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Religionskritik und Atheismus, Teil 1

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Da ich in verschiedenen Diskussionen (vor allem online, aber auch im realen Leben) immer wieder nach der Begründung für meinen Atheismus und meinen „Beweis der Nicht-Existenz von Gott“ gefragt werde, werde ich das an dieser Stelle noch mal darlegen. Dann kann ich einfach drauf verlinken und muss mich nicht zig mal wiederholen.

Ganz grundsätzlich möchte ich zwei Teile trennen und auch klar unterscheiden. Der erste betrifft die Existenz von Gott und den Glauben daran, also die ganz persönliche und private Religiosität. Der zweite betrifft Religion als kulturelles Phänomen und ihre Auswirkungen. Beide Teile haben zwar Bezugspunkte, sind aber trotzdem grundlegend verschieden. Man kann sowohl als gläubiger Mensch organisierte Religion kritisieren oder sogar ablehnen wie auch als Atheist kein Problem mit organisierter Religion haben, weil man ihr möglicherweise etwas positives abgewinnt.

Auch ist eine Vermischung der beiden Themenblöcke in Diskussionen immer sehr kontraproduktiv denn die Wertung von Religion als kulturelles Phänomen hat keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit der Existenz von Gott und umgekehrt. Man sollte da also strikt trennen.

Nun also zum ersten Teil: Metaphysik

In früheren Zeiten war es nicht ungewöhnlich, dass Wissenschaftler gläubige Menschen waren. Zwar gab es immer wieder Erkenntnisse der Wissenschaft, die den Ansichten der Glaubensgemeinschaften widersprochen haben und von den Kirchen heftigst bekämpft wurden. Aber letztlich ging es dabei eher um Auslegungsfragen und nicht um den Kern des Glaubens. Glaube und Wissenschaft ließen sich also – zumindest für Menschen ohne dogmatische Scheuklappen – doch vereinen.

Das hat sich in den letzten 150 Jahren geändert. Immer mehr Erkenntnisse der Wissenschaft stellen die Existenz Gottes ganz grundlegend in Frage. Zumindest eines Gottes im Sinne der drei großen monotheistischen Religionen, also eines allmächtigen, allwissenden Gottes, der das Universum nicht nur geschaffen hat, sondern sich auch dafür interessiert, was mit ihm geschieht. Der unser Verhalten bewertet, auf unsere Gebete hört und uns nach dem Tod Erlösung und ewiges Leben gibt. Also dem theistischen Gott.

Diese Erkenntnisse kamen vor allem aus der Naturwissenschaft und hier in erster Linie aus der Biologie. Zwar war die Evolutionstheorie nicht der einzige Bereich, in dem es zu solchen Ergebnissen gekommen ist, aber sie ist der für den Laien am einfachsten verständliche, weswegen sie die größten Wellen geschlagen hat. Die Physik hat keine anderen Erkenntnisse, nur sind die weitaus komplizierter und nicht jeder von uns hat das geistige Vermögen eines Stephen Hawking. Auch ich werde deswegen in erster Linie die Evolutionstheorie heranziehen, weil sie eben als Diskussionsgrundlage am besten geeignet ist.

Die Evolution zeigt uns in erster Linie eines: Es gibt keinen Plan und keine Zielrichtung. Zwar läuft die Evolution (wie ganz generell das Universum) nicht völlig chaotisch ab, sondern nach Regeln. Trotzdem ist Zufall ein ganz entscheidender Teil. Dass sich Leben bildet, wie und wohin es sich entwickelt, dass es sich überhaupt weiter entwickelt und was irgendwann mal dabei herauskommt – das alles ist nicht vorgegeben, sondern völlig offen. Dass sich nach Milliarden Jahren auf diesem Planeten eine intelligente Lebensform wie der Mensch entwickelt hat, ist nicht vorgegeben, sondern basiert auf einer ganzen Reihe von Zufällen. Auch dass der Mensch sich gegenüber anderen Lebensformen durchsetzen konnte, dass andere intelligente Entwicklungslinien wie der Neandertaler ausgestorben sind (bzw. von Homo Sapiens verdrängt oder ausgerottet wurden), dass alles ist kein Schachspiel, sondern ist eben einfach passiert und hätte auch komplett anders kommen können. Würde man die Zeit bis zur Entstehung der Erde zurücklaufen und noch mal abspielen lassen, dann sähe die Erde heute komplett anders aus. Ob es intelligentes Leben gäbe und wie dieses aussehen würde, wäre völlig offen und letztlich auch ziemlich unwahrscheinlich. Vielleicht wäre es bei Bakterien geblieben. Vielleicht würden immer noch Dinosaurier herumlaufen. Vielleicht hätte sich völlig anderes Leben entwickelt, dass mit unseren Vorstellungen überhaupt nichts zu tun hat. Vielleicht wäre die Erde immer noch eine unbewohnte Steinkugel. Kurz, es gibt keinen Masterplan, keine Teleologie, keinen gezwungen Ablauf, der immer auf das gleiche Ziel (z.B. den Menschen) hinausläuft.

Wenn dies aber so ist, dann ist Gott nicht der kreationistische Schöpfergott, der uns nach seinem Vorbild geschaffen hat, so wie er auch alles andere so geschaffen hat, so wie er das wollte. Schöpfung ist ein bewusster, geplanter Prozess. Er ist bestenfalls der deistische Gott, der Uhrmachergott, der vielleicht der Ursprung von allem ist und Möglichkeiten vorgegeben hat, der aber den weiteren Ablauf dem Zufall überlässt und einfach mal schaut, was dabei herauskommt.

Aber passt dieser deistische Gott wirklich zum christlichen Glauben (oder zum muslimischen oder zum jüdischen)? Lässt sich ein würfelnder Gott, dem es egal ist, ob etwas menschenähnliches überhaupt entsteht (oder im Falle des Neandertalers einfach wieder verschwindet) wirklich mit der Idee eines Gottes vereinbaren, der der Erlöser ist? Der seinen Sohn auf die Erde schickt, weil er sich um unsere Sünden kümmert? Der uns ein ewiges Leben garantiert, wenn wir an ihn glauben?

Die Frage, inwiefern sich das mit dem eigenen Gottesbild vereinbaren lässt, muss jeder für sich selber beantworten. Für mich bleibt nur der Schluss, dass sich der christliche Gott nicht mit den Erkenntnissen der Wissenschaft vereinbaren lässt. Zwar wäre ein deistischer Gott denkbar, da er sich aber nicht für unser Handeln interessiert, ist es letztlich einfach irrelevant, ob es einen solchen gibt oder nicht. Wer sich damit wohler fühlt, soll an ihn glauben. Notwendig für die Erklärung der Welt (und vor allem für unsere Existenz) ist aber auch er nicht.

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