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Skeptizismus, Whisky und Politik

Mit E10 in die Sackgasse

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Ich gehe zu, ich war anfangs auch ein Anhänger der Idee vom Biosprit. Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen und quasi CO²-neutral zu verbrennen, dass klang deutlich sinnvoller als weiter die endlichen Vorräte aus Öl und Kohle aufzubrauchen. Auch die Option der „grünen Revolution“, die der Dritten Welt als Produzenten von Biosprit eine neue Einnahmequelle verschaffen könne, hörte sich erst mal gut an. Aber wie meist hätte man auch hier vorsichtig sein sollen, wenn etwas nach einer einfachen Lösung klingt.

Zwar wachsen die Rohstoffe für Biosprit tatsächlich nach. Wenn sie allerdings extra für diesen angebaut werden, dann stehen die Anbauflächen damit in direkter Konkurrenz zu denjenigen, auf denen Nahrungs- oder Futtermittel angebaut werden und für die eh schon in katastrophalem Maße Regenwald abgeholzt wird. Ein Problem, dass durch die nach wie vor rapide wachsende Weltbevölkerung nicht ab-, sondern im Gegenteil noch zunehmen wird. Aber damit nicht genug, die Pflanzen für den Biosprit werden in Monokulturen angebaut. Da diese den Boden auslaugen, funktioniert das nur mit Kunstdünger und ebendieser wird woraus gewonnen? Aus Erdöl. Um Biosprit zu erzeugen, der Erdöl ersetzen soll, muss also Erdöl verbraucht werden. Das ist keine elegante Lösung, das ist eklatanter Schwachsinn.

Das alles ist auch kein Geheimnis, sondern inzwischen allgemein bekannt. Warum also hält unsere Regierung an der Einführung von E10 fest, obwohl der nicht nur ökologisch komplett unsinnig ist, sondern auch von den Autofahrern abgelehnt wird (aus nicht ganz unberechtigter Sorge um die Motoren, die mit einiger Wahrscheinlichkeit durch Bioethanol schneller verschleißen)?

Für die Antwort muss man einen Schritt weiter denken. Die EU hat sich zum Senken des CO²-Ausstoßes verpflichtet. Ein nicht unwesentlicher Teil davon wird im Straßenverkehr erzeugt. Nun haben wir da in Deutschland ein besonderes Problem, denn unsere Autohersteller bauen in erster Linie Autos für das Premiumsegment, also große und schwere Fahrzeuge mit entsprechenden Motoren, die beim CO² im Vergleich zur europäischen Konkurrenz, die eher auf Kleinwägen setzt, ziemlich schlecht aussehen. Außer man betankt sie mit vermeintlichem Biosprit und rechnet dabei das CO² heraus, dass beim Anbau durch Dünger und Waldverlust entsteht. So werden auch deutsche Autos auf einmal umweltfreundlich.

Leider eben nur in der Theorie. Was wirklich notwendig wäre, nämlich ein Umdenken sowohl bei den Herstellern wie auch bei uns Verbrauchern und in der Politik, davon will man lieber nichts wissen. Das ist nicht nur unverantwortlich, es ist auch einmal mehr schlichtweg handwerklicher Pfusch, den unsere Regierung hier abliefert. Aber vielleicht kommt sie diesmal nicht damit durch, trotz Bezingipfel droht E10 immer noch, ein Flop zu werden. Beim Auto hört für den Deutschen eben bekanntermaßen der Spaß auf. Vielleicht ist das wenigstens in diesem Fall mal was positives.

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