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Skeptizismus, Whisky und Politik

Respekt für Ratzinger

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Es ist richtig – in Zeiten, in denen Menschen gern mal an ihren Ämter kleben und diese auch dann nicht freiwillig aufgeben, wenn sie offensichtlich nicht in der Lage sind, sie auszufüllen, ist es bemerkenswert, wenn ein Amtsträger selber seinen Rückzug verkündet. Gerade, weil es ein Amt ist, dass man normalerweise bis zum Lebensende innehat und bei dem man (zumindest soweit es von außen ersichtlich ist) auch nicht zur Aufgabe gedrängt wird. Dafür kann man Ratzinger durchaus Respekt zollen (auch wenn wir über die Hintergründe der Entscheidung nur Vermutungen anstellen können).

Es ändert aber nichts daran, dass das Pontifikat das zentrale Amt einer Institution ist, die in ihrem Kern aus alten Männern besteht, deren Ansichten genau so verknöchert sind wie die Kirche inzwischen selber. Trotz tausender AIDS-Opfer in Afrika hält man nach wie vor an der völlig realitätsfernen wie auch moralisch lächerlichen Haltung zu Verhütungsmitteln fest. Man bezeichnet Homosexualität immer noch als Todsünde, protestiert in Frankreich massiv gegen jede Form von Gleichstellung und belobigt afrikanische Regime, die Homosexualität unter Todesstrafe stellen. Man exkommuniziert minderjährige Opfer von Vergewaltigungen (samt Eltern und Ärzten), weil sie sich wegen einer lebensbedrohlichen Schwangerschaft zur Abtreibung gezwungen sehen. Man weist vergewaltigte Frauen an Kliniken ab, weil man die Pille danach aus „moralischen Gründen“ nicht verschreiben will. Man betrachtet Frauen generell auch nach Jahrhunderten noch als Menschen zweiter Klasse (nimmt dabei aber gerne ihre freiwillige Tätigkeit an, ohne die die meisten Gemeinden gar nicht funktionieren könnten). Man stellt bei den zahllosen Missbrauchsfällen nach wie vor den Schutz der eigenen Institution über die Rechte und Leben der Opfer und nimmt dabei regelmäßig Wiederholungstaten billigend in Kauf, anstatt die Täter an die Justiz zu übergeben. Nichts davon hat auch nur im Ansatz Respekt verdient.

Das alles ist auch unter diesem Papst nicht besser geworden. Im Gegenteil, Ratzinger war schon immer ein konservativer Hardliner und ist das auch als Papst geblieben. Radikale Teile der Katholischen Kirche wie die Piusbrüder waren ihm dabei offensichtlich wichtiger als jede noch so kleine Reform der Kirche in eine Richtung, die in 21. Jahrhundert passt und nicht mehr im Mittelalter verhaftet ist. Tradition hat er gegenüber Weiterentwicklung immer den Vorzug gegeben. Daran ändert auch die aktuelle Entscheidung rein gar nichts.

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