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Skeptizismus, Whisky und Politik

Charlie, Bene und die Frage nach dem Ursprung

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In einer Diskussion meinte ein Bekannter zu mir, dass er die allgemeine Entwicklung hin zum Fundamentalismus erschreckend fände. Er könne nicht verstehen, wie man als aufgeklärter Christ an so einen offensichtlichen Unfug wie Kreationismus glauben könne. Ich war lange derselben Ansicht, aber inzwischen finde ich es eigentlich eher interessant, wie man es schafft, als Christ kein Kreationist zu sein.

Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, die Welt verstehen zu wollen. Ganz ursprünglich erstmal durch Erfahrung mittels unserer Sinne. Aber damit kommen wir schnell an Grenzen, denn das erklärt uns nicht die Frage nach dem Warum. Hier kam in früher Vorzeit die Religion ins Spiel. Schamanen und Priester erklärten das Unverständliche, gaben dem Unfassbaren Namen und unserer Existenz einen Sinn. Mit Göttern und Geistern, die natürlich nur sie verstanden (und ihnen damit ganz nebenbei eine sehr bequeme Sonderstellung einräumten).

Über die Jahrhunderte hinweg wurden die Religionen und ihre Erklärungssystem immer ausgefeilter und die Machtstellung der Priester damit auch dominanter und unangreifbarer. Bis ein neues Erklärungssytem in Konkurrenz dazu trat – die Wissenschaft. Im Gegensatz zu den Priestern hatte man ein anderes Herangehen an die Seinsfragen, nämlich Logik, ständiges Hinterfragen und vor allem Beweisbarkeit. Auf diesen Gebieten sind Religionen traditionell ziemlich schlecht aufgestellt und so war Reaktion auf abweichende Ansichten von der religiösen Lehrmeinung dann auch eher aggressiv. Aber egal, wie viele Scheiterhaufen man für Wissenschaftler wie Galilei bereit hielt, der Kampf wurde letztlich dann doch jedes Mal verloren und die Kirchen mussten sich der Beweislast der Wissenschaft beugen. Man ruderte zurück und wich auf den Standpunkt aus, dass man die Bibel eben nicht wörtlich verstehen dürfe, sondern als Sinnbild interpretieren müsse, der Kern aber richtig sei. Das war dann das „aufgeklärte Christentum“ im Gegenzug zu den Fundamentalisten und das sicherte den Kirchen auch nach Säkularisation und Aufklärung noch ihre Existenzberechtigung.

Allerdings stand zu befürchten, dass man bei dem ständigen Konflikt zur Wissenschaft über kurz oder lang an einen Punkt kommen würde, an dem man deren Erkenntnisse nicht mehr mit den eigenen unter einen Hut bringen kann. Und dieser Punkt kam dann auch in Form von Darwins Evolutionstheorie.

Die Evolutionstheorie besagt, dass Organismen über Generationen hinweg sich entwickeln, um sich an ihre Umgebung anzupassen und die besten Möglichkeiten zur Fortpflanzung zu sichern. Nicht bewusst, sondern durch zufällige Mutation des Erbmaterials, bei denen das Ergebnis gewinnt, dass den größten Vorteil gegenüber den anderen bringt oder die besten Anpassung an die Umgebung gewährleistet. Organismen existieren also nicht in einer fertigen Form, sondern sind das zufällige Ergebnis einer langen Entwicklungskette.

Schöpfung besagt das genaue Gegenteil. Schöpfung ist kein zufälliger, sonder ein vollkommen bewusster Prozess, bei dem ein gewünschtes Endergebnis geplant ist und entprechend umgesetzt wird. „Er schuf uns nach seinem Ebenbild“, das ist der zentrale Punkt der Genesis. Nicht, ob das nun in 7 Tagen geschehen ist, in 6000 Jahren oder in Jahrmillionen. Gott hat uns (und die gesamte Welt) bewusst geschaffen – und zwar so, wie wir sind. Das lässt sich nicht mit Evolution vereinen, denn es ist das genaue Gegenteil.

Hier aber sind wir bei einem absoluten Kernpunkt des Christentums (und auch der anderen Weltreligionen). Wenn Gott uns nicht genau so geschaffen hat, wie wir sind, dann macht auch das ganze christliche Moralsystem und die ganze Religion keinen Sinn mehr. Wenn wir nur ein Zufallsprodukt sind und nicht die „Krone der Schöpfung“, wenn wir nur eine besser angepasste und höher entwickelte Affenart sind als Schimpansen und Bonobos, dann bleibt für die Religion nichts mehr über, worauf sie Antworten geben kann. Dann ist da kein Gott, der Regeln aufgestellt hat und uns nach unserem Tode nach selbigen richtet.

Ich habe mich lange Zeit zu den Agnostikern gezählt, weil ich über diesen Punkt einfach nicht nachgedacht habe. Ich habe nicht geglaubt und fertig. Seit ich es tue, blieb als einzige logische Folge, ins Lager der Atheisten zu wechseln. Denn meiner Meinung nach ist es nicht nur extrem unsinnig, sondern schon annähernd wahnsinnig, eine Theorie abzulehnen, die mittlerweile so umfangreich und schlüssig belegt ist, dass kein ernsthafter Wissenschaftler sie noch grundlegend in Frage stellt, und durch die Bibel (oder ein anderes religiöses Buch) zu ersetzen.

Aber genau das müsste man letztlich auch als aufgeschlossener Christ tun, wenn man die Problematik nicht einfach ausblenden und ignorieren will (was für viele sicher ein gangbarer Weg ist). Ich bleibe trotzdem dabei: Evolution und Gott geht nicht zusammen. Was uns wieder zur Eingangsfrage bringt …

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