The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Chefsache

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„Ein Weiter-So gibt es nicht. Der Klimaschutz ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“ So Angela Merkel 2007. Im Anschluss an dieses Zitat hat sie davor gewarnt, unsere Zukunft zu verbrauchen und den Klimaschutz zur Chefsache erklärt. Was das bei der Kanzlerin bedeutet, weiß man inzwischen zur Genüge. Was zur Chefsache erklärt wird, verschwindet ganz weit unten in einer Schublade und verbleibt dann dort. Wir alle kennen das von persönlichen ToDo-Listen – was man mal aufgeschrieben hat, kann man ablegen und vergessen. Nur sind bei Merkel solche Listen nicht dazu da, an irgendwas zu erinnern oder den Inhalt vielleicht sogar in die Tat umzusetzen. Die Untätigkeit ist genau wie die Konzeptlosigkeit allumfassend.

Wenn sie sich dann allerdings doch mal von äußeren Umständen dazu gezwungen sieht, etwas tatsächlich umzusetzen, dann wünscht man sich sofort wieder die Lethargie zurück. Wer nichts tut, macht wenigstens nichts falsch und das gilt für die Kanzlerin wie für kaum einen anderen Menschen.

Aktuell haben wir wieder so einen Fall. Die EU-Verordnung zur Verminderung von CO2-Emissionen, inhaltlich eh schon nur ein Tropfen auf den heißen Stein und weit hinter dem, was Wissenschaftler als notwendig erachten, um auch nur die allerschlimmsten Folgen des Klimawandels abzumildern (von Verhindern spricht schon niemand mehr). Aber auch das ist natürlich viel zu viel für die deutschen Autobauer, die ihre übermotorisierten Blechpanzer konsequent ohne jeden Sinn und Verstand in eine Richtung weiter entwickeln, die mit den Anforderungen dieses Jahrhunderts keinerlei Überschneidungen hat.

Wer aber bis zum Anschlag im Allerwertesten der Industrielobby steckt, der kann sich nicht ewig totstellen. Was beim Volk funktioniert – nett lächeln, die Patschehändchen falten und so tun, als wäre alles gut – das haut bei den Busenfreunden aus der Wirtschaft nicht hin. Also muss auch die lächerlichste Regelung torpediert und die Chefsache Klimaschutz nicht nur ignoriert, sondern das genaue Gegenteil gemacht werden. Dem Wähler ist es eh egal.

Es werden vier weitere großartige Jahre werden, für uns alle. Soviel kann man jetzt schon sagen, auch ohne die Zusammensetzung der neuen Regierung zu kennen. Aber es geht uns ja gut und das soll auch so bleiben. Man kann dem deutschen Wähler nur danken.

5 Kommentare

  1. …was natürlich alles ganz anders wäre, hätten die Wähler andere Parteien ermächtigt, das Land in die nächste Legislaturperiode zu führen. Wie beispielsweise Rot/Grün ja schon einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Dieselbe Abhängigkeit von der Lobby, lediglich andere Farben…. Für den Bürger ändert sich dadurch – ganz genau – nämlich gar nichts ! Insofern tut man sich – bei allem Recht zu kritisieren – immer leicht, diejenigen anzuprangern, die gerade an der Macht sind. Aus der oppositionellen Perspektive lässt es sich halt immer so schön „dem Bürger nach dem Mund reden“. Man kann kritisieren, muss aber selbst keine Konzepte vorlegen. Alles so schön einfach…

  2. Ich habe nirgendwo geschrieben, dass welche Partei auch immer es besser gemacht hätte. Das tut aber auch nichts zur Sache, denn es bleibt erstens Spekulation und zweitens ändert es überhaupt nichts an der kompletten Null-Leistung dieser Regierung. Halt, Null-Leistung trifft es leider nicht mal. Negativ-Leistung ist das richtige Wort.

  3. Außerdem muss man den Grünen bei allem, was unter Rot-Grün in vielen anderen Bereichen falsch gelaufen ist, lassen, daß sie in Sachen Umweltschutz und nachhaltiger Landwirschaft mehr erreicht haben, als sämtliche Umweltminister in den zehn Jahren davor und den acht Jahren seitdem.

  4. @ Thorsten: es gibt aber auch neben den Bereichen noch zahlreiche Politikfelder, die nicht minder wichtig sind. Und da hat man alles andere als geglänzt….
    Nix für ungut, ich halte Kritik an der alten/neuen Regierung durchaus für essentiell und angebracht, aber die schwarz/weiß Malerei bringt einen auch nicht weiter. Konzepte sind gefragt. Und da haben sich ALLE Parteien bisher nur in bemitleidenswertem Umfang hervorgetan. Beispielsweise von Seiten der Opposition den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft nach Fukushima zu fordern, zeugt nicht von genialer Weitsicht (wenn auch mittel – langfristig richtig), sondern von Effekthascherei alá „wir haben´s doch schon immer gesagt“. Damit kann man wunderbar gg. die Regierung schießen, vergisst aber, dass man die geografischen, geologischen und meterologischen Gegebenheiten und die Sicherheitsstandards in Japan (oder dem Rest der Welt) nicht mit Deutschland vergleichen kann. Hier stehen die sichersten Kraftwerke der Welt, weshalb ein Rückzug aus der Atomkraft auch zu einem späteren Zeitpunkt vertretbar ist, wenn man adäquaten Ersatz in erneuerbaren Energien gefunden hat. Solange das nicht der Fall ist, wird der Steuerzahler die explodierenden Stromkosten und den Import von ausländischen Atomstrom tragen dürfen. Damit ist auch niemandem geholfen. Zurück zum eigentlichen Thema „Fzg.-Lobby“ und CO2-Emissionen. Solange sich Politiker jeder politischen Ausrichtung von BMW 7er, Audi A8 – Limousinen etc. chauffieren lassen, wird da kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein. Und , mal abgesehen vom generellen Versagen der Politik: der Bundesbürger trägt selbst einen großen Anteil Schuld an derartigen Missständen. Solange der Arbeitnehmer tagtäglich alleine mit seinem völlig übermotorisierten dt. Schlachtschiff zum Arbeitsplatz und zurückfährt, solange weiterhin brav auch die heute undenkbarsten Spritpreise gezahlt werden, geht es uns a) noch viel zu gut und wird sich b) niemand im Bereich der Automobil, aber auch Erdölindustrie durch die Politik genötigt fühlen, Spritpreise auf ein angemessenes Maß zu reduzieren – viel wichtiger aber noch: das 1 Liter Auto serienmäßig zu produzieren…

  5. Glaubt wirklich noch jemand, dass es darauf ankommt, bis wann wir die fossilen Brennstoffe unseres Planeten verbrauchen? Ich denke, der Natur ist es völlig egal, ob dies in den nächsten 50 oder 500 Jahren passiert. Und verbrauchen werden wir sowieso sämtliche Rohstoffen, die wir wirtschaftlich erreichen können. Zudem besteht die Gefahr, dass dabei in Zukunft sogar eher noch mehr Natur zerstört wird, weil die Maßnahmen zu Gewinnung mit der Verknappung extremer werden.

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