The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Mission, Emotion und Selbstkritik

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In den vergangenen beiden Wochen ist mir bei verschiedenen Debatten im Internet mehrfach vorgeworfen worden, auf einer Mission zu sein (wobei es in allen Fällen um unterschiedliche Themen ging), paranoid zu sein, unter Schwarz-Weiß-Denken zu leiden und weiteres in diese Richtung. Das fand ich teilweise belustigend, in mindestens einem Fall seltsam, in den meisten zumindest bedenkenswert, aber im Großen und Ganzen nicht weiter dramatisch. An einem Punkt aber ist die Sache recht persönlich und vehement geworden, in einem Maß, das mich nicht nur überrascht, sondern tatsächlich ziemlich geschockt hat. Erschwerend kam hinzu, dass es nicht Anfeindungen einer anonymen Person waren, sondern von jemand, den ich schon lange kenne, respektiere und schätze. An diesem Punkt ist es dramatisch geworden, denn ich war sowohl mit dem Inhalt wie auch mit der Heftigkeit ehrlich gesagt ziemlich überfordert. Mich hat das mehrere Tage lang ziemlich beschäftigt, bis hin zu dem Punkt, meine Onlineaktivität (vor allem als Blogger) insgesamt zu überdenken.

Debatten im Internet haben eine ganz eigene Qualität und neigen – aufgrund der vermeintlichen Anonymität und auch da man sein Gegenüber nicht real vor sich hat – schnell dazu, auszuarten. Anfeindungen, Unterstellungen und persönliche Angriffe sind keine Seltenheit. Auch ich habe mir im Laufe der Jahre alles mögliche anhören müssen, teilweise auch ziemlich unter der Gürtellinie.

Das ist nie angenehm, aber solange es von Menschen kommt, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen, finde ich es nicht allzu schlimm. Und auch, wenn es unfair und mit niederen Absichten geäußert wurde, so ist es doch immer Wert, dass man darüber nachdenkt und die Sache halbwegs ernst zu nehmen versucht. Auch Arschlöcher können mit ihrer Kritik recht haben und auch polemische und unfaire Kritik kann einen wahren Kern haben. Von dem her habe ich solche Vorfälle immer zum Anlass genommen, die eigene Sicht- und auch Handlungsweise zu überdenken und zu überprüfen, ob an der Kritik etwas dran ist. Was auch immer wieder vorgekommen ist, auch in den Fällen, in denen die „Kritik“ eigentlich nur als Beschimpfung gedacht war.

So unangenehm das also teilweise sein mag, finde ich es trotzdem nützlich und hilfreich. Selbstkritik ist ein zentraler Bestandteil meiner Überzeugungen und sie fällt deutlich leichter, wenn es einen äußeren Anstoß dazu gibt. Man verrennt sich selber zu leicht in eine Überzeugung und übersieht Fehler und Inkonsistenzen. Allein deswegen sollte man sich selber immer wieder hinterfragen und eben auch jede Kritik immer ernst nehmen. Wir wachsen nur an unseren Fehlern, nicht an unseren Erfolgen.

Das gilt nicht nur für den Inhalt, sondern auch für die Form. Ich bin sicherlich auch nicht immer ein Musterbeispiel an Diskussionskultur, sondern lasse mich genau so zu aggressivem Stil, unfairen Kniffen und persönlichen Angriffen hinreißen. Sowohl bei Debatten von Angesicht zu Angesicht wie eben gerade auch bei mehr oder weniger anonymen Debatten im Netz. Auch hierfür ist Kritik hilfreich, denn auch hier muss man sich genauso immer wieder hinterfragen und überprüfen wie beim inhaltlichen Teil.

Mein Ziel ist es niemals, andere Menschen zu beleidigen, zu verletzen, oder auf sonst eine Art anzugreifen. Auch nicht bei kontroversen Themen und auch nicht, wenn ihre Meinung massiv von meiner abweicht. Ich bin der festen Überzeugung, dass man jeden Menschen mit Respekt behandelt sollte und halte die Faustregel, sich bei jeder Debatte im Netz so zu verhalten, als würde man sie von Angesicht zu Angesicht mit einem guten Freund führen, für sehr weise.

