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Mein musikalisches Ich – Teil 4: They were the Metal Kings

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So, ist eine Weile her, dass ich zu dem Thema was geschrieben hab, ist also überfällig. Here we go.

Nachdem ich mit Motörhead und Gary Moore bereits an den harten Gitarren geschnuppert hatte, war es nur noch ein Katzensprung zu der Musikrichtung, die mich wohl am meisten geprägt hat und die mir nach wie vor auch die wichtigste von allen ist. Heavy Metal.

Am Anfang waren es vor allem 3 Bands, die mich in ihren Bann zogen.

Warlock hatten damals gerade „Triumph & Agony“ veröffentlicht. Nicht nur deswegen wird Doro wohl immer einen Stein bei mir im Brett haben, egal wie weit sie musikalisch noch sinken mag. Aus heutiger Sicht mögen Warlock auch zu ihrer Hochphase ein wenig peinlich gewesen sein – ich mag die Musik immer noch. Damals war das aber selbstredend einfach nur Gott und mit einer Sängerin auch einigermaßen ungewöhnlich. Es war ja noch Jahre bevor uns Legionen an mittelmäßigen Gothic-Metal-Bands mit ihrer Schmachtamseln auf die Nerven gehen sollten. Doro war natürlich völlig anders, kein Leid und Herzschmerz, sondern halt Metal mit Leder und Nieten und damit der Traum eines pubertierenden Jungen. Also endgültig weg mit den albernen BRAVO-Postern. Es war aber natürlich nicht nur die Optik, es war auch ganz klar die Musik. Die Kombination aus heftigen Gitarren und eingängigen Melodien hat zu der Zeit genau meinen Nerv getroffen. Ich weiß noch genau, wie ich zum ersten Mal All We Are gehört hab. Heute mag man darüber lachen, aber damals war das einfach meine Hymne. Und außerdem hatten Triumph & Agony einfach ein geiles Cover. *g*

Wo wir gerade bei Covern sind, allein in der Hinsicht waren Iron Maiden natürlich eine Klasse für sich. Eddie war der Elternschreck und damit natürlich sofort der Held. Und er war unglaublich detailverliebt auf allen Covern umgesetzt (damals natürlich noch in LP-Größe und nicht auf einem albern winzigen CD-Booklet). Wir saßen stundenlang auf dem Boden vor der Stereoanlage, haben Maiden rauf und runter gehört und dabei die Cover nach weiteren Details abgesucht. Aber es waren natürlich nicht nur die Cover. An Maiden, die ich nach wie vor für die größte Metalband aller Zeiten halte (auch wenn sie sich nach den ersten 7 Scheiben getrost hätten auflösen können), hab ich einfach alles geliebt. Den Gesang (sowohl den von Bruce Dickinson wie auch den von Erstsänger Pual DiAnno), die zweistimmigen Gitarrenläufe mit unfassbar großen Melodien, den ratternden Bass von Steve Harris (der dann auch der wichtigste Grund werden sollte, warum ich selber den Bass als Instrument gewählt hab), das ausgefeilte Drumming und natürlich nicht zuletzt das Songwriting, das immer noch Maßstäbe setzt. Kompositorisch waren Iron Maiden einfach klar eine Klasse für sich. Viele wurden davon beeinflusst, nur wenige sind in die Regionen vorgestoßen, in denen Maiden in ihrer Hochphase gespielt haben. Ganz große Kunst.

Covertechnisch nicht ganz so brilliant, dafür aber der Selbsteinschätzung nach die absolut härtesten, besten, lautesten und generell Größten – Manowar, die selbsterklärten Kings of Metal. Egal in welchen Niederungen sich die Band heutzutage befindet und wie sehr man über diese Demontage betrübt sein mag – damals waren sie wirklich eine der ganz großen Bands. Klar hat das vor Pathos getrieft, klar waren die Texte auch damals schon übelst (aber wer stört sich als Jugendlicher schon an Macho- und Kriegertexten?) – aber die Songs haben mich damals gefesselt und tun das auch heute noch. Das war einfach genial umgesetzte Epik mit einem der besten Sänger, den die Szene je gesehen hat.

Allen drei Bands war gemein, dass ihre Musik durchaus klassische Elemente aufgewiesen hat, was mir den Zugang wohl eindeutig erleichtert hat. Bald sollte dazu aber noch weitere Bands auf den Plan treten, die die Sache um einiges rotziger und aggressiver angingen. Ich näherte mich dem Thrash.

Hier waren es zuerst vor allem zwei Bands, die mich begeisterten. Die ersten waren die New Yorker Anthrax, die damals eine eher ungewöhnliche Mischung machten, die mir sehr sympathisch war. Einerseits war das harte Mucke mit durchaus schlauen sozialkritischen Texten, andererseits waren Anthrax ein Haufen bunter Verrückter, die statt Leder bunte Shorts trugen und denen Skateboards und Party wichtiger waren als Leder und Nieten. Außerdem gab es durchaus Überschneidungen zur Punk- und Hardcore-Szene, die mir ja zu der Zeit auch nicht gerade fremd war.

Auch Overkill, die zweite Band aus der Ecke, hatte deutliche Bezugspunkte zum Punk, war dabei aber eine gute Ecke härter und düsterer als die New Yorker Kollegen. Außerdem waren Overkill wie auch Maiden und Manowar eine Band mit einem sehr prägnanten Bassisten, dessen Spiel (und vor allem dessen Sound) mich als Musiker nachhaltig geprägt haben. Es war wohl diese Band, die mir den Weg in die Ecken des Metal gewiesen hat, in denen es nicht heroisch und episch zuging, sondern dreckig, schmutzig und böse. Welcome to the gutter.

Erst relativ spät entdeckte ich Metallica für mich, die damals eigentlich die bekannteste und größte Band im Thrash-Zirkus waren. Allerdings war es erst … And Justice For All, das mich mit seiner unglaublich kalten und negativen Ausstrahlung gefesselt hat. Das Album hat mir damals gezeigt, was Wut musikalisch sein kann und ist in dieser Hinsicht nach wie vor die Referenzscheibe für mich. Wenn ich so richtig schlecht drauf war, war das der Soundtrack, den ich dann brauchte. Die anderen Alben der Band kamen dann recht bald nach, erreichten aber nie den Stellenwert von Justice.

Eine Band aus diesen Anfangstagen muss noch erwähnt werden. Queensrÿche waren musikalisch eher in der Nähe der ersten hier genannten Bands, stachen dabei aber nicht nur durch ihre technische Brillianz heraus, sondern vor allem auch durch ihre ausgesprochen intelligenten Texte. Es ist ein Kampf der Giganten, aber trotzdem würde ich Operation:Mindcrime bei den Konzeptalben noch vor The Wall von Pink Floyd sehen. Die deprimierende Geschichte um den Außenseiter Nikki, der sich einer Untergrundorganisation anschließt, die am politischen Umsturz arbeitet und von ihnen genauso ausgenutzt und verarscht wird wie von der Gesellschaft, gegen die er kämpfen will, ist nach wie vor ein absolutes Meisterstück der Musikgeschichte.

Als letztes muss man leider anmerken, dass inzwischen alle genannten Bands nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Overkill können zumindest live noch bestehen. Ein zwingendes Album bleiben sie aber traurigerweise seit vielen Jahren ganz genauso schuldig wie die anderen hier genannten. Besonders traurig ist das bei Anthrax, die zwar noch das musikalische Zeug dazu hätten, aus geschäftlichen Gründen die Band aber inzwischen zu einer Farce gemacht haben, die an peinlicher Heuchelei und Fanverarsche ihresgleichen sucht …

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