The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Summer Breeze Festival 2003

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Das Summer Breeze in Abtsgmünd hat sich schon im letzten Jahr als sehr sympathisches Festival gezeigt. Mit knapp 12.000 Besuchern und seiner Mischung aus Underground-Bands und großen Acts ist das alles weitestgehend überschaubar und unstressig. Anstehen und Warten wie bei den großen Festivals ist eher die Ausnahme. Dazu kommen sehr freundliche Ordner (die sich diesmal ihre eigenen Shirts mit Edding verziert hatten. Sehr schön z.B. „Ich bin der Leitz-Ordner“) und eine ziemlich reibungslose Organisation. Einzige kleine Kritikpunkte waren diesmal die Anzahl der Dixis auf dem Campingplatz und das dezente Chaos beim Rausfahren / Müllabgeben am Sonntag. Ansonsten war das alles extrem empfehlenswert.
Wir haben uns auf dem Festival mit etlichen Bekannten getroffen. Kumpels von uns hatten praktischerweise wieder ihren selbstgezimmerten Sarg dabei. Das Ding ist mit Styropor isoliert und mit einem Schloss versehen. Damit hatten wir wohl mal wieder die stylischste Kühlbox des Festivals 😉

Zu den Bands:

Donnerstag:

SLEEPINGODSLIE
War eine sehr ordentliche Eröffnung. Im Prinzip irgendwie New Metal, aber schwer zu beschreiben, weil die Jungs aus zu vielen Stilrichtungen kombinieren. Trotzdem hat das ganze einen roten Faden und macht einigen Spaß. Cooler Opener.

FINAL BREATH
Ziemlich traditioneller Thrash. Nicht schlecht aber auch nicht besonders spektakulär.

SINCERE
Wieder was modernes. Grooviger Metal mit Elektro-Einlagen und sehr spontanen Song-Enden. Nicht übel, aber irgendwie hat der Kick gefehlt. Schade dass sie ihre Intros und Zwischensequenzen nicht in ihre Songs integriert haben, die waren nämlich an sich das interessanteste daran.

EDENBRIDGE
Pathetischer und ausgeleierter Gothic der besonders schlimmen Art. Völlige Einfallslosigkeit, direkt mit dem Dampfhammer von einem Klischee ins nächste gepresst. Gehört zu dem Übelsten, was ich bislang aus der Ecke gesehen hab. Irgendwie ziemlich gruslig, dass es Leute gibt, denen das ernsthaft gefällt.
Edenbridge hatten dazu die schönste Ansage des Festivals: „Jetzt kommt leider wieder ein schnellerer Song“ …

BLOODFLOWERZ
Und gleich noch mal Gothic mit Frauengesang. Aber der war wenigstens erträglich. Zwar genauso austauschbar wie die meisten Vertreter dieser Art, aber trotzdem um Klassen besser als Edenbridge.

PSYCHOPUNCH
Das erste Highlight des Tages. 4 völlig dichte Schweden blasen einem mit punkigem Schweinerock den ganzen Gothic-Mist aus den Gehörgängen. Das mit den Ansagen hat zwar aufgrund des Alkoholpegels nicht mehr ganz geklappt, aber gespielt haben sie 1A. Das hat derbe Laune gemacht. Vom Feinsten.

NAPALM DEATH
Bei der einzigen englischen Band des Festivals hat es standesgemäß geregnet (und zwar nur bei Napalm Death – ansonsten war keine Wolke zu sehen). Aber wie meinte Barney so schön: „English band – english fucking weather“.
Die Briten waren wie schon am With Full Force wieder nur zu viert (der zweite Gitarrist ist wohl immer noch nicht fit). Und wie am WFF war es trotzdem wieder ein geiler Auftritt. Mit die intensivsten 40 Minuten am Festival 😉

SYMPHORCE
Nachdem ich Brainstorm letztes Jahr schrecklich fand, hab ich mir ja gar nichts erwartet. Und dann wurde ich doch sehr positiv überrascht. Musikalisch zwar nicht ganz mein Ding, aber trotzdem ein sehr guter Auftritt, sympathisch, gut gespielt und vor allem mit einem sehr überzeugenden Frontmann.

RAGE
Obwohl absolutes deutsches Metal-Urgestein, hab ich Rage davor nur auf den beiden Touren mit den Prager Philharmonikern gesehen. Hat mir gut gefallen, nur der Sound hätte etwas besser sein können und die 10 Minuten Gitarren- und Drumsolo waren mehr als überflüssig. Ansonsten geil.

PUNGENT STENCH
Die Death Metaller aus Wien mag ich eigentlich, diesmal aber fand ich’s ziemlich fad. Zeit für eine Pause.

