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Skeptizismus, Whisky und Politik

Der Krieg und die Demokratie

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Zwei Wochen sind nun seit dem Beginn des Kriegs im Irak vergangen. Die Hoffnungen der USA, den Einmarsch schnell und sauber über die Bühne zu bringen, vielleicht sogar innerhalb weniger Tage einen Sieg zu vermelden, haben sich nicht erfüllt.
So wie einige es bereits vorausgesagt haben, empfängt die irakische Bevölkerung die GIs nicht als Befreier von einem verhassten Diktator sondern als das, was sie sind. Als Invasoren.
Schon im Süden des Landes, der mehrheitlich von Schiiten bewohnt wird, die dem Regime Saddam Husseins hasserfüllt gegenüberstehen, treffen die Alliierten auf heftigen Wiederstand. In Basra liefern sich die Engländer erbitterte Häuserkämpfe um jeden Straßenzug. Das lässt nichts gutes für dir Truppen erwarten, wenn sie erst mal in Gebiete kommen, in denen die Menschen Saddam wahrscheinlich mehr gewogen sind.
Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel gelesen, in dem Militärexperten über die Belagerung von Städten gesprochen haben. Die einhellige Meinung war, dass man eine gegnerische Stadt – wenn sie verteidigt wird – nicht einnehmen kann, sondern höchstens zerstören. Zerstören aber macht sich nicht gut in den Medien. Eine Diktatur kann sich einen Vernichtungskrieg leisten. Eine Demokratie nicht. Auch die Teile der amerikanischen und englischen Bevölkerung, die den Krieg befürworten (oder zumindest tolerieren), werden keinen Vernichtungskrieg gegen die irakische Zivilbevölkerung hinnehmen. Und selbst ein mit brutaler Härte geführter Krieg ohne Rücksicht auf Verluste garantiert keinen Sieg, dafür müssen wir nur nach Tschetschenien schauen.
Die USA in Vietnam, die UdSSR in Afghanistan oder die Israelis gegen die Palästinenser. Alles Beispiele dafür, wie Völker, die sich nicht unterdrücken oder besiegen lassen wollen, militärisch weit überlegenen Gegnern über Jahre hinweg Paroli geboten haben (oder im Falle Israels immer noch bieten). Wenn dies auch auf die Irakis zutrifft (und dafür spricht aktuell vieles), dann wird sich der Krieg noch über viele Monate hinziehen.
Mit jedem Tag, den der Krieg länger dauert, mit jedem Tag, an dem alliierte Soldaten sterben, mit jedem Tag, der Bilder von zerstörten Wohnhäusern und getöteten Zivilisten bringt, wird es schwerer werden, diesen Krieg zu rechtfertigen. Und mit jedem dieser Tage wird die Wut in der arabischen Welt wachsen. Und mit jedem dieser Tage wird auch die Wut unter den Irakis wachsen. Das alles macht einen Sieg mit jedem Tag unwahrscheinlicher.
Das alles bringt mich zu der Annahme, das die Operation im Irak scheitern wird.
Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Ich glaube, dass eine moderne Demokratie prinzipiell einen Krieg gegen ein Volk, das Wiederstand leistet, nicht gewinnen kann. Wenn sich diese Erkenntnis durchsetzen sollte, dann kann das nur gut für uns sein. Denn es wäre ein weiteres Argument gegen Kriege wie diesen.

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