The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Erfurt und was nun?

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Jetzt gab es wieder einen traurigen Fall eines Amoklaufes an einer Schule. Und natürlich schlagen auch gleich wieder die Wellen hoch. Beckstein trompetet irgendwas davon, dass die Bundesregierung in skandalöser Weise untätig geblieben sei, weil sei gewaltverherrlichende Computerspiele nicht verboten hätte. Jetzt warten wir nur noch auf den ganzen anderen Sermon. Das Internet war schuld, das Fernsehen, Rockmusik, Videos, Comic-Hefte, Spielzeugsoldaten, Karl May, die Gebrüder Grimm. Bla, bla, bla.
Ich will nicht abstreiten, dass der Umgang mit Gewalt in den Medien nicht der beste ist. Aber er ist deswegen nicht der beste, weil der Umgang mit Gewalt in unserer Gesellschaft nicht der beste ist. Und das bekommen Kinder und Jugendliche mit. Und vor allem bekommen sie es mit, wenn der Umgang mit Gewalt im persönlichen Umfeld nicht der beste ist. Sprich: in der eigenen Familie.
Dort spielt sich das meiste ab und dort ist der wichtigste Ansatzpunkt. Wenn Kindern und Jugendlichen hier selbstverantwortliches Handeln, moralische Prinzipien und ein vernünftiger Umgang mit Medien und gewaltfreie Konfliktlösung beigebracht werden, dann werden sie nicht zu Schlägern, Mördern oder Amokläufern werden. Egal, was sie für Computerspiele spielen, was für Musik sie hören oder was für Filme sie sehen.
Und wenn ihnen das nicht beigebracht wird, dann werden sie später meistens zu Idioten werden, die entweder lieber ihrer Fäuste als ihr Hirn einsetzen (sofern ihre körperliche Verfassung das erlaubt), ihre Kinder quälen (was dann die nächste Generation von Gewalttätigen erzeugt) oder eben die Waffe in die Hand nehmen.
Ich bin selbstverständlich auch dafür, dass Kinder nicht alles ungefiltert konsumieren sollten, was unsere Medien so bereit halten. Aber wir sollten uns über eines klar werden: Die Verantwortung liegt immer bei Familie und Gesellschaft, nicht in einem Computer oder Videorekorder. Die Forderung von Verboten oder Zensur irgendwelcher Medien ist aktuell nichts weiter als billiges (und in diesem Zusammenhang auch mal wieder sehr geschmackloses) Wahlkampfgeplärre. Und sie lenkt obendrein vom wahren Problem ab.
Spannend ist in diesem Zusammenhang natürlich auch mal wieder, dass es dem bayerischen Innenminister zwar unerträglich verantwortungslos erscheint, Computerspiele nicht zu verbieten, dass es ihn aber andererseits überhaupt nicht stört, dass Kinder in Schützenvereinen an Waffen ausgebildet werden. Aber das könnte ja die eigenen Wähler vergrätzen …

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