The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Hat Störtebeker eigentlich geraucht?

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Eins fasziniert mich aktuell ja schon sehr an Deutschland. Trotz der Tatsache, dass wir auch in der Vergangenheit unsere Rebellen hatten, bringt man mit unserem Land ja doch eher preussisches Pflichtbewusstsein in Verbindung als ein Aufbegehren der Massen. Während unsere Nachbarn im Süden und Westen gern mal das ganze Land per Generalstreik lahmlegen um der Obrigkeit zu zeigen, was man im Zweifelsfall von ihren Entscheidungen hält, so stellt man sich hier lieber auf die Seite der Bosse, wenn die Angestellten mal für ein paar Tage die Frechheit besitzen sollten, die Arbeit niederzulegen.

Streiken für politische Sachen geht gar nicht. Privatisierung von Bahn, Strom- oder Wasserversorgung? Wird ja sicher zu unserem besten sein. Schäuble schiebt das Grundgesetz durch den Fleischwolf? Uns doch egal, wir haben ihn gewählt, der wird schon wissen was er macht. Die Bundeswehr soll in Afghanistan jetzt auch an Kampfeinsätzen teilnehmen? Das hält die erdrückende Mehrheit zwar für völlig falsch, aber mehr passiert denn auch nicht. Grundversorgung, Menschenrechte, Menschenleben. Alles kein Grund aufzubegehren.

Aber halt. Da gibt es was, wo der Deutsche keinen Spaß versteht. Das Rauchverbot. Während genau das bei unseren Nachbarn ziemlich reibungslos vonstatten ging, bricht hier auf einmal die ganze niedergehaltene Rebellion hervor. In Irland, Schottland oder Italien stehen die Raucher auf der Straße, unterhalten sich angeregt und kehren nachher völlig ohne Aufstand zurück zu ihrem Bier. Aber nicht so der Germane! Angefangen von einem plumpen „Mir scheissegal“ und Wirten, die sich einfach nicht dran halten und weiter Aschenbecher auf die Tische stellen, über zugegeben kreative Versuche wie das Umdeklarieren von Kneipen zu Raucherclubs oder Bühnen für Laiendarsteller (in der alle Gäste die Zeit vor dem Rauchverbot nachspielen) bis hin zu Klagen vor dem BVG, weil damit ja der traditionelle Beruf des Raucherwirts ein Berufsverbot erleiden müsste, was natürlich keinesfalls hinnehmbar sei. Dazu streitet man sich allenthalben die Köpfe heiß, in Foren, in Kneipen, sogar privat. Mit ungewissem Ausgang. Es steht letztlich offen, ob das Gesetz wirklich durchgezogen wird, oder doch am Widerstand der Renitenten scheitert.

Das mag für Außenstehende (und auch so manchen im Inneren) jetzt bizarr scheinen, aber so ist der deutsche mündige Bürger. Hauptsache, wir dürfen in Kneipen rauchen und mit 200 über die (völlig verstopfte) Autobahn brettern. Da sind wir glücklich. Da ist die Welt in Ordnung. Ich glaube, ich muss zu meiner persönlichen Politikverdrossenheit noch eine massive Volksverdrossenheit eingestehen …

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