The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

With Full Force Festival 2003

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Donnerstag nacht um 2 waren wir in Delitzsch und haben dort unsere Kumpels aus dem Norden getroffen. Dann ging’s ab zum Festival. Allerdings nur kurz, denn schon auf der Landstraße vor Roitzschjora begann der Stau. Wir haben dann original 4 Stunden gebraucht, um auf’s Gelände zu kommen. Auto anlassen, 10 Meter fahren, Motor abstellen, warten, wieder von vorne. Aber dann waren wir endlich drin, Zelte aufbauen, noch ein Bierchen und dann erst mal pennen. Bei mir waren es inzwischen 24 h auf den Beinen.
Dafür hatten wir allerdings am nächsten Tag bei der Bändchenausgabe richtig Glück. Während links und rechts von uns mehrere hundert Mann in den Schlangen standen, wurde direkt vor uns eine neue Ausgabe aufgemacht. Ein kurzer Sprint brachte uns in die dritte Reihe und damit verkürzte sich die Wartezeit hier auf knappe 10 Minuten.
Und auch sonst lief das alles sehr reibungslos. Das Wetter war im Großen und Ganzen OK, es hätte vielleicht 2 oder 3 Grad wärmer sein können (dann hätte ich jetzt auch keine Erkältung) aber wenigstens hat sich der Regen auf die Zeiten beschränkt, in denen kein Programm war. Auch die sanitäre Situation war in Ordnung, es waren eigentlich immer saubere Dixies verfügbar. Und auch was die Organisation und die Preise angeht, gab’s (bis auf das Chaos beim Reinkommen) nichts zu meckern.

Zu den Bands:

Freitag:

Totenmond
Es hat immerhin ein gutes, ein Festival mit Totenmond zu eröffnen: Man hat die schlechteste Band gleich am Anfang hinter sich. Das ist allerdings auch das einzig positive dran. Willkommen im Idiotenreich des Luzifer.

Dritte Wahl
Ich hab nur 2 Songs gesehen, weil parallel Charley’s War liefen. Aber die waren durchaus in Ordnung. Solider gespielter Punk mit Mitgröhl-Refrains. Gut.

Charley’s War
Ich hab die Jungs auf ihrer letzen Tour 1991 in München gesehen. Damals waren sie richtig geil. Trotz Grippe und Fieber haben sie ihren Auftritt durchgezogen und alles gegeben. Allein deswegen hatten sie bei mir einen Stein im Brett und ich hab mich sehr über diesen einen Gig gefreut, den Charley’s War zum Anlass des 10-jährigen Full Force gespielt haben. Und ich wurde nicht enttäuscht. Obwohl das Publikum es ihnen nicht wirklich leicht gemacht hat (nach 10 Jahren kannte die Band halt so gut wie niemand mehr), haben es Charley’s War ordentlich knallen lassen und einen extrem sympathischen Gig gespielt. Dass sie seit 10 Jahren nicht mehr gespielt hatten, haben sie sich nicht anmerken lassen. Dankeschön, hat viel Spaß gemacht. Wollt ihr nicht doch wieder Musik machen?

The Turbo A.C.s
Eine der wenigen Vertreter der Abteilung Schweinerock und Punkabilly. Aber sicher nicht die schlechteste. Das ging gut ab, war technisch verdammt gut und hat die Laune ordentlich gehoben. Geile Rock’n Roll Party.

Napalm Death
hatten nicht den besten Sound aber dafür viel Bock. Die Grindcore-Urväter in Hochform mit einem Set, der keine Wünsche offen gelassen hat. Growl.

Prong
Mit ihren Platten bin ich nie so richtig warm geworden. Und auch live hat es drei Songs gebraucht, bis der Funke übergesprungen ist. Dann allerdings hat es gut geknallt. Fette Grooves, ohne Klischee und angenehm trendfrei. Sehr geil.

Subway To Sally
Mit dem aktuellen Album hab ich’s ja nicht so. Live hab ich sie auch schon oft gesehen. Und auf Festivals sind STS erfahrungsgemäß immer schwächer als auf ihren eigenen Tourneen. Also hatte ich keine großen Erwartungen an den Auftritt. Und wurde richtig positiv überrascht. Guter Sound, gute Songauswahl und eine Band, die richtig Bock auf spielen hatte. Einer ihrer besten Auftritte.

