The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Oktoberfest 2005

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Dieses Jahr ist alles anders. „Kein Ballermann vor 18:00 Uhr“ titelt die AZ. Das heißt, der Holzmichel und die anderen Schreckgespenster niederen Unterhaltung müssen zumindest tagsüber in ihren glibberigen Höhlen bleiben. Außerdem wurden die Lautstärkebegrenzungen verschärft. Also dürfen die Kapellen nicht mehr so ran wie früher. Oder vielleicht ganz im Gegenteil sogar eher wieder so wie früher? Da sind sie ja auch ohne Verstärkeranlagen ausgekommen, munkelt man zumindest. Da soll es auch unbestätigten Gerüchten zu Folge sogenannten Volkstanz gegeben haben, den man auf dafür vorgesehenen Bühnen vollzogen hat und nicht auf Biertischgarnituren. Die waren da nur zum – man höre und staune – Sitzen da. Genau weiß man es natürlich nicht.
Und was soll ich sagen, diese Änderungen sind wirklich spürbar. Begeisterung erfüllt mein Herz. Man kann sich tatsächlich im Zelt unterhalten und sein Bier trinken, ohne dass einem gefühlte 80 mal in der Stunde Hey Baby ins die Lauscher gedonnert wird. Soweit also alles mal gut. Nur leider hält es halt die entsprechenden Kandidaten trotzdem nicht davon ab, schon ab 19:00 Uhr auf die Bänke zu steigen. Könnt ihr nicht im Sitzen trinken? Müsst ihr das Zelt jetzt schon am frühen Abend unerträglich machen? Früher habt ihr wenigstens bis 21:00 Uhr gewartet, Saubande!
Wie sagte mein Kollege am Tisch so richtig: „Wenn die Stimmung gut ist, kann man schon mal mit dem Fuß mitwippen. Da gibt es ja nichts dagegen zu sagen. Aber man muss es ja nicht übertreiben.“ Schlauer Mann. Was uns ebenfalls auffällt, es sind natürlich die Preissn, die es auf die Bänke treibt. Der Bayer hat da wohl ein anderes Verständnis für Gemütlichkeit. Aber man erkennt den Bayern nicht nur daran, dass er sitzt. Auch an der Kleidung. Die besteht in unserem Fall aus Jeans und T-Shirt. Und zwar aus gutem Grund. Man will einfach nicht mit ebenjenen Preissn verwechselt werden, die meinen, bei dieser Gelegenheit ihre (ich muss es leider sagen) peinlichen Pseudo-Trachten Gassi führen zu müssen. Drum lässt man die Lederne (sofern vorhanden) besser mal im Schrank. Bei der richtigen Gelegnheit findet sich schon ein Waldfest, wo man sie wieder auspacken kann. Obwohl da die Bogner-Dirndl-und-Janker-Mafia inzwischen auch schon vermehrt anzutreffen ist. Aber so ist sie halt, die neue Zeit.
Ein Zeichen dieser neuen Zeit ist es auch, dass im Löwenbräu-Zelt die Krüge jetzt aus Plastik sind. Pflegeleicht für Personal und den einen oder anderen Kopf, wenn der Maßkrug im Eifer des Gefechts mal kurz auf selbigen aufgesetzt wird um ein lallend vorgebrachtes Argument entsprechend zu untermauern. Aber irgendwie stellt es mir bei dem Gedanken daran trotzdem die Haare auf. Andererseits, Löwenbräu. Mei, es könnte schlimmer kommen.
Prost!

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