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Brief an Pfarrer Greiner

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Ihr Schreiben bez. meines Kirchenaustritts

Sehr Herr Pfarrer Greiner,
Danke für Ihr Angebot, ich denke aber, dass es keinen wirklichen Gesprächsbedarf gibt. Meine Gründe sind schnell dargelegt. Ich habe auch schon vor etwa zwei Jahren zu diesem Thema bereits ein längeres Telefongespräch mit Ihnen geführt. Mein Entschluß, aus der Kirche auszutreten, stand eigentlich damals schon fest, auch wenn ich ihn erst jetzt umgesetzt habe.
Der Grund liegt nicht in der Evangelischen Kirche an sich. Ich respektiere die Evangelische Kirche (im Gegensatz zur Katholischen) als Institution durchaus. Ich habe die sie immer als aufgeschlossene Einrichtung erlebt, die nicht dogmatisch ist und ihre Ansichten niemandem aufdrängen will. Die Denkschriften der EKD-Synode gehören oftmals mit zu den besseren Beiträgen zu gesellschaftlichen Debatten. Weiterhin erkenne ich auch die Arbeit der Evangelischen Kirche im sozialen und seelsorgerischen Bereich durchaus an.
Der Grund liegt auch nicht in der Kirche hier im Ort (oder gar in Ihrer Person). Ich war vor ein paar Jahren (zur Zeit von Pfarrer Greßmann und Pfarrer Heinrich) als Jugendleiter in Holzkirchen tätig. Es ist da auch durchaus zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Weniger mit den beiden Pfarrern, als mit dem Kirchenvorstand. Dieser war damals der Grund, warum ich meine Arbeit als Jugendleiter beendet habe. Ich halte da ein paar Mitglieder nach wie vor für völlig katastrophal. Aber das ist ein anderes Thema und hat ebenfalls nichts mit meiner jetzigen Entscheidung zu tun.
Ich beschäftige mich seit Jahren ziemlich intensiv mit Philosophie und auch Religion. Im Laufe der Zeit ist mir dabei eines klargeworden: Ich glaube nicht an Gott. Das war keine bewusste Entscheidung. Ich kann Ihnen dafür auch keine konkreten Gründe nennen. Ich bin nicht von Gott enttäuscht (oder von der Kirche). Es ist mir einfach klar geworden, dass ich nicht an ihn glaube.
Ich habe dann aus verschiedenen Gründen noch einige Zeit verstreichen lassen, bis ich den Kirchenaustritt erklärt habe. Ich bin christlich erzogen worden. Insofern war die Kirche schon ein Teil meines Lebens. Wie bereits gesagt akzeptiere ich auch die Evangelische Kirche immer noch. Und ich wollte mir meiner Entscheidung völlig sicher sein.
Das bin ich jetzt. Und auch wenn ich die Arbeit der Evangelischen Kirche für gut und unterstützenswert halte, begreife ich die Kirche nicht in erster Linie als soziale Einrichtung, sondern als Glaubensgemeinschaft. Und da ich diesen Glauben nicht habe, fühle ich mich dieser Gemeinschaft nicht mehr zugehörig. Ein Austritt ist deswegen für mich die einzig mögliche Konsequenz.
Trotz meiner Entscheidung werde ich dem Thema sicherlich auch weiterhin offen gegenüberstehen.
Mit freundlichen Grüßen

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