SUBWAY TO SALLY
Ganz komischer Auftritt. Waren irgendwie nicht ganz bei der Sache. Bodenski wirkte ziemlich dicht (Stageacting und vor allem die zwei Ansagen, die er gemacht hat), die anderen oft etwas lustlos. Gerade „Julia und die Räuber“ bei der Zugabe war völlig für’n Arsch. Wenn man keinen Bock auf einen Song hat, sollte man ihn nicht spielen. Hab ich schon sehr viel besser gesehen.

THE KOVENANT
Beste Band am Donnerstag, war richtig cool. Die Mischung aus Black Metal und Industrial-Space-Sound knallt live ziemlich rein. Und Lex Icon ist live noch zynischer als auf Platte. Allerdings würde mir das noch deutlich besser gefallen, wenn der Bass und viele Keyboardläufe nicht vom Band kommen würden.

Freitag:

AGE OF IGNORANCE
Leicht elektronisch angehauchter New Metal mit dezenten Ähnlichkeiten zu Static-X. Leider waren um 12 noch nicht wirklich viele Leute am Platz und vor der Bühne standen nur ein paar vereinzelte Frühaufsteher. Schade eigentlich, denn die Band war ziemlich gut.

FALLEN2PIECES
Seltsamer Sound und komische Optik. Ein Sänger sah nach Pop aus, der Bassist nach Stoner Rock und der Gitarrist nach Thrash Metal. Die Musik war irgendwie grooviger Rock mit Gesang, der leicht in die Powermetal-Ecke ging. Ziemlich eigenwillig, aber ganz gut.

DARKWELL
Wieder mal Gothic mit Frauengesang. Wieder genauso austauschbar.

THUNDERSTORM
Anscheinend kommt aus Italien metal-technisch doch nicht nur Mist. Thunderstorm zumindest waren recht geil. „Flotter“ Doom-Metal, kam gut.

JUSTICE
Angeblich neben JBO der ganze Stolz Frankens. Ich fand’s furchtbar. Langweilige Songs, mittelmäßig gespielt. Dass die Jungs schon 7 CDs raushaben, hat man ihnen nicht angemerkt. Besseres Schülerbandniveau.

HYPNOS
Jetzt kam’s richtig dick. Bitte lernt doch erstmal, eure Instrumente zu spielen (zumindest in Grundzügen), bevor ihr auf eine Bühne steigt. Indiskutabel.

HEAVEN SHALL BURN
Die Entschädigung kam dann mal wieder aus Thüringen. Haben mich letztes Jahr am WFF schon begeistert und waren wieder saugeil. Schneller MetalCore, mit viel Bock von sympathischen Jungs gespielt. Einfach geil.

GRAVEWORM
Die BlackMetal-Shootingstars aus Südtirol. Nicht schlecht, aber wirklich gekickt hat’s mich nicht. Und leider eben mal wieder der Standard-Bontempi-Keyboard-Sound. Spätestens nach 20 Minuten ziemlich langweilig.

FARMER BOYS
Der New Metal „Local Act“ aus Stuttgart. Nicht schlecht, hab ich aber schon sehr viel besser gesehen. Dem Sänger merkt man seine Alkohol-Exzesse inzwischen leider doch ziemlich an.

DISBELIEF
Ziemlich harter Mid-Tempo-Death-Metal. Allerdings wurde mir da die Sonne langsam zu heftig und ich musste mich mal ein wenig in den Schatten verziehen. Aber was ich von dort mitbekommen hab war ganz gut.

AMON AMARTH
Hatten nicht ihren besten Tag. Etwas holprig an machen Stellen. Auch Schweden vertragen wohl bei diesen Temperaturen den Alkohol nicht mehr ganz so gut. Dazu war die Main Stage in der prallen Sonne. Hat aber trotzdem verdammt viel Spaß gemacht. Wirklich schlecht können Amon Amarth wohl im Moment einfach nicht sein. Und kleine Verspieler beweisen wenigstens, dass es live ist 😉

NAGLFAR
Ich hab nur 2 Songs mitbekommen, weil ich dringend Pause machen musste. Aber die waren scheissgeil. Black Metal, sehr tight und straight in die Fresse.

CHILDREN OF BODOM
Melodic Death, genauso langweilig wie auf Platte. Technisch einwandfrei, aber schwache Songs. Sollten sich lieber in „Fucking Children of Fucking Bodom, Motherfucker“ umbenennen, würde besser zu den Ansagen passen.

