The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Strapping Young Lad, Devin Townsend Band & Zimmer’s Hole

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Endlich! Der Meister wieder in München. Voller Vorfreude machten wir uns auf ins Backstage, begleitet von ein Kumpels aus Wien, die extra für das Konzert gekommen waren. Vor der Halle war’s saukalt und das Backstage war mal wieder nicht ganz so pünktlich mit dem Einlass, weswegen wir uns erst mal ins Klo verzogen haben, denn da gibt’s eine Heizung ;-).
Die erste Überraschung war, dass das Konzert von der Halle in den Club verlegt war. Viele Leute waren auch nicht da und von dem her war uns ein voller Club natürlich lieber als eine leere Halle. Und da der Club im Backstage auch eine ziemlich coole Atmosphäre hat, war dies auch eine eher positive Überraschung.
Gegen 20:45 ging es los mit Zimmer’s Hole. Ich hab die letztes Jahr schon am With Full Force gesehen und wusste deswegen einigermaßen, was mich erwartete. Ich hab mich trotzdem vor Lachen fast weggeworfen. Der Sänger diesmal nicht im He-Man-Kostüm, sondern nur mit einer Lederschürze „bekleidet“, dazu wieder angeklebte Hörner, Schminke und Schwerter, die er zur mäßigen Freude der Backstage-Crew ein paar Mal recht pathetisch in die Bühne gerammt hat. Und es gab natürlich wieder einigen Humor am Rande der Geschmacksgrenze: Sex mit vergammelten Skeletten, Biertrinken aus dem Umschnall-Penis, Scheiblettenwerfen ins Publikum (auf die Scheibletten war mit Edding „Show us your tits!“ geschrieben und man konnte sie an der Kasse gegen ein Poster eintauschen), usw. „Maybe some of you are here with your girlfriend, or maybe your sister. Or your mother? OK, anyway. I want you to look at this woman now and ask yourself: ‚How many cocks has she actually seen in her live?‘ – Next Song’s called ‚My girlfriend left me for a thousand miles of cock'“. Der Brüller.
Neben den ganzen Albernheiten und Showeinlagen muss man natürlich auch sagen, dass Zimmer’s Hole durchaus spielen können. Da die Band bis auf Schlagzeuger und Sänger aus den Musikern vor Strapping Young Lad besteht, verwundert das auch nicht weiter. Und so albern der Sänger auch aussehen mag, stimmlich hat er einiges auf dem Kasten. Alles in allem war die erste Band des Abends einfach nur dicke Metal-Party.
Nach einer angenehm kurzen Umbaupause (alle Bands spielten die gleiche Backline) kam dann Mr. Townsend auf die Bühne. Und da kam die zweite Überraschung. Während er letztes Mal völlig pissed rüberkam und die Leute nur konstant beschimpft hat (was zwar irgendwie auch ganz gut zum Sound gepasst hat :-), war Devin diesmal sehr locker und relaxt, und unterhielt die Leute mit kleinen Witzen und viel Charm. „Are you evil? Yeah? Oh, Ladies and Germs, we have some evility in the house!“
Und auch musikalisch war es von einer ganz anderen Dimension. Der Set bestand hauptsächlich aus Songs von „Ocean Machine“ und „Terria“. Alles sehr rockig und sphärisch. Das war eine Stunde lang abheben, auf und vor der Bühne. Townsend genoss sichtlich jeden Ton, und genauso ging es dem Publikum. Höhepunkt waren „Earth Day“ und „Deep Peace“, die am Stück zelebriert wurden.
Einziges Manko war der Bassist. Der konnte zwar spielen, war aber verdammt unsicher und hat deswegen einiges verwackelt, was er an sich locker drauf gehabt hätte. Schade, aber nur ein kleiner Kratzer an einem ansonsten völlig genialen Auftritt.
Dann nochmal kurze Pause und Devin kam im neuen Shirt mit SYL zurück auf die Bühne. Sonderapplaus für Gene Hoglan, die Legende am Schlagwerk. Und dann bekamen wir 1 1/2 Stunden das absolute Brett in die Fresse geknallt. Pausen zwischen den Songs gab es kaum, und wenn dann nur kurz. Ansonsten wurden uns konstant die Ohren an die Hallenwand genagelt. SYL in Topform. Letztes Mal waren sie gut. Diesmal waren sie völlig überragend. Gene Hoglan hat mal wieder gezeigt, dass Geschwindigkeit eben doch Hexerei ist. Und dass man beim Hexen aber trotzdem völlig unbeteiligt schauen kann und irgendwie auch nicht ins Schwitzen kommen muss (im Gegensatz zum Rest der Band). SYL waren supertight und dank des sehr guten Sounds hat man auch wirklich jedes Riff gehört. Abartig. Die nächste „harte“ Metalband, die ich live sehe, werde ich wohl leider auslachen müssen – egal, wer es sein wird.
Fazit: Besser kann ein Konzertabend eigentlich nicht mehr sein. Erst Party, dann abheben und zum Schluß wieder in Grund und Boden geprügelt werden. Es wird verdammt lange dauern, bis da wieder ein Konzert rankommen wird.

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