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Skeptizismus, Whisky und Politik

Wir Deutsche müssen wieder zahlen!

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Jetzt machen sie wieder dir Runde, die ach so lustigen und gewitzten Sinnsprüche und Anekdoten darüber, wie „wir Deutsche“ „mal wieder“ für „die anderen“ geradestehen müssen. Wie wir mal wieder zahlen müssen für Zyprer, Griechen, Portugiesen und all die anderen Schmarotzer, die uns immer nur ausnutzen, sich nie an Regeln halten und generell eigentlich immer nur von uns finanziert werden. Unterstützt von der BILD, die die Wut der Bürger auf die anderen immer wieder gekonnt befeuert und mit kaum verhohlenem Rassismus und Nationalismus würzt. Facebook ist voll von entsprechenden Postings und der Volkszorn garantiert die Likes.

Dass all diese Geschichten von „denen“ und „uns“ nicht nur viel zu kurz greifen, sondern schlichtweg falsch sind – wen interessiert es. Wir alle haben ja schließlich zu wenig Geld und werden nur verarscht, oder?

So gesehen ist dann auch tatsächlich was dran. Wenn man „wir“ und „die“ richtig betrachtet. „Wir“ sind nicht die Deutschen und „die“ nicht Zyprer, Griechen und Portugiesen. „Wir“, das sind die einfachen Bürger in Europa, die unter der Krise und unter den Reformen, die in ihrem Schatten verabschiedet werden, zu leiden haben. Egal, aus welchem Land sie stammen. Wir sitzen da alle im selben Boot, der griechische Rentner, der portugiesische Arbeitslose, der zyprische Kleinsparer und der deutsche Angestellte. „Die“ sind auch nicht andere Nationen, sondern Regierungen, die sich nur noch als Handlanger des Finanzsystems verstehen. Allen voran Merkel mit ihrer marktkonformen Demokratie. Politiker, für die die europäische Vision nur noch auf einen gemeinsamen Wirtschaftsraum reduziert ist und die unter Solidarität verstehen, dass die Bevölkerung in Europa für die eigenen Versäumnisse und die Fehlentscheidungen in Bank- und Konzernzentralen gerade zu stehen und deren fehlende Gewinne auszugleichen hat.

Es ist an der Zeit, wütend zu sein. Aber nicht auf die anderen armen Schlucker, die genau so wenig dafür können wie wir. Sondern auf die wahren Schuldigen dieser Misere. Vielleicht sollten wir einfach mal damit anfangen, Politiker in Regierungen zu wählen, die die Interessen der europäischen Bürger vertreten und nicht die der europäischen Banken. Aber das erfordert natürlich mehr, als das Rumhacken auf einem vermeintlichen Sündenbock mit anderer Nationalität.

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