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Skeptizismus, Whisky und Politik

Wüstensturm, Teil II?

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Ich hab mich lange gesträubt, aber jetzt schreib ich doch mal ein paar Sätze zum Irak-Konflikt.
Ich halte es für müßig, über die Motivation der USA zu reden. Es gibt mit Sicherheit eine Mixtur an Gründen, unter denen sowohl die Ausweitung des Einflusses im Nahen Osten wie auch die Terrorbekämpfung zu finden sind.
Ich möchte einfach mal von der Annahme ausgehen, dass der Krieg geführt werden soll, um einer Bedrohung seitens des Irak entgegen zu wirken. Dann stellen sich für mich allerdings einige Fragen. Nämlich wie diese Bedrohung aussieht und ob ein Krieg diese Bedrohung beenden kann.
Eine Art der Bedrohung ist ein möglicher Angriff auf die Nachbarstaaten. So wie es damals mit Kuwait geschehen ist. Der Angriff auf Kuwait wurde aus wirtschaftlichen Gründen geführt. Das Land mitsamt seinen Ölreserven sollte erobert und dem irakischen Staat hinzugefügt werden. Für so einen Eroberungskrieg eigenen sich Massenvernichtungswaffen nur begrenzt. Atomare oder Biologisch Waffen sind für einen Eroberungskrieg nicht sinnvoll, da sie die Ziele entweder völlig vernichten oder zumindest über lange Zeit hinaus unbewohnbar und damit für den Eroberer unbrauchbar machen. Ein Einsatz dieser Waffen in einem Eroberungskrieg ist also kaum wahrscheinlich. Bleiben konventionelle Waffen und chemische Kampfstoffe. Mit konventionellen Waffen sieht es für den Irak eher schlecht aus. Bis auf die persönliche Garde Saddams ist die Armee am Boden. Dass sie in absehbarer Zeit für einen Angriffskrieg eingesetzt wird, ist wohl reichlich abwegig. Es wäre auch denkbar, dass chemische Kampfstoffe zum Einsatz kommen, wie im Krieg gegen den Iran. Allerdings sind die nicht so ohne weiteres herzustellen, dafür braucht es Fabriken. Und dass es die geben würde, dafür haben die Kontrolleure der UNMOVIC bislang noch keine Anhaltspunkte geliefert. Insofern scheint mir die Gefahr, dass der Irak in den nächsten Jahren einen seiner Nachbarn angreift, nicht besonders groß. Auf keinen Fall groß genug, als dass es einen Präventivkrieg rechtfertigen würde.
Als weitere Bedrohung wird natürlich Terrorismus gesehen. Aber auch hier gibt es meiner Ansicht nach Ungereimtheiten. Es gab bisher keine Beweise, dass der Irak in irgendeiner Form in terroristische Machenschaften verwickelt gewesen wäre. Die USA unterstellen eine Zusammenarbeit mit der Al Quiada, Beweise dafür haben sie nicht vorgelegt. Bis vor kurzem wurde uns immer erzählt, dass Saddam islamische Extremisten im eigenen Land nicht unterstützt, sondern ganz im Gegenteil hart bekämpft. Jetzt soll er auf einmal gemeinsame Sache mit ihnen machen. Das passt irgendwie nicht so ganz.
Selbst wenn der Irak in terroristische Aktivitäten verwickelt sein sollte, die Überlegung, dass ein Krieg gegen den Irak Terror verhindern oder auch nur eindämmen würde, erscheint mir reichlich weltfremd. Weder würde die irakische Bevölkerung die Amerikaner mit offenen Armen empfangen, noch würde es das Ansehen der USA (und des Westens) in der islamischen Welt verbessern. Eher würden weiterer Hass geschürt und wohl eine neue Generation von gewaltbereiten Gegnern geschaffen. Und da wir inzwischen wissen, dass die Herstellung biologischer Waffen mit einfachsten Mitteln (und unter einfachsten Bedingungen) möglich ist, verstehe ich auch nicht, wie man das mit einer Besetzung des Irak verhindern will.
Wenn man weiterhin den möglichen Flächenbrand bedenkt, den dieser Krieg auslösen kann, so frage ich mich doch ernsthaft, wo hier der Nutzen liegen soll.
Ich unterstütze durchaus die Meinung, dass die Staatengemeinschaft etwas unternehmen sollte, wenn von einem Staat eine eklatante Bedrohung ausgeht. Das kann im Extremfall auch Krieg bedeuten. Aber im Falle des Irak kann ich weder eine akute Bedrohung erkennen, noch dass ein Krieg eine Lösung herbeiführen würde.

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