The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Lena Merkel-Ratzinger der Herzen

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5 Jahrzehnte verbrachte unser Volk in Dunkelheit. Schweigend, gebeugt von Scham und Schuld, die uns von außen völlig ungerechtfertigterweise eingeredet wurde. So zumindest wurden einige nicht müde zu behaupten und werden es teilweise immer noch nicht. Dann endlich der erste Schritt zur Erlösung und zur Rückkehr in den Schoß der freien Staaten. Nein, nicht nur das, auch der erste Schritt auf der Wir-sind-Strecke: Wir sind das Volk!

Natürlich war das nur der erste, kleine und zaghafte Schritt. Noch wurden keine Fahnen geschwenkt, noch war die Diplomatie geprägt von Bonner Bescheidenheit statt von Berliner Arroganz. Aber das sollte sich unter der neuen Regierung auch bald ändern. Schließlich war es an der Zeit wieder zu einer Normalität zurückzukehren, in der die Welt begreifen muss, dass sie ohne deutsche Soldaten nicht auskommen kann. Auch wenn man diese noch mit eben dem Auschwitz rechtfertigen musste, dass ihren Einsatz jahrzehntelang unmöglich gemacht hat. Aber immer noch kein Grund zum Fahnenschwingen, was wohl niemand mehr gestunken hat als der Springerschen Kampfpresse, vor allem, da die Entscheidung auch noch vom Feind im eigenen Land getroffen worden war, der den lang ersehnten Stolz empört von sich wies, wenn er drauf angesprochen wurde. Wir waren zwar wieder wer und Beschlüsse wurden auch endlich wieder im Reichstag getroffen, aber auf der Wir-sind-Strecke war das wiedervereinte Volk insgesamt doch noch keinen Schritt weiter gekommen.

Es sollte noch bis 2005 dauern, das Jahr in dem wir dann gleich zwei Dinge sein durften, Kanzlerin und Papst. Damit war endlich der Grundstein gelegt, zumindest kurzfristig, denn aufgrund der aktuellen Entwicklungen kann das endgültig niemand mehr in Euphorie versetzen. Aber das muss es auch gar nicht, denn es war nur das Fundament, auf dem man aufbauen konnte und würde. Lange mussten wir nicht warten, 2006 kam es endlich, das Sommermärchen. Nach all den Jahren durften sie nun wieder geschwungen werden, die Fahnen. Bis die Arme schmerzten. Obendrein wurde die Presse (und zwar die ganze, nicht nur Springer) nun auch nicht mehr müde, die Wiederkehr des längst überfälligen Nationalgefühls zu feiern. Des friedlichen und positiven Nationalgefühls, das sich im Schwenken der Fahnen für „unsere Jungs“ manifestiert. Dass zeitgleich die Anzahl rechter Gewalttaten auf einen nie zuvor dagewesenen, traurigen Höchststand geschnellt ist, musste dabei selbstverständlich ignoriert werden, denn im Fahnenschwenken und im Nationalstolz muss schließlich ein Sinn liegen, der nicht getrübt oder hinterfragt werden darf, wurde uns beides doch so lange vorenthalten. Allein, mit der Meisterschaft hat es dann doch nicht geklappt, weswegen auch hier noch ein kleiner Makel haftenblieb. Daran konnte dann auch der schnell ausgedachte Zusatz „der Herzen“ wenig ändern.

Aber nun ist alles anders. Wir sind angekommen. Wir sind Lena. Nach 28 Jahren bekommen wir wenigstens hier den Ruhm, der uns zusteht und den wir so bitter vermisst haben. Und auch wenn der Fremdschämfaktor zumindest für mich in ebenso ungeahnte Höhen steigt wie damals die Gewalttaten der Neustolzen, wenn im Land der Dichter und Denker ein paar Tausend aus voller Kehle zusammen mit dem tapsigen Mädel bei dessen Heimkehr „Ich liebe Deutscheland“ vor sich hinblöken, so werden dazu dann doch wenigstens keine Andersfarbigen verdroschen. Vielleicht ist diese Art von harmlos-hirnbefreitem Nationalgefühl letztlich also wirklich genau das, was diesem Land gefehlt hat. Es hätte schlimmer kommen können.

Und jetzt alle: „Like a satellite …“

Ein Kommentar

  1. Fremdschämen ist nicht bei einer charmanten 19-jährigen und dem daraus resultierenden „Nationalgefühl“ angesagt, sondern wenn man sich anschaut, was das Foul eines Andersfarbigen an „unserem“ Michael Ballack an Reaktionen auslöst…

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