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Skeptizismus, Whisky und Politik

Japan ändert alles, zumindest im Wahlkampf

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Noch vor ein paar Tagen hatten wir die sichersten Atomkraftwerke der Welt, völlig ungefährlich und beherrschbar. Nun erfüllen zumindest Biblis A, Neckarwestheim-1 und Isar-1 „nicht die gängigen Sicherheitsstandards“. Das ist vor allem bei Neckarwestheim-1 sehr interessant, denn da gab es im letzten Jahr ja eh einiges Hin und Her, mit verschiedenen möglichen Hintergründen. Mappus und Gönner waren überzeugte Verfechter der Atomenergie. Nun ist in zwei Wochen Landtagswahl und nach Stuttgart 21 könnte das der Union jetzt endgültig das Genick brechen. Da beteuert man besser schnell nochmal, dass die Sicherheit der Bürger an allererster Stelle stehen würde und will Kraftwerke abschalten, die bis vor kurzem noch unverzichtbar waren.

Ich halte das an und für sich ja auch für richtig und überfällig. Nur habe ich die Befürchtung, dass aus diesem wilden und wahlkampfgetriebenen Aktionismus eine weitere Stümperei a la E10 wird. Unter Rot/Grün gab es einen Zeitplan für den Ausstieg. Der sollte Planungssicherheit schaffen und die Möglichkeit, Atom- und Kohlekraftwerke nach und nach vom Netz zu nehmen und durch regenerative Energien zu ersetzen. Darauf hätten sich alle einstellen können, dazu gibt es Machbarkeitsstudien und Konzepte. Nur sind die natürlich in der Schublade geblieben, denn mit dem Ausstieg aus dem Ausstieg gab es ja keinen Druck mehr, da in irgend einer Form tätig zu werden, sondern konnte einfach so weitermachen wie bisher. Also genau das, was die Regierung am besten kann, gepflegtes Nichtstun.

Genau das fehlt aber jetzt. Es reicht nicht, einfach Reaktoren vom Netz zu nehmen. Man muss auch ein Konzept dafür haben, wie Stromversorgung in Zukunft funktionieren soll. Sonst haben wir nämlich wirklich das Problem, eventuell Atomstrom aus Frankreich importieren zu müssen statt Vorreiter einer zukunftsfähigen Energieversorgung und damit Vorbild für Europa zu werden.

Vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn wir dazu jetzt gezwungen werden. Aber ich bin ehrlich gesagt skeptisch, was in drei Monaten passieren wird, wenn das Moratorium über das Aussetzen der Laufzeitverlängerung ausläuft. Und ein paar Wahlen vorbei sind …

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