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Skeptizismus, Whisky und Politik

Rio+20 – und die Revolution bleibt aus

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Es ist beinahe schon Regel in einem altbekannten Spiel – eine internationale Konferenz zu einem Umweltschutzthema, eine schwammig formulierte Abschlusserklärung und „Ernüchterung“ bzw. Enttäuschung bei den Umweltverbänden (und inzwischen auch Wissenschaftlern). Vielleicht noch schlimmer: gelangweiltes Abwinken bei der Allgemeinheit. Das Fiasko scheint schon festgeschrieben – so weit, dass die deutsche Kanzlerin die Teilnahme schon im Voraus abgesagt hat.

Aber wir sollten eines dabei nicht vergessen: Je mehr Menschen an einer Entscheidung beteiligt sind, desto länger dauert die Einigkeit. Oder auch nur der Kompromiss. Eines ist sicher richtig – von internationalen Konferenzen gehen selten große Veränderungen aus. Ganz egal zu welchem Thema. Kaum ein Politiker wird bei einer Konferenz weiter gehen als es seine Politik (und die Wähler) zu Hause vorgeben. Solange der Klimawandel in den USA in weiten Teilen der Bevölkerung und auch der Politik angezweifelt wird, werden die USA auch bei Konferenzen keine weitreichenden Abkommen unterzeichnen. Auch dies gilt für jedes Thema.

Sind diese Gipfel und Konferenzen also sinnloses Schaulaufen? Das nun auch wieder nicht. Als eine Mindestleistung bringen sie Themen auf den Tisch, die ansonsten in vielen Ländern keine Rolle spielen würden. Sie sorgen für ein Bewusstsein und das sollte man nicht unterschätzen. Genau so wenig wie den Druck, den sie auf Länder mit konstanter Verweigerungshaltung ausüben. Der kommt sehr wohl an, nicht nur bei den Politikern, sondern auch bei der Bevölkerung und damit bei den Wählern. Und ab und an gibt es eben doch auch verbindliche Abkommen, wenn auch oft sehr spät und nicht so konsequent, wie es wünschenswert wäre.

Trotzdem sind ist dieser Prozess wichtig, auch wenn er uns zermürbend langsam erscheint. Wir müssen ihn aber als das sehen, was er ist: ein weiterer Baustein in einem Kampf, der auf allen Ebenen und von allen Menschen geführt werden muss. Von jedem Einzelnen als Konsument, als Bürger, als Wähler, als Förderer oder aktives Mitglied von Verbänden, als Politiker. Wir dürfen nicht darauf warten, dass von oben Impulse kommen. Wir müssen sie selber geben und die anderen dazu bewegen, mitzuziehen. Niemand hält uns davon ab, über die Entscheidungen einer Konferenz wie Rio+20 hinauszugehen. Niemand hält uns davon ab, uns zu engagieren. Niemand hält uns davon ab, unseren eigenen Lebensstil zu verändern.

Das Schneckentempo der Konferenzen darf keine Ausrede dafür sein, untätig zu bleiben. Wir müssen das Tempo vorgeben und antreiben, nicht auf die anderen warten. Dann werden über kurz oder lang auch die Konferenzen Ergebnisse bringen.

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