The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Vor den Talaren – Idiotie von jungen Jahren

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Ich kann die protestierenden Studenten ja sehr gut verstehen. Die Zustände an den Unis sind in den letzten Jahren trotz Reformen nicht besser geworden, eher im Gegenteil. Was ich aber nicht verstehen kann, ja was mich sogar ziemlich aufregt, ist die Art der Proteste.Ein großer Teil der Studenten (und nein, ich verwende aus Prinzip nicht das alberne, „gegenderte“ Studierende) interessiert sich erst mal einen Dreck für die Proteste. Es mag Faulheit sein, politisches Desinteresse oder einfach ein Ausdruck mangelnder Protestkultur in diesem Land. Ganz egal, es ist schlimm. Wenn schon die Studenten kein Interessen daran zeigen, für ihre Rechte und ihre Situation einzutreten, wer soll es dann tun? Kommentare im Netz wie „Die sollen Studieren und nicht Protestieren“ lassen da natürlich auch sehr tief blicken. In Deutschland hat man eben Leistung zu bringen und ansonsten die Schnauze zu halten. Nur nicht aufbegehren.

Noch viel schlimmer finde ich allerdings die Zustände bei denen, die sich an den Protesten beteiligen. Es könnte natürlich eine perfide Auswahl der Medien sein, dass man in sämtlichen Interviews nur Studenten zu hören bekommt, die weder inhaltlich noch formal in der Lage sind, etwas sinnvolles zum Thema zu sagen, aber irgendwie glaube ich nicht daran. Der bisherige Tiefpunkt war heute morgen auf B5 in einem Bericht zu hören, der Ausschnitte aus einer Debatte zwischen Studentenvertretern und dem bayerischen Wissenschaftsminister Heubisch an der Uni Regensburg gebracht hat. Das ging in etwa so:

Studentin: „Herr Dr. Heubisch, wie stehen sie zu der sozialen Benachteiligung durch Studiengebühren?“

Heubisch: „In Bayern kann jeder studieren, der möchte. Das ist sozial alles abgefedert.“

Studentin: „Jetzt kommen Sie mir aber nicht mit Bafög, das ist ja ein Kredit!“

Heubisch: „Mei, wissen Sie überhaupt, wie hoch die Verzinsung ist?“

Studentin: „Nein, das weiß ich gerade nicht.“

Heubisch: [erklärt Sachlage] …

Nein, das weiß ich gerade nicht? Hallo? Von allen möglichen Sätzen in einer Diskussion mit einem Vertreter der Landesregierung ist das genau derjenige, den ich auf keinen Fall hören will! Wie kann man komplett unvorbereitet in eine solche Diskussion gehen? Es reicht nicht, ein paar zackige Schlagworte in den Raum zu werfen, die man sich vorher auf ein Blatt Papier geschmiert hat, weil man sich nicht mal die merken kann, verdammt nochmal!

Wenn dieser Protest etwas bringen soll, dann müssen von Seite der Studenten konkrete Alternativvorschläge ausgearbeitet und vorgestellt werden. Und zwar welche, die durchdacht und stichhaltig sind und nicht nur aus einem „Wir sind dagegen“ und „Das muss alles abgeschafft werden“ bestehen. Weder der Bachelor/Master noch die Studiengebühren werden verschwinden, weil ein paar Hanseln den Audimax besetzen und dort bunte Plakate malen. Ihr wollt die geistige Elite sein, also verhaltet euch auch so und entwickelt konstruktive Ansätze und Diskussionsbeiträge! Und schickt wenigstens Vertreter in Diskussionen, die halbwegs vorbereitet sind und im günstigsten Fall auch drei Sätze hintereinander unfallfrei sagen können!

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, wenn man von irgendjemand ernst genommen werden will.

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