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Skeptizismus, Whisky und Politik

Drain the swamp?

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Eines der wichtigsten Versprechen Trumps war „Drain the swamp!“, also den Sumpf aus Korruption der Eliten in Washington auszutrocknen. Diese Forderung hat Wiederhall gefunden, gerade mit Hillary Clinton als Gegenkandidatin, die in der Wahrnehmung vieler so sehr für diesen Sumpf steht wie kaum ein anderer Politiker. Nun ist es grundsätzlich nicht falsch, dass es hier ein Problem gibt. Nur ist dieser Sumpf zum einen in der Realität nicht unbedingt so, wie mancher ihn sich vorstellen mag (Verknüpfungen zwischen Politik, Wirtschaft und Medien können problematisch sein und sollten immer hinterfragt werden, sie sind aber nicht immer und automatisch ein Zeichen dafür, dass das System nicht funktionieren würde). Zum anderen muss man sich fragen, ob gerade Trump der richtige Mann dafür ist, diesen Sumpf tatsächlich trocken zu legen. Wenn man sich die Mannschaft ansieht, der gerade um sich schart, muss man daran einmal mehr zweifeln. Es ist gerade nicht ein Team aus kompetenten Köpfen, die die Themen nüchtern angehen und Wissens- oder Erfahrungsdefizite bei ihm ausgleichen könnten. Sondern es sind vor allem Menschen aus seinem persönlichen Netzwerk, die ihm loyal ergeben sind und von denen er keinerlei Kritik erwarten muss. Obendrein kommen sie natürlich auch nicht aus dem einfachen Volk, sondern aus Wirtschaft, Medien und Politik, nur eben trump-nah. Also genau die Küngelei und Vetternwirtschaft, gegen die Trump angeblich vorgehen will. Hier könnte es für viele seiner Wähler ein bitteres Erwachen geben.

Dass ihre Lebensläufe und Ansichten bei vielen Menschen genauso geschocktes Kopfschütteln hervorrufen wie Trumps Aussagen im Wahlkampf, lässt nicht darauf hoffen, dass die Befürchtungen der Welt in Bezug auf Trumps Präsidentschaft übertrieben sind. Es sieht weiterhin so aus, als würden nicht nur auf die USA finstere Jahre zukommen. Der Klimawandel ist dabei nur der offensichtlichste Punkt. Ohne die USA wird das 2-Grad-Ziel keinesfalls zu halten sein. Ein Umschwenken auf den alten Kurs vor Obama sind also katastrophale Nachrichten für die Welt. Aber es hilft nichts, nun müssen wir anderen unsere Bemühungen noch weiter verstärken.

Aber auch in anderen Bereichen wird das notwendig sein. Europa muss nun wieder enger zusammenrücken. Was es nun braucht, ist eine wirkliche Werte- und nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft. Dafür muss die Diskussion über diese Werte eine echte werden und nicht nur eine Schattendebatte über angebliche Leitkultur oder eingebildete Islamisierung. Den „großen Bruder“ werden wir mit einiger Wahrscheinlichkeit verlieren. Da mögen manche jetzt jubeln, aber dieser Jubel wird nicht allzu lange anhalten, fürchte ich. Mal sehen, ob sich Russland tatsächlich als das kleinere Übel erweist, wenn die USA von ihrer Rolle als Schutzmacht der NATO abrücken sollten und Putin damit den Handlungsspielraum einräumt, von dem er träumt.

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