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Motörhead im Zenith München

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An sich war ich ja pünktlich da. Aber in den Münchner Hallen (außer dem Backstage) ist es in letzter Zeit ja in geworden, die Konzerte früher anfangen zu lassen als angekündigt. Als ich jedenfalls so um 20:10 von der Garderobe und vom Bierstand kam, waren Mustasch grade fertig. Na toll.
Dafür konnte ich dann Skew Siskin sehen. Obwohl das Sehen nicht wirklich das zentrale war. Zu sehen gab es nämlich nur eine leicht abgetakelte Rock-Schachtel am Mikro und zwei völlige Schlaftabletten an den Saiteninstrumenten. Die Show der ersteren war irgendwo zwischen gewollt und peinlich. die der beiden letzteren kann man eigentlich nur als Bewegungsverweigerung bezeichnen. Musikalisch war’s zwar ganz netter Rock, aber verbunden mit der Optik nicht mehr als ein netter Anheizer für Motörhead. Hat auch nicht wirklich viele Leute vor der Bühne interessiert.
Angeblich haben sie an dem Abend für eine Live-DVD gefilmt. Um Gottes Willen, spart euch die Arbeit und nehmt einfach ein Standbild …
Dann aber endlich Motörhead. Meine letzte Hallentour war ’91 zum 1916-Album. Seitdem hab ich die Jungs nur auf Festivals gesehen, ich war also einigermaßen gespannt. Die Bühnenaufbauten waren eher spartanisch (also kein Bomber dabei), aber mehr als ein Backdrop mit dem Logo drauf braucht’s ja auch nicht wirklich. Der Sound war anfangs ziemlich mies, wurde dann aber schnell besser (und lauter). Insgesamt blieb er aber eher mittelmäßig. Aber auch das ist bei Motörhead nicht so schlimm, viel Filigranes kann ja nicht verloren gehen.
Dafür gab es eine gewaltige Ladung Rock’n Roll. Zum Einstieg kam wie erwartet „We are Motörhead“ und „born to kick your ass“ war dann auch Thema des Abends. Auf der Setlist stand eine gute Mischung aus alt, ganz alt und (ein wenig) neu. Die Mischung aus Klassikern aus allen Phasen und ein wenig neuem Material bot zwar außer „Love You Like A Reptile“ keine großen Überraschungen, sollte aber trotzdem alle zufrieden gestellt haben. Vor allem, da das Trio sichtlich Spaß an der Sache hatte und die Songs extrem motiviert in die Menge geknallt hat. Mir hat’s jedenfalls verdammt gut gefallen. Ich war diesmal sogar mit Mikkey Dees Drumming zufrieden. Neben seinen unbestritten großen technischen Fähigkeiten hat er an diesem Abend sogar sowas ähnliches wie Groove hinbekommen. Und sein Drumsolo bei Sacrifice war wirklich sehr kurzweilig.
Lemmy und Phil hatten auch sichtlich Spaß am Publikum, was mir allerdings eher unverständlich war. Denn zu großen Teilen gab es mal wieder die Münchner Standard-Langweiler, die während des ganzen Konzerts kein Körperteil bewegen, es nicht nötig haben, zu klatschen und nach Verklingen des letzten Tons sofort zum Ausgang gehen. Aber da waren schon auch ein paar coole Leute, die die Band gebührend abgefeiert haben. Und auch ein paar gesetztere Familienväter in Lemmys Alter, die richtig gut abgegangen sind und tierischen Spaß hatten.
Insgesamt ein sehr geiles Konzert, hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Setlist (höchstwahrscheinlich, ich hab’s nicht aufgeschrieben):
We Are Motörhead
No Class
Shoot You in the Back
Civil War
God Save The Queen
Metropolis
R.A.M.O.N.E.S.
Overnight Sensation
Stay Clean
Over the Top
Sacrifice / Drumsolo
Love You Like A Reptile
Going To Brazil
Dr. Rock
Killed By Death
Iron Fist

Ace Of Spades
Overkill

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