The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Neues aus der Comedy-Anstalt

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Urban PriolUrban Priol und Neues aus der Anstalt waren mal Aushängeschilder des politischen Kabaretts in Deutschland. Bei diesem Satz habe ich ganz bewusst die Vergangenheit gewählt. Viel weiter kann man von diesem Anspruch nicht mehr weg sein als mit der gestrigen Sendung. Gut, man ist noch nicht auf dem Niveau von Richlings Satire Gipfel angekommen, aber viel fehlt nicht mehr.

Zugegeben, ich habe gestern Abend wieder mal an etlichen Stellen gelacht. Aber beim Lachen ist es auch geblieben und das ist für politisches Kabarett zu wenig. Dieses sollte aus meiner Sicht hintersinnig sein, zum Nachdenken anregen und im besten Fall die Zuschauer nicht einfach nur amüsiert, sondern aufgewühlt zurück lassen. Hagen Rether, Volker Pispers, Georg Schramm – diese Namen fallen einem in diesem Zusammenhang sofort ein. Urban Priol eher nicht, Frank-Markus Barwasser immerhin noch ein wenig. Aber das Loch, dass der erwähnte Schramm in gerade dieser Hinsicht hinterlassen hat, kann auch er nicht füllen. Denn dafür braucht es nicht nur Talent, das beide fraglos haben. Dafür braucht es in erster Linie Inhalte. Die aber fehlen leider.

Die Gegner und Ziele der Attacken sind nur noch die offensichtlichsten und dabei ist kein Lacher zu naheliegend, um nicht gebracht zu werden. Wulff natürlich, Merkel sowieso – wie könnte es anders sein. Der Rest wird bestenfalls am Rande gestreift. Dabei ist man sich der Problematik selber durchaus bewusst und erregt sich nicht nur darüber, dass die „Affäre“ Wulff wirklich wichtige Themen aus der Wahrnehmung verdrängt (um selber exakt das gleich zu tun), man witzelt auch noch zum Abschluss darüber, was man in der vergangenen Stunde alles Sinnvolles hätte tun können, statt sie mit inhaltlichen Plattheiten zu füllen. Was soll das?

Möchte man die Anstalt an die Comedysendungen des Privatfernsehens angleichen? Darf man im ZDF gar keinen Anspruch mehr haben? Die Leute eben nur noch unterhalten, statt aufzuregen? Das wäre tragisch und weit hinter den Möglichkeiten, die Priol und Barwasser haben.

Oder passt man sich einfach aus Bequemlichkeit dem Publikum an? Das würde zu dem Fazit der Humorkritik zu Sebastian Krämer aus der Dezemberausgabe der Titanic passen: „Sebastian Krämer verfügt nun über etwas, was ich ihm vor zwanzig Jahren wünschte: Publikum. Zudem verfügt er über etwas, was ich ihm damals sicher nicht wünschte: Kabarettpublikum.“

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