The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Wir haben es satt!

| Keine Kommentare

Unter diesem Motto demonstrieren heute mehrere tausend Menschen in Berlin für einen Ausstieg aus der industriellen Landwirtschaft. Das ist ein ehrbares Anliegen, das meine volle Unterstützung findet. Nicht wenige der gravierendsten Probleme unserer Zeit hängen direkt oder indirekt mit der Art und Weise zusammen, wie wir Lebensmittel erzeugen. Vor allem natürlich mit Massentierhaltung, aber genauso mit dem Anbau hybrider Pflanzen in Monokulturen. Es wäre also aus vielerlei Hinsicht sinnvoll, sich davon zu verabschieden. Nur bin ich mir nicht sicher, ob sich alle im Klaren darüber sind, was das für uns alle bedeutet.

Es bedeutet eine Abkehr von einem Lebenswandel der Bequemlichkeit, im eine Rundumversorgung mit allen denkbaren Lebensmitteln zu niedrigsten Preisen den Normalfall darstellt. Es ist eine Mär, dass es nur mit industrieller Landwirtschaft möglich wäre, die Bevölkerung auf diesem Planeten zu ernähren. Vielmehr ist es nur mit industrieller Landwirtschaft möglich, den Überfluss zu erzeugen, in dem die erste Welt heute lebt. Davon müssen wir uns verabschieden, wenn wir eine nachhaltige und sinnvolle Landwirtschaft haben wollen.
Dann wird es nicht mehr jedes Produkt an jedem Tag in jedem Laden und zu jeder Uhrzeit geben können. Denn viele Produkte müssen dann wieder aus der Region kommen und werden nur in ihrer Saison erhältlich sein. Es wird auch nicht möglich sein, dass in jedem Supermarkt 15 Minuten vor Ladenschluss alle Auslagen komplett bestückt sind, damit die Kunden bis zum Schluss aus dem Überangebot auswählen können. Ein großer Teil dieser Produkte wird dann weggeworfen und diesen Luxus können wir uns dann nicht mehr leisten. Zu guter Letzt werden wir uns auch wieder daran gewöhnen müssen, nicht mehr nur die besten Teile zu kaufen und den Rest wegzuwerfen. Ein Huhn besteht nicht nur aus Brust und ein Schwein nicht nur aus Schnitzeln. Beides kann dann auch nicht mehr täglich auf unserem Teller landen.

Das alles ist nicht schlimm und sieht auch nur auf den ersten Blick nach Verlust aus. Es kann aber auch ein Gewinn sein. Erdbeeren schmecken im Juni eh besser als im Dezember. Ein guter Braten am Wochenende ist mehr Genuss als die ganze Woche über fades Billigfleisch. Einkaufen und Kochen wieder zu erlernen wird nicht nur die Umwelt entlasten und das Leid von vielen Menschen und Tieren verringern. Es kann auch unseren eigenen Lebenswert wieder erhöhen.

Aber es wird zumindest Anfangs ein Aufwand sein und es wird bedeuten, sich von vielen Bequemlichkeiten zu verabschieden. Das sollte uns bewusst sein, wenn wir eine Abkehr von dem Wahnsinn fordern, der inzwischen Alltag geworden ist.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.