibenwischer. Da wurde Wortwitz mit Tiefgründigkeit kombiniert. Da wurde oft böse Satire gebracht, aber mit Hintergedanken und nicht um des Pöbelns willen. Da war vieles anspruchsvoll und vieles einfach – aber nie platt oder gezwungen intellektuell. Und ich habe bei jeder Sendung mehr gelacht, als in einem ganzen Jahr Comedy der restlichen Fersehwelt zusammen.
Aber irgendwie passt es ja in unsere Zeit, dass diese Sendung geht. Früher gab es ja auch politische Debatten, während es heute Christiansen gibt. Der Zeitgeist geht eben seinen eigenen Weg.
Für mich persönlich jedenfalls gibt es in Zukunft wieder einen Grund weniger, den Fernseher einzuschalten. Viele sind nicht mehr übrig.

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