The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Prügel für das Himmelreich

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With or without religion, good people can behave well and bad people can do evil; but for good people to do evil — that takes religion.

An diese Aussage von Steven Weinberg musste ich denken, als ich diesen Artikel in der New York Times gelesen habe. Ich weiß, das Zitat greift zu kurz. Es trifft nicht nur auf Religion zu, sondern auf jede Ideologie mit Anspruch auf Wahrhaftigkeit. Aber hin wie her, auf Religion trifft es in jedem Fall zu.

Das schockierende und bedrückende an diesem Artikel sind nicht die Zahlen. Es ist die Tatsache, dass es sich bei diesen Eltern in den allermeisten Fällen nicht um schlechte Menschen handelt. Es handelt sich auch nicht um Menschen, die selber Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind. Es handelt sich um liebende Eltern, die in der Gewissheit handeln, ihren Kindern Gutes zu tun. Das ist es, was mich so betroffen macht.

Wir wissen seit vielen Jahren, dass Gewalt in der Erziehung Kindern schwere psychische Schäden zufügen kann, über die einige ihr Leben lang nicht hinweg kommen. Das ist kein geheimes Spezialwissen, dass nur wenigen zugänglich ist, sondern allgemein anerkannter wissenschaftlicher Konsens. Dieses Wissen wäre all diesen Eltern zugänglich. Aber sie haben sich entschieden, es zu ignorieren bzw. abzulehnen, weil ihr Glaube ihnen etwas anderes vorgibt. Religion ist ihnen wichtiger und wahrer als gut belegtes Wissen. Was letztlich dazu führt, dass sie aus gutem Willen genau das Gegenteil von dem tun, was gut und richtig wäre.

Ich will nicht bestreiten, dass Religion in einigen Fällen zu Gutem führen kann. Aber solange sie auch zu solchen Auswüchsen führt, zählt das für mich nicht. Ein System, das solches Verhalten hervorbringt und kein überzeugendes Instrument hat, um solche Auswüchse zu verhindern, ist schlicht nicht hinnehmbar.

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