The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Politik stinkt

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Politik macht keinen Spaß mehr. Ich war lange Zeit stark am politischen Geschehen in diesem Land interessiert. Ich habe Politikwissenschaft studiert. Ich habe Bücher gelesen und etliche Artikel, Kommentare und Analysen. Und ich habe diskutiert. Endlos, voller Eifer und Enthusiasmus. Auf das alles habe ich immer seltener Lust. Früher habe bin ich beim Zappen bei jeder politischen Diskussion hängengeblieben. Heute schalte ich nach ein paar Minuten weg (wenn die Betonköpfe aus den Arbeitgeber- und Industrieverbänden oder aus den Gewerkschaften dabei sind, schalte ich sofort weg).
Die Politik in diesem Land geht den Bach runter. Und es kotzt mich einfach nur noch an. Es hat mit 16 Jahren Kohl angefangen. Eine Regierung, die außenpolitisch viel erreicht hat. Keine Frage. Aber auch eine Regierung, die nur auf einen Mann zugeschnitten war. Mit einer Partei, die zur Machterhaltungsmaschine verkommen war. Und dieser eine Mann hatte einfach keine innenpolitischen Interessen. Und so wurden drängende Probleme verdrängt, vertagt und schöngeredet. Allem voran das Rentensystem, bei dem in den 80ern schon klar war, dass es aufgrund der demographischen Entwicklung den Bach runtergehen würde. Kohls Antwort darauf (durch Blüm geäußert) war keine Reform, sondern ein lapidares „Die Renten sind sicher“.
1998 war dieses Gehabe dann endlich auch mal der Mehrheit zuviel und Kohl, der schon lange seinen politischen Realitätssinn verloren hatte, wurde abgestraft. Alle Hoffnung richtete sich nun auf die frischgebackene Rot-Grüne Regierung. endlich sollten die Reformen kommen, die 16 Jahre lang verschleppt worden waren. Und in den Koalitionsverhandlungen zeigten zumindest die Grünen noch deutlichen Reformwillen, der allerdings schon zu diesem Zeitpunkt einen deutlichen Dämpfer seitens der SPD erfahren hat.
Und dann passierte innerhalb einer Legislaturperiode das, was die Union in 16 Jahren geschafft hatte. Es geht nicht mehr um das Land und um dringend notwendige Reformen. Es geht nur noch um den Machterhalt. Bei der SPD ist das jetzt nicht so verwunderlich, aber dass die Grünen binnen 4 Jahren so konsequent darauf einschwenken, ist ziemlich schockierend.
Leute wie Rezzo Schlauch, die ich vor Jahren noch hoch schätzte und gerne in politischen Auseinandersetzungen sah, haben sich zu machtgeilen Dummschwätzern entwickelt. Wenn er jetzt den Mund aufmacht, dann möchte ich nur noch schreien (oder schlimmeres).
Es kotzt mich einfach an. Es kotzt mich an, dass die Leute, die mir von den Ansichten her nah stehen inzwischen die gleichen Idioten geworden sind wie der politische Gegner. Es kotzt mich an, dass keiner der ehemaligen Idealisten mehr die Eier hat, das notwendige zu tun, auch wenn es ihn Stimmen kostet. Es kotzt mich an, wenn diejenigen, die früher Klartext geredet haben, sich jetzt auch ausschließlich auf Gefasel, Platitüden und billige Polemik zurückziehen. Und es kotzt mich an, keine Alternative mehr zu haben, weil die Alternative schon an der Macht ist.

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