Genau deswegen aber hat mich der erwähnte Ausbruch ziemlich getroffen. Denn auch wenn ich ihn in dieser Form und Vehemenz vielleicht nicht verdient hatte und es überhaupt nicht in meiner Absicht war, jemanden anzugreifen oder zu beleidigen, habe ich offensichtlich genau das getan. Meine Äußerungen haben denjenigen wütend genug gemacht, mir ziemlich üble Dinge um die Ohren zu hauen.

Hätte es daran gelegen, dass ich mich unfair verhalten hätte, wäre das eine Sache gewesen. Dann hätte ich mich entschuldigt, selber geohrfeigt und es zum Anlass genommen, beim nächsten Mal besser auf meine Wortwahl zu achten. Aber ich habe nicht den Eindruck, mich besonders unfair verhalten zu haben. Das Problem liegt woanders: Wenn es an grundsätzliche Überzeugungen geht, so gibt es schlichtweg keine Möglichkeit, diese in Frage zu stellen ohne dass jemand, der diese Überzeugungen teilt, dies als Angriff auf seine Person sehen könnte. Ganz egal, wie objektiv man es formuliert. Es gibt einfach keinen netten Weg, die Aussage „deine Ansichten sind in sich komplett falsch, unsinnig und dumm“ zu formulieren. Wenn man das vermeiden möchte, bleibt einem nur die Möglichkeit, auf die Aussage zu verzichten.

Das ist nun im persönlichen Umgang mit anderen Menschen vergleichsweise einfach. Wenn ich weiß, dass ein Thema mit meinem Gegenüber nur Streit bringt, dann kann ich es umgehen und fertig. Wir alle tun das immer wieder und oftmals (wenn auch nicht immer) ist das völlig in Ordnung.

Aber im Netz ist das so nicht möglich. Wenn ich in meinem Blog über ein Thema schreibe, dann kann ich die Menschen, die meine Aussagen erregen, nicht am Lesen hindern. Genau so wenig wie bei Facebook, in Internetforen oder jeder anderen öffentlichen Debatte. Die Aussagen sind für jeden sichtbar und das sollen sie ja an sich auch sein.

Wenn es dabei aber nun nicht vermeidbar ist, dass sich andere Personen verletzt und angegriffen fühlen, dann muss ich mir ernsthaft die Frage stellen, ob das die Sache wert ist. Umso mehr, wenn es sich dabei um Personen handelt, die mit etwas bedeuten.

Genau diese Frage habe ich mir die letzten Tage immer wieder gestellt. Alleine und auch in Gesprächen (an dieser Stelle Danke an meine Frau und JFM, die beide sehr hilfreich und konstruktiv waren).

Ich weiß nicht, ob die Überlegungen wirklich abgeschlossen sind, aber inzwischen bin ich mir sehr sicher, dass die Konsequenz nicht sein wird, das Bloggen und das Debattieren einzustellen. Ich halte es trotz aller Bedenken grundsätzlich für richtig, für mich interessante Themen anzusprechen, weiterzuverbreiten und auch öffentlich zu diskutieren. Es bringt mich weiter und ab und an vielleicht auch jemand anders. Und es macht mir nicht zuletzt auch einfach verdammt viel Spaß.

Das Fazit kann also nur sein, sorgfältiger zu formulieren, einmal mehr über die Wirkung nachzudenken und zu versuchen, so objektiv, fair und respektvoll wie möglich zu sein. Und wenn es zu Konflikten kommt, diese auszuhalten und nach Möglichkeit zu lösen. Ich kann nicht sagen, was passiert, wenn mir der letzte Teil nicht gelingen sollte. Dann stellt sich die Frage wohl erneut. Bis dahin werde ich das Debattieren aber nicht bleiben lassen.

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