Smoke Blow
Assel-PunkCore aus Kiel. Live der absolute Bringer. Waren mal wieder richtig geil (und haben nebenbei noch gezeigt, dass gutes und gepflegtes Aussehen scheißegal ist – auf einem Festival nicht die schlechteste Message 😉

Hatebreed
Hardcore ist eher selten mein Ding. MetalCore ist grenzwertig und Hatebreed sind auf der richtigen Seite geblieben. Das hatte Groove und ging gut ab. Nicht überragend, aber gute Festival-Mucke.

Six Feet Under
Chris Barnes war bei Cannibal Corpse einer der ganz großen. Mit Six Feet Under allerdings ist er ausgesprochener Durchschnitt. Womit er allerdings deutlich aus der Band heraussticht, den die waren noch nicht mal durchschnittlich. Die waren schlicht saufad. Zeit, um Essen zu gehen.

Ryker’s
Ein paar Songs vom Abschiedsgig der Kasseler musste ich mir noch geben. Nicht ihr bester Gig, aber trotzdem waren Ryker’s immer ein Garant für gute Live-Unterhaltung. Auch diesmal wieder.

J.B.O.
hab ich gottseidank nur aus der Ferne gehört. Mit einer Ausnahmen war es mal wieder der gleiche Set. Und das ist ungefähr so gut wie ein Witz, den man zum 20. Mal erzählt bekommt. *Gähn*

Soulfly
Max ist und bleibt ein geiler Fronter. Ob früher bei Sepultura oder jetzt bei Soulfly. Auch wenn sie auf Platte wegen ihrer eher simplen Songs schnell langweilig werden – live geht das geil rein. Starker Auftritt, starke Show, verdienter Headliner.

Knüppelnacht:

Enthroned
Solider gespielter Black Metal. Nichts besonderes aber auch nicht schlecht (und schlechte BM-Bands gibt’s genug). Ging als Einstieg völlig in Ordnung.

Amon Amarth
Yes. Mit Abstand beste Band am Freitag. Geiler Sound und ein perfekter Auftritt der Wikinger. Ganz ganz groß.

Zyklon
dagegen haben mit ihrem ersten Song bereits eine dermaßen geballte Ladung Langeweile verbreitet, dass ich sofort ins Bett gehen musste.

Samstag:

Debris Inc.
Boring.

Most Precious Blood
Ambitionierter und sympathischer Hardcore (trotz der Tatsache, dass sie aus Brooklyn kommen). Nicht weltbewegend, aber ganz unterhaltsam.

Manos
Willkommen zur sinnfreien Dreiviertelstunde am Samstag! Lachmuskeltraining mit Metal, Wahnsinn und unmotivierten Verkleidungen. Mal wieder ein Riesenspaß.

Entombed
haben alles richtig gemacht, was Six Feet Under am Vortag falsch gemacht haben. Death Metal wie er sein muss.

Die Kassierer
kann ein Band noch peinlicher und blöder sein als J.B.O.? Ja. Die Kassierer schaffen das tatsächlich. Ganz schnell weg gehen.

Roger Miret & The Disasters
Eigentlich hätten auf dieser Position Discharge spielen sollen. Aber leider kam dann der Sangesdepp von Agnostic Front mit seiner zweiten Band. New York Arsch Core. Völlig überflüssig.

Poison Idea
Nicht mehr ganz so schwergewichtig wie früher, aber der Sänger bringt immer noch ordentlich was auf die Waage. Aber nicht nur Gewicht, sondern auch ordentlich Austrahlung und Bühnenpräsenz. Richtig geiler Hardcore ohne albernes „Respect“- und „Live in the streets it ain’t easy“-Geschwafel.

Sepultura
Max Cavalera zu ersetzen ist nicht leicht. Derrick Green macht seinen Job aber gut. Das Problem ist ein anderes. Wie gewohnt spielen Sepultura ihre Songs live alle ein gutes Stück schneller als Studio. Das kommt bei alten Knallern wie Arise oder Desperate Cry zwar ganz geil. Aber bei den groovigeren Songs von Chaos A.D. oder Roots leiden darunter gewaltig. Deswegen insgesamt nur mittelmässig.

Type O Negative
waren 1995 am Dynamo der Wahnsinn. Danach war es meistens eher schwach. Keine Einheit auf der Bühne. Keine Linie im Set. Kein Feeling in den Songs. Und so war es auch diesmal wieder. Hat mich gar nicht überzeugt und deswegen hab ich da lieber eine Pause im Zelt eingelegt.

