The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Occupy yourself!

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Auch wenn sie in Deutschland noch nicht so richtig Fahrt aufgenommen hat, so ist die Occupy-Bewegung auch hier angekommen. Es mögen weniger Menschen sein, die in Frankfurt vor den Zentralen der Banken campieren oder jedes Wochenende auf die Straße gehen. Aber sie sind da. Der Unwille, ein immer weiter aus den Fugen geratendes Finanzsystem hinzunehmen, das immer mehr zu einem reinen Umverteilungssystem von der Allgemeinheit hin zu wenigen Nutznießern wird, verbreitet sich immer weiter.

Auch spricht einiges dafür, dass er sich diesmal nicht so einfach beschwichtigen lassen wird, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Mit der heutigen Jugend wächst eine Generation heran, die die Zeit des Wirtschaftswunders nur noch vom Hörensagen kennt und für die das System noch nie funktioniert hat. Die wird sich nicht mit ein paar kleinen Steuergeschenken und der Hoffnung darauf dass mit dem nächsten Aufschwung alles gut wird, zufrieden geben.

Trotzdem – die Erfahrung zeigt, dass wir nicht zu viel Hoffnung in unsere Politiker setzen können. Zu sehr hat man sich zu Erfüllungsgehilfen von Wirtschaft und Finanzwelt machen lassen. Merkels Aussage von der „marktkonformen Demokratie“ zeigt dies überdeutlich. Es ist sicherlich richtig, hier mit Demonstrationen und anderen Aktivitäten konstant Druck aufzubauen. Parteien möchten gewählt werden und können die Meinung des Wählers nicht völlig ignorieren. Aber das alleine wird nicht ausreichen.

Ähnlich wie beim Atomausstieg gibt es aber einen recht einfach anderen Weg, den man zusätzlich gehen kann und sollte: Hör auf mit den Leuten Geschäfte zu machen, deren Geschäftspolitik du ablehnst!

Eigentlich ist es völlig banal, aber vielen Leuten scheint es einfach nicht klar zu sein. Genau so, wie mich niemand zwingt, meinen Strom von einem Konzern zu beziehen, der Atomkraftwerke betreibt, genau so zwingt mich niemand dazu, Geldgeschäfte mit einer Bank zu machen, die Zockereien betreibt, sich an Spekulationen mit Nahrungsmitteln beteiligt, Waffengeschäfte finanziert oder an Staatspleiten mitverdient. Wenn mir das nicht passt und nicht völlig egal ist, dann sollte ich es einfach ändern.

Denn es gibt Banken, die anders arbeiten. Die GLS, die EthikBank, die Umweltbank, die Triodos Bank – um nur die größten zu nennen. Dazu gibt es Banken mit konfessionellem Hintergrund, Banken, die aus Genossenschaften ihrer Anleger bestehen, usw.

Sie alle sind anderen Zielen verpflichtet als der grenzenlosen Gewinnmaximierung. Sie arbeiten nicht nur mit anderen ethischen Zielen, sie arbeiten obendrein auch nachhaltiger als andere. Zugegeben, das bedeutet im Gegenzug auch weniger Rendite (dafür aber auch mehr Sicherheit, da auf hochspekulative Anlagen generell verzichtet wird).

Und zugegeben, der Wechsel der Bank ist mit etwas mehr Aufwand verbunden als der Wechsel des Stromanbieters. Aber es ist für jeden locker machbar, und ohne ein wenig Engagement und persönliche Einschränkung wird es eben nicht gehen.

Wir können nicht anderen Gier vorwerfen und uns dann selber damit aus der Affäre ziehen, dass man bei Deutschen Bank für seine Geldanlage 2% mehr bekommt und das gebührenfreie Abheben bei der Cash Group so bequem ist. Das ist Heuchelei.

Und Heuchelei wird uns genau so wenig weiter bringen wie das Warten darauf, dass jemand kommt und alles wieder gut macht. Das wird nicht passieren. Wenn wir selber nichts tun, wird sich nichts ändern. Zumindest nicht, bis alles einfach zusammenbricht.

Ein Kommentar

  1. Schoener Blog, ich komme ab jetzt regelmaessig

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