The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Tortilla Curtain 2005

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Im Moment stelle ich mir immer wieder die Frage, wie weit es mit unseren Werten eigentlich wirklich her ist. Auslöser des ganzen war ein Roman von T.C. Boyle, Tortilla Curtain, der die Ideale eines (zumindest von sich) überzeugten Liberalen als reine Lippenbekenntnisse enttarnt, sobald sie in der Realität auf die Probe gestellt werden und nicht nur Gedankenspiele bleiben. An einigen Stellen hab ich mich unangenehm deutlich wiedergefunden.
Wie sieht es bei uns damit aus? Zwei Fälle stechen ins Auge. Der eine ist die Entführung der Archäologin Susanne Osthoff im Irak. Verschleppt – vermutlich von Kriminellen, die sich hinter dem Mantel des politischen Terrorismus ein Lösegeld erpressen wollen. Die Behörden sind aktiv, die Regierung, der ehemalige Bundeskanzler Schröder engagiert sich, das Volk fiebert mit. Es geht ja schließlich um eine Deutsche, unschuldig entführt. Der andere ist der von Khaled el Masri – enführt von CIA-Agenten in Mazedonien. Aufgrund einer Verwechlsung als angenlicher Terrorist verschleppt, gefangen gehalten ohne Anwalt, Rechte und Kontakt nach Hause, möglicherweise gefoltert. Das alles mit Wissen der Deutschen Regierung, die nichts dagegen unternommen hat. Und auch jetzt, ein Jahr nach seiner Freilassung nicht gewillt ist, etwas dagegen zu tun. Kein Protest, keine Unterstützung, kein Interesse daran, seine Rechte zu wahren. El Masri ist ebenfalls deutscher Staatsbürger, aber Halblibanese, Moslem, keiner von uns. Wo ist unsere Loyalität, die uns mit Susanne Osthoff mitfühlen lässt? In der U-Bahn fallen Sätze wie „Wahrscheinlich hat er ja wirklich Terrorkontakte“. Klar, er ist ja auch Moslem. Das schlimme ist, ganz kurz blitzte der Gedanke auch in meinem Kopf auf und dafür schäme ich mich noch immer.
Weit haben wir es gebracht mit unseren Werten. Tortilla Curtain 2005.

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