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Skeptizismus, Whisky und Politik

Cem Özdemir oder Die letzte Konsequenz

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Am Freitag hat Cem Özdemir seine Funktion als Innenpolitischer Sprecher der Grünen niedergelegt. Außerdem hat er bekannt gegeben, dass er nicht für den nächsten Bundestag kandidieren wird. Ich bedauere das, denn Özdemir gehört zu den wenigen Politikern, die ich wirklich respektiere.
Begonnen hat das ganze mit einem privaten Kredit, den Özdemir in Zeiten akuten Geldmangels von der PR-Agentur Hunzinger angenommen hatte. Rechtlich unproblematisch, aber moralisch bedenklich, vor allem für einen Bundestagsabgeordneten. Dazu kam dann noch der Vorwurf, dienstlich erworbene Freiflüge privat genutzt zu haben, den Özdemir „nicht entkräften kann“. Das ist nun wahrhaftig nicht in Ordnung. Allerdings hält sich meine Entrüstung darüber in Grenzen. In einem Land, in dem jeder zweite stolz davon berichtet, mit welchen „kreativen Tricks“ er diesmal wieder Steuern „gespart“ hat, kann mich das private Nutzen geschäftlicher Vorteile nicht wirklich erregen. Wie viele Leute hätten das nicht getan?
Trotzdem, es ist nicht korrekt. Es sollte unsere Achtung verdienen, wenn ein Politiker dies erkennt und dementsprechend handelt. Auch wenn es mich wütend macht, wenn ein guter Mann wegen einer Lappalie gehen muss, und gleichzeitig in anderen Parteien die brutalstmöglichen Lügner und Heuchler (trotz der Tatsache, dass sie bis über beide Ohren in Schmiergeldaffären, Korruptionsvorwürfen und zumindest teilweise kriminellen Machenschaften stecken) immer noch in Amt und Würden sind und ihre politische Karriere ohne jeden Skrupel weiter vorantreiben.

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