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Skeptizismus, Whisky und Politik

Wie man mit einer 180°-Wende doch das eigene Klientel bedient

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Dass die Versprechungen von den Steuersenkungen nicht die heiße Luft wert waren, mit der sie aus dem Hohlraum zwischen den beiden Ohren Westerwelles entweicht sind, war wohl selbst dem hartgesottensten gelben Fanboy klar. Nun beugt man sich eben doch der (völlig überraschenden) Realität, streicht Ausgaben und hebt die Abgaben an, wenn auch zumindest nach außen hin laut murrend.

Dass man dabei natürlich auch nicht danach geht, welche Streichungen denn am sinnvollsten und nachhaltigsten wären, sondern einfach danach entscheidet, wo es am wenigsten Wählerstimmen kostet und die Widerstände der Lobbyisten am geringsten sind, muss auch nicht weiter Wunder nehmen. Es passt perfekt zu den „Fähigkeiten“ dieser Regierung.

Dass es aber Westerwelle gelingt, trotz einer Politik, die nun quasi exakt das Gegenteil seiner Wahlversprechen darstellt, die eigene Klientel weiter zu bedienen, das könnte einem schon fast wieder Respekt abnötigen, wäre es nicht so widerwärtig. Denn gekürzt wird natürlich auch nach der alten Maxime, dass Gewinne den wenigen gehören und Verluste der Masse. Diejenigen, die seit 2000 als einzige nicht nur ihr Vermögen steigern, sondern sogar vervielfachen konnten, also die oberen zehn Prozent auf der Einkommensskala und damit diejenigen, deren Interessenvertretung die FDP nunmal ist – die werden natürlich nicht entsprechend in die Verantwortung genommen, wie es sich eigentlich gehören würde. Das wäre ja furchtbar unfair und würde unserem Staat nachhaltig schaden, könnte sogar „Leistungsträger“ vergraulen.

Ich bin ernsthaft gespannt, wie lange sich das Volk diese Verarsche noch bieten lässt. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an der auch der bravste Schaffer eine konstante Umverteilung von unten nach oben nicht mehr zu tolerieren bereit ist. Spätestens, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt. Die Frage ist nur, ob es irgendeine Regierung noch hinbekommen wird, das System zu ändern, bevor es einfach zusammenbricht. Unendlich viele Chancen dafür wird es nicht mehr geben.

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