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T.H. White – The Once And Future King

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Manchmal lässt man die besten Sachen links liegen. Schon vor etlicher Zeit hat mir ein Freund The Once And Future King von T.H. White empfohlen, einen der Klassiker der Fantasy-Literatur. Genau aus dem Grund hatte ich das Buch zwar gekauft, dann aber auch erst mal ignoriert. Jedes Mal, wenn ich vor meinem Regal mit ungelesenen Büchern stand und ein Neues auswählen wollte, hatte ich es in der Hand, aber einfach keine Lust auf klassische Fantasy. Obendrein die Arthussage, die ich ja nun schon in zigfacher Ausführung kenne. Fehler!

Letztlich hab ich es bei einer solchen Gelegenheit nun doch aus dem Regal genommen. Nicht mal so sehr, weil ich Lust drauf hatte, sondern weil es gerade die richtige Größe hatte (ein Taschenbuch mit 600 Seiten) und mich die anderen zur Auswahl stehenden Bücher in dem Moment nicht angesprungen haben – und war sofort fasziniert.

Bereits nach wenigen Seiten kam mir das sehr bekannt vor. Nicht wegen der Arthussage, nein die ganz konkrete Handlung. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn das erste der vier Bücher (The Sword In The Stone), aus denen The Once And Future King besteht, wurde von Disney unter dem gleichen Titel (zu deutsch: Die Hexe und der Zauberer) verfilmt. Der Stil des Buchs ist in der Verfilmung durchaus erhalten geblieben (und damals ist man bei Disneyfilmen auch noch nicht am Kitsch erstickt). Die Kindheit von Arthur (bzw. zu dem Zeitpunkt noch „The Wart“), die durch die eigenwilligen Erziehungsmethoden von Merlyn geprägt ist, der den zukünftigen König unter anderem in allerlei Tiere verwandelt, um ihn auf seine Aufgabe vorzubereiten. Merlyn ist hierbei nicht der übermächtige und weise Magier, sondern ein schrulliger, verwirrter alter Mann, dessen Zauber gerne erst beim zweiten oder dritten Versuch funktionieren. Dass er in der Zeit rückwärts lebt und deswegen Zukunft und Vergangenheit regelmäßig durcheinanderbringt, macht die Situationen oftmals noch absurder.

Zusammen mit einem Erzählstil, der einen an Peter Ustinov denken lässt, der die Geschichte mit einem verschmitzten Lächeln so wiedergibt, dass sie auch Leser ohne Wissen über das Mittelalter verstehen, wird daraus ein Riesenspaß, der mich an mehr als einer Stelle laut auflachen ließ.

In den darauf folgenden drei Büchern, die das weitere Leben von Arthur erzählen, bleibt dieser Stil auch erhalten. Begriffe werden in die Moderne transferiert, politische Debatten drehen sich um Kommunismus und Nationalismus und trotzdem wirkt das alles stimmig und nicht aufgesetzt. Was sich allerdings ändert, ist die Stimmung. Angepasst an die Phasen des Lebens und auch der Regentschaft von Arthur endet der unbekümmerte Spaß mit dem ersten Buch. Als Erwachsener muss sich der König dem Ernst des Lebens und der Realität einer grausamen Feudalherrschaft stellen, in denen die wenigen Adligen ohne jede Rücksicht auf andere Menschen und ohne Regeln ihre Macht ausleben. Sein Kampf gegen diese Macht und für eine gerechte Welt ohne Leid wird zwar weiter aus einer Distanz heraus und mit Augenzwinkern beschrieben, der Humor geht aber im Verlauf der Bücher immer weiter in Richtung Tragikomödie und weicht später mit der Geschichte um die Lancelot, Guenever und Mordred einem handfesten Drama. Bemerkenswert ist hierbei, dass White immer sehr nahe an den handelnden Figuren ist, ihre Motivationen und Hintergründe beschreibt und ihnen allen eine Tiefe und Menschlichkeit gibt, die den Leser auch für die vermeintlich Bösen Sympathien empfinden lässt. Über die weltliche Eroberung Englands, die spirituelle Suche nach dem Gral, das Geflecht aus Freundschaft, Liebe, Betrug und Verpflichtungen gegenüber Standards, die die Protagonisten selber definieren und aus denen sie nicht mehr ausbrechen können, steuert alles auf einen Höhepunkt zu, der Erfolg oder Niedergang bedeuten kann.

Am Ende des letzten Buches ist nicht nur viel Leid geschehen, der alternde König muss sich nun auch genau der Frage stellen, ob sein Leben umsonst war oder er zumindest den Grundstein für eine bessere Welt legen konnte. Das weitet sich zu der philosophischen Frage aus, was der Mensch ist, ob er gut sein kann oder auf ewig dazu verdammt ist, Machtkämpfe auszutragen, Kriege zu führen und sich allgemein gegenseitig Leid zuzufügen. Spätestens hier wird das Buch sehr tiefschürfend und hintersinnig.

Dieser langsame Wandel in Stimmung und Fokus der Handlung durch die verschiedenen Phasen hinweg mit den Lebensabschnitten eines Menschen gleichzusetzen, ist ein extrem geschickter und gelungener Kunstgriff, der es dem Autor ermöglicht, die unterschiedlichsten Stimmungen und Facetten in den Büchern unterzubringen und trotzdem einen schlüssigen Rahmen zu behalten.

Um es zusammenzufassen: Ich bin geplättet und begeistert!

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