The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Steven Brust – To Reign In Hell

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Der Aufstand der Engel um Satan gegen Gott ist mit Sicherheit nicht die älteste Geschichte der Menschheit. Aber immerhin wäre die Handlung die erste mögliche. Sie ist bereits mehrfach erzählt worden, am prominentesten in Dante Alighieris Divina Commedia und in John Miltons Paradise Lost, die allerdings beide keine leichte Kost, sondern ganz im Gegenteil massive literarische Brocken sind (die ich zugegeben auch nur in Auszügen kenne). Die Variante von Steven Brust hingegen liest sich sehr locker und schnell, ist aber keineswegs eine flache Boulevardversion.

Brust erzählt die Geschichte aus einem ganz eigenen Blickwinkel, bei dem die Rollen und Motivationen der Hauptcharaktere Yahweh, Satan, Lucifer, Lillith, Michael, Raphael, Mephistopheles, Asmodai und Abdiel teilweise stark von den vertrauten abweichen. Die Funktion des Protagonisten bleibt uneindeutig und insgesamt steht der Fokus auch eher auf der Herleitung eines Dramas, bei dem keiner der Beteiligten das böse Ende will, aber alle durch Stolz, Ignoranz und politische Notwendigkeiten in vollständiger Unvermeidbarkeit darauf zusteuern.

So bleibt die Handlung trotz des bereits bekannten Ergebnisses nicht nur spannend, sondern weist an vielen Stellen auch beunruhigende Analogien zu Geschehnissen aus unserer politischen und gesellschaftlichen Welt auf. Die Engel dienen hier nicht als theologische oder mythische Figuren, sondern als Archetypen menschlichen (Fehl)verhaltens. Geschickte Wechsel der Perspektive zwischen den verschiedenen handelnden oder nur beobachtenden bzw. regierenden oder regierten Figuren und eine einfache, aber kraftvolle Sprache unterstützen dies perfekt.

Selten hat mich die Umsetzung eines bereits bekannten Stoffes so gefesselt wie in diesem Fall.

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