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Skeptizismus, Whisky und Politik

Blasphemie und Meinungsfreiheit – ein Nachtrag

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Es sind nicht nur Hetz- und Schmähvideos, die die islamische Welt aktuell erregen. Auch in Deutschland werden in den letzten Wochen wieder Forderungen laut, gegen Gotteslästerung härter vorzugehen. Zwar gibt es mit dem § 166 im Strafgesetzbuch in Deutschland die Möglichkeit, die „ Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen [zu bestrafen], wenn sie geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“ Das aber geht einigen nicht weit genug. Mir hingegen geht dieser Paragraph schon zu weit.

Die erste Frage, die sich mir beim Tatbestand der Gotteslästerung stellt, ist die, warum ein allmächtiger und allwissender Gott es nötig haben sollte, dass wir Menschen Beleidigungen gegen ihn ahnden. Die Vorstellung, dass er das möglicherweise nicht selber hinbekommen würde (sofern es ihn geben und ihn obendrein auch interessieren sollte), ergibt für mich theologisch keinen Sinn. Sagen nicht die Anhänger, die sich gerne über Blasphemie empören, dass Gott uns nach dem Tode richten wird? Wozu braucht er dann die Hilfe der menschlichen Justiz? Ist das nicht sehr viel anmaßender als die eigentliche Gotteslästerung?

Die zweite Frage ist philosophischer Natur. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen grundsätzlich Respekt verdienen und mit solchem behandelt werden sollten. Das gilt aber nicht für Ideen oder Ideologien. Eine Idee kann sich weder beleidigt noch gekränkt noch angegriffen fühlen. Wie sollte man sie also beschimpfen oder beleidigen können?

Das Strafrecht bezieht sich in Normalfall völlig zu Recht auf natürliche Personen – nicht auf Götter und genau so wenig auf Ideen.

Genauso wenig kann und sollte es möglich sein, dass eine Idee nicht infrage gestellt werden darf. Hier sind wir an einem kritischen Punkt, da die meisten Religionen davon überzeugt sind, im Besitz von Wahrheiten zu sein, die nicht hinterfragt werden dürfen. Das entspricht allerdings nicht meiner Meinung und glücklicherweise auch nicht den Werten, die unsere Gesellschaft ausmachen. Es wären ausgesprochen schwache Wahrheiten, die einer Hinterfragung nicht standhalten können. Zum Infragestellen gehört es aber auch, dies in satirischer Form zu tun. Das eine kann es nicht ohne die Möglichkeit des anderen geben. Das mag nicht immer angenehm für denjenigen sein, der diese „Wahrheit“ vertritt. Es ist aber ein notwendiger Teil der Debatten in einer freien Gesellschaft.

Denn davon reden wir im Kern: eine freie Gesellschaft. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Ideen nicht hinterfragt werden dürfen. Die meisten von denjenigen, die jetzt leichtfertig nach Blasphemieverboten rufen, vermutlich auch nicht.

Ein Kommentar

  1. Absolutes d’accord. Ich sehe dies genauso.
    Persönlich empfinde ich den Drang einiger Kreise, den Blasphemieparagraphen verschärfen zu wollen, als eine Art Wiederherstellung eines Ermächtigungsgesetzes einer absolutistischen und totalitären Ideologie. Mit der Verschärfung dieses Paragraphen werden Menschen mundtot gemacht, Kritiker können entfernt werden und dem Missbrauch in religiösen Einrichtungen ist wieder Tür und Tor geöffnet. Denn gerade bei letzterem werden die Kleriker sich darauf berufen, daß man die heilige Kirche und den lieben Gott nur beschmutzen will, indem man deren „Vertretern“ Böses unterstellt. So hat es auch über die Jahrhunderte bereits funktioniert bis in die 90er Jahre…

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