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Skeptizismus, Whisky und Politik

Skandal! Merkel ausgespäht!

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„Drum schlaf schön ein und gute Nacht, wir werden alle überwacht! Kein Grund, dass man sich Sorgen macht, wir werden alle überwacht.“ So sang Georg Danzer schon 1979. Paradoxerweise war die Angst davor, zum gläsernen Bürger zu werden, zu dieser Zeit, in der Selbiges technisch noch kaum denkbar war, wesentlich höher als heute, in der dieser Zustand schon weitestgehend Realität geworden ist. Wir haben uns an diese schleichende Entwicklung gewöhnt und nehmen sie weitestgehend hin. Vor allem wohl deswegen, weil „alle“ in unserer Wahrnehmung nicht wir selber, sondern grundsätzlich die anderen sind. Vor allem die Bösen, die ja auch überwacht gehören. Unangenehm wird es erst, wenn uns vor Augen geführt wird, dass doch nicht nur die anderen im Fokus der Überwachung stehen, sondern tatsächlich auch wir selber.

So geht es vielleicht nun auch der Kanzlerin, die die NSA-Affäre schon für beendet erklären ließ, wohl wissend aber geflissentlich ignorierend, wie falsch diese Aussage auch zum damaligen Zeitpunkt schon war. Denn natürlich hat man in der Regierung nicht das geringste Problem damit, wenn der gemeine Bürger zum Ziel von völlig unverhältnismäßigen Überwachungsmaßnahmen wird, die in krassem Widerspruch zu seinen Rechten stehen. Ganz anders sieht es aber aus, wenn es auf einmal die eigene Kommunikation ist. Frechheit! Grenzübertritt! Maßlose Unverschämtheit! Im Gegensatz zur Totalüberwachung des Volkes völlig inakzeptabel.

Nun muss man deswegen aber nichts erwarten, was über den üblichen Aktionismus, das Vortäuschen von Handlungen und beschwichtigende Lippenbekenntnisse hinausgehen würde. In der Hinsicht wird Merkel sich auch weiterhin treu bleiben. Schon allein deswegen, weil alles andere einen tatsächlichen Konflikt mit den USA bedeuten würde, den man ausfechten müsste.

Trotzdem ist es eine gewisse Genugtuung, wenn auch jemand wie unsere Regierung ab und an zu spüren bekommt, dass mit „alle“ eben auch sie gemeint sind und nicht nur wir.

4 Kommentare

  1. Genau das hab ich auch gedacht, als ich die Meldung das erste Mal gelesen habe. Sogar Pofalla stellt sich jetzt als die Speerspitze der Aufklärungsbrigade hin…

  2. Seit einiger Zeit weiß man, dass daran gearbeitet wird, dass Polizei und Geheimdienste PCs unbemerkt online durchsuchen zu können – natürlich nur bei Terrorverdächtigen! Wer`s denn glaubt … Glaubt man allerdings den entsprechenden Nachrichten, so hat es bereits Online-Durchsuchungen durch die Polizei gegeben. Die Frage bleibt natürlich, wie dies technisch zu bewerkstelligen sei. Mancher hält das ganze schlicht für Unsinn . Auch der russische Anti-Viren-Experte Eugen Kaspersky zeigt sich überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, wann die Sicherheitsproduzenten das Ding in Händen haben. Ob die Sache wirklich so einfach ist, bleibe einmal dahingestellt. Immerhin arbeiten zwei Programmierstellen an dem staatlichen Hacker-Tool. Es sollen allerdings nicht mehr als 200.000 € investiert werden. Wer der Sache mit dem Bundestrojaner, hab dafür irgendwo mal die Bezeichnung W32.schä*ble.trojan gelesen, eine humorvolle Seite abgewinnen will, mag sich mit dieser Satire amüsieren. Dennoch wird die alte russische Frage „Was tun?“ angesichts der staatlichen Lizenz zum Hacken, ja einer stetig lückenloser werdenden Bürger-Überwachung, immer unabweisbarer. Bluevelvet – der seinen PC zu seiner unverzichtbaren Privat-Sphäre zählt und – gewillt ist, diese auch mit allen Mitteln zu verteidigen!

