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Skeptizismus, Whisky und Politik

Welche Urteile stehen uns zu?

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Ein Mensch der uns nahe steht, erzählt uns von einer persönlichen Entscheidung, die er getroffen hat und die ihn belastet. Wir selber hätten diese Entscheidung nicht nur anders getroffen, sondern lehnen sie rundherum ab. Nicht nur das, wir halten seine ganzes Verhalten im Vorfeld, das ihn überhaupt erst in die Situation gebracht hat, die Entscheidung treffen zu müssen, für falsch, dumm und naiv. Wie reagieren wir? Welche Reaktion steht uns zu?

Wir können Entscheidungen nicht für andere Menschen treffen. Es zu tun, ist ungesund für uns selber. Es geht aber auch um den anderen, wir dürfen ihr oder ihm die Entscheidung auch nicht wegnehmen. Wir können Entscheidungen nicht nur nicht für andere treffen, wir dürfen es nicht. Es steht uns nicht zu, unsere Perspektive auf seine Situation anzulegen. Es steht uns auch nicht zu, seine Situation nach unseren Werten zu beurteilen. Oder anders: ihm dieses Urteil ungefragt aufzuzwingen.

Wenn uns der andere um Rat fragt, dann können wir unsere Perspektive mit anbringen. Aber auch dann sollte man damit vorsichtig sein. Mindestens muss dabei klar sein, dass es sich um unsere Perspektive handelt und warum diese für uns relevant ist. Daraus kann sich aber keinerlei Verpflichtung ableiten, diese Perspektive an- oder gar zu übernehmen. Das müssen wir akzeptieren.

Es mag die seltenen Fälle gehen, dass die Handlungen des anderen so unvereinbar mit unseren Werten sind, dass daraus ein echter Konflikt entsteht. Dann – und nur dann – muss man es auch als Konflikt behandeln.

Wann immer das aber nicht der Fall ist, gibt es aus meiner Sicht nur eine einzige Haltung, die uns zusteht: Mitgefühl.

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