AMORPHIS
Amorphis fand ich auf Platte eigentlich immer geil. Ihre Entwicklung vom Black Metal zu ihrem jetzigen abgedrehten Gothic-Sound ist mehr als interessant. An sich wäre auch der Auftritt ganz gut gewesen, weil sie zum ersten Mal guten Sound hatten (zumindest seit ich sie kenne) und einen coolen Mix aus allen Phasen gespielt haben. Leider hat man aber bei dem guten Sound den Gesang gehört. Und der war dermaßen unterirdisch, unfassbar. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Band dieser Größe mit einer so miserablen Gesangsleistung gesehen zu haben. Dazu hatte der Sänger ein ultra-arrogantes Stageacting. Grauenhaft.

IN EXTREMO
Beste Band des Festivals. Wahnsinns-Auftritt trotz Not-Besetzung (der Yellow Pfeiffer am Dudelsack hat gefehlt und am Bass war ein Ersatzmann). Ich hab sie schon oft gut gesehen aber das war überragend. Die hatten richtig Bock und haben alles abgeräumt. Und ganz nebenbei den anderen Bands (vor allem Subway to Sally) mal gezeigt, wie man RICHTIG Feuer spuckt.

FINNTROLL
Saustark. Wieder mit dem ganz alten Sänger und einem neuen Gitarristen präsentierten sich die Finnen mit ihrem Mix aus Black Metal und Polka in Höchstform. Verdammt geil.
Nett auch der Einstieg. Nachdem Finntroll wohl einigen Ärger am Flughafen hatten und fast nicht gespielt hätten, kam die Ansage: „Somebody didn’t want us to play here. Somebody stole our equipment. By the way, he’s dead by now.“

Samstag:

DEFENDING THE FAITH
80er Metal mit Judas Priest und Iced Earth Anklängen. Gut gespielt, aber ziemlich einfallslos. Und Drumcomputer statt Schlagzeuger ist bei der Mucke einfach daneben.

THE ARMADA
Das war gar nix. Grässliche Mischung aus True und Power Metal.

KORODED
So, jetzt mal wieder etwas modernen. Ich mag voreingenommen sein, weil Koroded Kumpels von uns sind. Aber ich fand den Auftritt ziemlich geil. Viel Energie drin, trotz der Urzeit und des kleinen Publikums).

ELIS
Und nochmal Gothic mit Frauengesang. Gähn.

DARKSEED
Gotisch ging’s dann auch weiter. Darkseed mit neuem Sänger, leider alles sehr kraft- und energielos. Schwach.

DESASTER
Ich mag Bands, die sich auf der Bühne Gas abrackern. Das haben Desaster definitiv getan. Aufgrund der technischen Defizite und den vielen anderen starken Krach-Kapellen bei diesem Festival aber bestenfalls oberes Mittelfeld.

DEW SCENTED
Unsympathische Ansagen aber guter Auftritt der Thrasher.

CALLENISH CIRCLE
Für mich das erste große Highlight des Tages. Schneller, sehr melodischer Death Metal, einwandfrei gespielt. Ging mit richtig gut rein.

GOD DETHRONED
Noch mehr Geballer. Nicht übel, aber irgendwann wurde es ein wenig eintönig. Aber die Sonne war inzwischen auch gemein und vielleicht lag es ein wenig daran.

UNDERTOW
Scheisse, waren die wieder geil. Abwechslungsreiche Songs zwischen Crowbar-Schwere und flotteren Hardcore-Passagen, super sympathisch. Ganz groß. Wann kommt endlich der große Durchbruch für die Jungs?

SINNER
*gähn*

END OF GREEN
Neben Undertow die zweite Underground-Band, die schon lange den Erfolg verdient hätte. Und auch hier wieder mal ein geiler Auftritt. End of Green machen einfach alles richtig, was Bands wie HIM falsch machen.

WITHIN TEMPTATION
Kitsch as Kitsch can. Im Prinzip mag ich sie ja live, aber diesmal fand ich es schwächer als sonst. Bei Within Temptation war es immer cool, dass sie live ein ziemliches Gitarren-Brett fahren. Nur diesmal waren die Gitarren völlig in den Hintergrund gemischt. Gothic-typische Keyboard- und Gesangs-Dominanz. Hoffentlich lag’s nur am Mischer …

THE CROWN
Yes. Was für ein Brett. Killergig. Extremste und mit Abstand die beste Prügelband des Festivals.

IN FLAMES
Ganz komischer Auftritt. Hatten sehr mäßigen Sound und über weite Strecken wohl einfach keinen Bock. Bei manchen Songs standen alle 4 Mann völlig teilnahmslos auf der Bühne. Übel. Bezeichnend, dass sie es als einzige Band des Festivals nicht schafften, die Publikum mitzureißen. Das blieb den ganzen Set über genauso apathisch wie die Band. Schade.

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