  3. Bei aller in gewissem Umfang berechtigter Schadenfreude, dass es auch mal einen „Großkopferten“ erwischt hat, sollte man mit einer viel zu unwidersprochenen Mär aufräumen. Der Mär, dass die gesamte deutsche Bevölkerung datenmäßig überwacht wird. Überspitzt formuliert, dass jedem Bürger ein NSA-Mitarbeiter zugewiesen ist, der nichts anderes zu tun hat, als den Otto-Normal-Verbraucher 24 Std. am Tag, 365 Tage im Jahr auszuspähen. Ja, es wird weltweit Industriespionage betrieben. Ja, es gibt auch in Deutschland reichlich wirtschaftlich oder politisch einflussreiche Personen, deren Überwachung für Geheimdienste oder Regierungen anderer Länder (bzw. des eigenen Landes) – ohne deren genaue Absichten und Interessen zu kennen – sicherlich lukrativ bzw. attraktiv ist. Allerdings muss man irgendwann mal auch der Verfolgungsparanoia einen Riegel vorschieben, die widerspruchslos hingenommen wird. Welcher halbwegs gebildete Normalbürger (- der nicht Mitglied in einer terror. Vereinigung ist -) ist denn tatsächlich der Überzeugung, dass ihm eine derartige welt- oder zeitgeschichtliche Relevanz beigemessen wird, um die Aufmerksamkeit der weltweiten Geheimdienste auf sich zu ziehen ? Ich für meinen Teil muss sagen: sollte sich – wider meiner festen Überzeugung – einmal ein Mitarbeiter eines der weltweiten Geheimdienste auf meinen Computer, mein Mobiltelefon oder was auch immer verirren, dann wird es für diesen nichts Langweiligeres und Irrelevanteres geben, als sich mit meinen Daten zu beschäftigen, die für ihn in der Folge dann auch – genau 🙂 – vollkommen nutzlos sind. Im Gegenzug gehöre ich aber auch nicht zu den Personen, die auf der einen Seite die diversesten personengebunden Daten auf den undurchsichtigsten und dubiosesten Internetplattformen unreflektiert eingeben, um sich dann aber auf der anderen Seite vom großen unbekannten „Big Brother“ alias NSA verfolgt zu betrachten. Ich möchte in keiner Weise zu recht zu beanstandende undemokratische Überwachungsvorgänge im Einzelfall verharmlosen. Solche gehören definitiv hinterfragt und verurteilt. Kein Zweifel. Auf der anderen Seite sollte man aber auch die Kirche im Dorf lassen. Horrorszenarien, wie diverse Seifenmedien uns weismachen wollen, existieren dann doch eher im Kopf der jeweiligen Verfasser. Man kann halt schön Stimmungsmache damit betreiben…

  4. Ich weiß ja nicht, wie du auf deine „Mär“ kommst, aber sie ist ein kompletter Strohmann. Niemand spricht von einem Szenario, in dem jedem Bürger ein NSA-Mitarbeiter zugewiesen wäre. Das wäre ziemlicher Unsinn und auch völlig unnötig.
    Was wir aber wissen (und dass bereits nach einem Bruchteil der Dokumente von Snowden), ist dass die NSA mehr als 10 Programme im Einsatz hat, deren Zielsetzung es ist, den gesamten verfügbaren Datenverkehr abzuschnorcheln und automatisiert auszuwerten. Und das auch schon zu ein Großteil erfolgreich. Da gibt es dann auch keine langweiligen und irrelevanten Daten. Für eine Big Data Analyse ist jede Information relevant, weil sie ein Bruchteil des Gesamtbildes ist, das den betreffenden interessiert. Als solches sind deine Daten nicht weniger spannend als die von Merkel – und können auch umgehend relevant werden, wie inzwischen mehrere Fälle wie der von Johannes Niederhauser zeigen.

    Das ist eben keine Erfindung der Medien und wer das als solche abtut und herunterredet, der ist schon selten blauäugig.

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