The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Paolo Bacigalupi – The Windup Girl

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Es ist ein düsteres Szenario, dass Paolo Bacigalupi in The Windup Girl beschreibt – wenn auch leider kein besonders unrealistisches. Steam Punk ohne Steam, könnte man salopp sagen. Das Buch spielt in Thailand im 23. Jahrhundert, nach dem Ende der Erdöls und nach einer globalen Klimakatastrophe, die die Ozeane ansteigen und Großstädte wie New York oder Bombay ins Meer versinken ließ. Die meisten Staaten gibt es nicht mehr oder sie sind in der Hand globaler Saatgut-Konzerne, die über Gentechnik den Zugang zu Nahrungsmitteln kontrollieren, nachdem die meisten Pflanzen und Tiere durch Krankheiten und Schädlinge ausgerottet wurden. Thailand stemmt sich als einer der wenigen Staaten dagegen, ist aber geschüttelt von Armut, Korruption, Hunger und zahllosen wirtschaftlichen, politischen und religiösen Konflikten. Die Welt ist nicht nur ein sehr ungemütlicher Ort geworden, sondern auch ein kompliziertes Geflecht an Interessen und Machtspielen, die oftmals an Agentensettings aus dem Kalten Krieg erinnern. Sehr gut durchdacht und ausgesprochen stimmig.

In diesem Geflecht bewegen sich verschiedene Charaktere, deren Schicksale miteinander verknüpft sind. Ein Amerikaner, der Undercover für AgriGen, einen der großen Gentech-Konzerne arbeitet und die Ressourcen der thailändischen Samenbank für sein Unternehmen ausbeuten will. Sein Assistent, ein ehemaliger chinesischer Geschäftsmann, der vor der Machtübernahme islamistischer Milizen aus Malaysia geflohen und nun bestenfalls geduldeter Flüchtling ist. Ein thailändischer Captain der bewaffneten Einheiten des Umweltministeriums, der einen verlorenen Kampf gegen Korruption und den Untergang seines Staates führt. Dessen Lieutenant, deren Geschichte ich hier nicht verraten möchte. Und das Windup Girl, eine durch Gentechnik geschaffene Gespielin für reiche Japaner, die nach der Abreise ihres Herrn zurückgelassen wurde und in Bangkok als Abart an der Schöpfung gilt und nur durch Bestechung und Verstecke im Untergrund der Kompostierung in den Methangasanlagen der Stadt entgehen kann.

Die Interessen all dieser Protagonisten sind nicht nur entgegengesetzt, der Erfolg des Einen bedeutet das Scheitern des oder der Anderen und mehr als einmal geht es schlicht ums nackte Überleben. Dabei vermeidet es Bacigalupi, seine Figuren in Helden und Bösewichte aufzuteilen. Alle haben sympathische und abstoßende Seiten und alle haben für ihr Handeln gute Gründe. Echte Menschen eben, mit all ihren Fehlern, Gefühlen und Widersprüchen. Das und die Tiefe, die er allen Personen gibt, machen es dem Leser schwer, sich auf eine Seite zu schlagen. Je mehr sich die Ereignisse zuspitzen, desto klarer wird es, dass es kein Happy End geben kann – zumindest nicht für alle Beteiligten. Für mindestens einen (wenn nicht alle) läuft alles auf Leid und Drama hinaus.

Das macht das Buch nicht nur zu einem Wechselbad der Gefühle für den Leser (je nachdem, wer gerade am meisten seiner Zu- oder Abneigung genießt), es macht das Buch vor allem eins: irre spannend. Spätestens nach dem ersten Drittel wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen und haben es dann auch in zwei Sitzungen durchgelesen, was mir schon eine Zeit lang nicht mehr passiert ist.

Unbedingte Empfehlung!

2 Kommentare

  1. Sehr schöne Zusammenfassung. Inhalt klingt für mich spannend, macht Lust es zu lesen. Habe es auf meine Liste gesetzt. Thanks!

  2. Super geschrieben! Das klingt absolut 110%ig nach meinem Geschmack! Steht auf der Einkaufsliste!

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