Saturday Night Fever:

Samael
hatten mal wieder Soundprobleme, waren aber andererseits auch mal wieder genial. Das einiges von den Feinheiten der Songs live verloren geht, wird durch die Bühnenpräsenz von Vorph wieder ausgeglichen. Beste Band bis dahin.

Think About Mutation
Hatte ich vor ein paar Jahren schon mal gesehen und als recht mittelmässig in Erinnerung. Waren aber diesmal sehr geil. Flotter Techno- und Elektrometal, sehr tanzbar. Sehr gut.

The Real McKenzies
Um 3:30 Uhr war es dann endlich Zeit für die kanadischen Folk-Punker mit schottischen Vorfahren. Drinking Songs, Fighting Songs, Hassansagen an die Queen und viel Party. Würdiger Abschluss eines guten Tages.

Sonntag:

Mambo Kurt & The Bossa Babes
Leider nur eine halbe Stunde lang gewohnt gute „Alleinunterhaltung“ (obwohl er ja wieder die Babes dabei hatte). Diesmal auch mit Slayer und Manowar im Programm. Ein Hoch auf die Heimorgel!

Die Apokalyptischen Reiter
hab ich nur zum Teil gesehen, waren aber wieder deutlich besser als bei dem lausigen Auftritt am No Mercy.

Raging Speedhorn
Von vielen Leuten hab ich gehört, dass die live sehr langweilig sein sollen. Ihr habt alle keine Ahnung! Die hatten viel Bock und das hat richtig Arsch getreten. Sehr empfehlenswert.

Die Happy
Oh je. Der Auftritt selber war reichlich fad (und auf diesem Festival meiner Meinung nach auch etwas deplatziert). Den Vogel abgeschossen hat aber die Sängerin mit ihren megapeinlichen Girlie-Power-Ansagen. Oh Gott war das schlecht.

Overkill
Und schon wurde alles wieder gut. Thrash-Brett mit einer guten Mischung aus Klassikern und neuem Material. Und Blitz ist wieder in Höchstform.

Stone Sour
Das Nebenprojekt von Slipknot-Sänger Corey Taylor, der hier beweisen kann, dass er gesanglich viel mehr drauf hat, als er bei Slipknot rauslässt. Leider sind die restliche Band und die Songs eher aus der Ecke „1000 mal gehört und damals schon langweilig“. Schade drum.

Sodom
Wo wir gerade bei 1000 mal gehört sind. Wenn es ein paar mal weniger gewesen wäre, hätte ich es vielleicht gut gefunden. So war’s halt mal wieder ein Standard-Sodom-Gig.

Anthrax
Endlich. Live waren Anthrax schon immer eine Macht, u.a. weil sie mit Charlie Benante den meiner Meinung nach besten Metal-Drummer am Start haben. Und mit John Bush einen der besten Sänger. Und mit We’ve Come For You All eine der besten Metal-Scheiben den laufenden Jahres. Da kann nichts schiefgehen und Anthrax waren dann auch wie erwartet die Gewinner des Festivals. Auch wenn mir danach endgültig alles weh getan hat.

Sick Of It All
Für Hardcore ganz gut, aber mehr auch nicht. Kann man sich zur Not anschauen.

Ministry
Noch ein Höhepunkt. Laut, hart und gemein. Bester Auftritt, den ich bislang von Ministry gesehen habe. Wie geil.

Slayer
Die „Wunschband Nummer 1“ hab ich dieses Jahr mal verpasst. Und was ich vom Zeltplatz aus gehört hab, war das kein großer Verlust. Vielleicht sollten Slayer mal drüber nachdenken, sich aufzulösen, bevor auch ihren Die-Hard-Fans auffällt, dass sie nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.

The Last Supper:

Doro
Ihre Musik mag ich nicht, aber Doro selbst ist live super und über jeden Zweifel erhaben. Guter Auftritt.

Moonspell
Ach ja. Schwer, nicht einzuschlafen wenn sie nicht mal Opium überzeugend bringen …

My Dying Bride
Ganz ganz groß. Super Set für ein Festival und live so stark wie lange nicht mehr. Nach Anthrax und Samael und knapp vor Ministry die beste Band des Festivals.

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