The Mindmachine

Skeptizismus, Whisky und Politik

Wieder Bomben auf Bagdad

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Da haben wir ihn nun, den Krieg. Mir gehen 1000 Sachen im Kopf herum und in meinem Magen verspüre ich einen unangenehmen Druck. Das Thema macht mich schon seit einiger Zeit immer wütender, aber seit heute, seit die ersten amerikanischen Bomben auf Bagdad fallen, ist es wirklich schlimm geworden.
Ich bin wütend, weil über ein Volk, dass seit Jahren leidet, jetzt noch mehr Unheil gebracht wird. Und das im Namen von „Menschlichkeit“ und „Frieden“. Das ist die hohe Kunst des Zynismus. Wir kommen zu euch, und befreien euch. Dass dabei tausende von euch sterben werden, werdet ihr sicher verstehen, denn es ist ja nur zu eurem besten. Ihr wollt unsere „Hilfe“ gar nicht? Unsinn, wir wissen besser, was gut für euch ist.
Ich bin wütend, weil die amerikanische Administration ihre „neue Außenpolitik“, die Krieg als ein Mittel unter vielen versteht, ohne Rücksicht auf Freunde und Verbündete durchsetzt.
Ich bin wütend, weil dieser Wahnsinn auch noch Unterstützung findet. Bei Nationen. Bei Menschen. Weil es genügend Leute gibt, die aus irgendwelchen Gründen dem wildgewordenen Cowboy und seinen Spießgesellen bereitwillig in den Wahnsinn folgen.
Ich bin vor allem auch wütend, weil ich mir diese Scheisse auch noch in unserem Land, das gottseidank entschieden gegen den Krieg ist, von ein paar schwachsinnigen Unionspolitikern anhören muss, die irgendwas von „Bruch in der Außenpolitik“ faseln. Den Unsinn mit der außenpolitischen Isolation glauben ihnen inzwischen ja nicht mal mehr die Bild-Leser, obwohl Angela Merkel nicht müde wurde, die Aussage zu wiederholen. Aber dadurch wurde sie halt auch nicht richtiger.
Ich bin wütend, weil die UN wieder mal zurückgeworfen wurde. Die grobe Missachtung des Sicherheitsrats seitens der USA lässt für die Zukunft wenig gutes erwarten. Warum sollten andere Staaten sich an UN-Beschlüsse halten, wenn die USA diese als albernen Laberclub abtun?
Ich bin wütend, weil mit dem Angriff der USA eine ganze Region durcheinander gewirbelt wird, die eh schon chaotisch und irre genug ist.
Ich bin wütend, weil die Amerikaner alles daranlegen, den von Huntington prophezeiten Krieg der Kulturen doch noch hinzubekommen.
Und ich bin wütend, weil wir machtlos daneben stehen. Wir brauchen dringend wieder einen Gegenpol zu den USA. Wenn einer deutlich mehr Macht hat als der Rest, dann erwächst daraus einfach nichts gutes.
Ich werde wütend, wenn ich die Visage von George W. Bush, Donald Rumsfeld oder Dick Cheney im Fernsehen sehe.
Ich werde wütend, wenn ich ihre Stimmen höre.
Sie lassen mich langsam hoffen, dass die Katholiken mit ihrer Idee vom Fegefeuer vielleicht doch recht haben. Ich würde es ihnen aus tiefstem Herzen gönnen.

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