The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Kann bitte jemand an die Kinder denken?

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Schnaps und Kippen statt Sportverein und Schulbücher. Das ist das Klischee, das man dem gemeinen Hartz IV-Empfänger gern und oft unterstellt. Statt die Sozialleistungen in die Kinder zu investieren, werden sie angeblich flächendeckend versoffen und verraucht. Aber da soll der Staat vor sein, und darum soll es nun also Gutscheine statt Bargeld geben! Klingt auf Anhieb nicht verkehrt, geht aber völlig an der Zielsetzung vorbei.

Auch wenn es der Realität mit Sicherheit nicht gerecht wird – ignorieren wir hier einfach mal die Mehrheit der Eltern, die ihre Kohle nicht im Stübchen versäuft, sondern ganz im Gegenteil tagtäglich darum kämpft, die Familie über die Runden zu bringen; und für die Gutscheine eine weitere Demütigung bedeuten, derer sie ja als Hartz IV-Empfänger ja noch nicht genug haben. Kümmern wir uns stattdessen um die Minderheit der Aso-Eltern, deren Kinder doppelt gestraft sind. Denn um genau diese Kinder geht es ja. Angeblich zumindest. Denn die Sache mit den Gutscheinen hat einen gewaltigen Haken: Zwar lassen die sich in der Tat nicht am Kiosk oder bei Aldi gegen Alk und Kippen einlösen. Aber warum sollten sie überhaupt eingelöst werden? Glaubt jemand wirklich, dass die Eltern, denen die Zukunft ihres Nachwuchses scheissegal ist und denen die eigene Leber näher ist, wegen der Gutscheine nun auf einmal mit ihren Kindern ins Theater gehen oder ihnen davon Bücher kaufen? Warum genau sollten sie das tun? Sehr viel naheliegender ist es doch, dass sie die Gutscheine einfach verfallen lassen werden, sofern es ihnen nicht gelingen sollte, diese zu Geld zu machen.

Halt – damit ergibt die Sache dann ja doch wieder einen Sinn, wenn auch einen gänzlich anderen als den, der auf das Wohl der Kinder abzieht. Denn mit jedem verfallenen Gutschein spart der Staat bares Geld. Genau das Geld, das eigentlich ja den Kindern zu Gute kommen sollte, um die es hier scheinbar gehen soll. Geld sparen, gute Absichten vortäuschen und dabei einmal mehr den schwarzen Peter nach unten zu denen durchreichen, die eh schon schlimm dran sind. Wäre es nicht so ekelhaft, man könnte die Eleganz dieses Vorschlages beinahe bewundern. Man kann zwar nicht ausschließen, dass dieser Vorschlag nicht auf Heuchelei und zynischer Berechnung, sondern einfach auf Inkompetenz begründet ist. Besonders wahrscheinlich ist das aus meiner Sicht in diesem Fall aber nicht.

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