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	<title>Rye &#8211; The Mindmachine</title>
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	<description>Skeptizismus, Whisky und Politik</description>
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		<title>57. Whiskytasting von Munich-Spirits &#8211; Rye</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jun 2016 15:36:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Meine bisherigen Erfahrungen mit Rye Whiskey waren erstens wenig und zweitens nicht von Begeisterung geprÃ¤gt. Bitteres, holziges Zeug ohne Klasse, das ist in der Erinnerung Ã¼brig geblieben, wenn ich auf einer Whiskymesse oder in einem Cocktail einen probiert hatte. GrundsÃ¤tzlich <a class="more-link" href="https://www.negatron.de/whisky/57-whiskytasting-von-munich-spirits-rye"><span class="screen-reader-text">  57. Whiskytasting von Munich-Spirits &#8211; Rye</span> weiterlesen<span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine bisherigen Erfahrungen mit Rye Whiskey waren erstens wenig und zweitens nicht von Begeisterung geprÃ¤gt. Bitteres, holziges Zeug ohne Klasse, das ist in der Erinnerung Ã¼brig geblieben, wenn ich auf einer Whiskymesse oder in einem Cocktail einen probiert hatte. GrundsÃ¤tzlich ist das nicht verwunderlich, denn aufgrund der mindestens 51% Roggen in der Maische, die ihm seinen Namen und die eine Seite der herben Noten geben, sowie der durch US-Gesetz festgelegten Reifung in frischen EichenfÃ¤ssern, die die andere Seite bilden, ist Rye Whiskey eben immer von tendenziell bitter-holzigen Noten geprÃ¤gt. Trotzdem findet er seine Fans und die schwÃ¶ren auch darauf, dass da mehr dahinter ist als eine bloÃŸe Campari-Version von Bourbon. Ein Rye-Tasting ist da eine gute Gelegenheit, diese Behauptung auf die Probe zu stellen.<span id="more-1757"></span></p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0122.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1758" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0122-150x150.jpg" alt="Rittenhouse" width="150" height="150" /></a>Thomas und Anette, die die Auswahl zusammengestellt und dann mit viel Ãœberzeugung und Charme prÃ¤sentiert haben, haben zum Einstieg einen <strong>Rittenhouse Straight Rye 100 proof, Heaven Hill Distilleries, ca. 6 Jahre, 50%</strong> gewÃ¤hlt, weil er genau auf diese Position passt. Von Barkeepern wird er fÃ¼r seinen eher zurÃ¼ckhaltenden und kaum eigenwilligen Charakter geschÃ¤tzt. Hier kommen also keine &#8222;fremden&#8220; Noten ins Spiel, sondern das, was fÃ¼r Rye typisch ist. Das zeigt sich schon in der Nase mit Wurzelwerk, Holz, Bitterkeit und etwas Vanille dahinter. Etwas spÃ¤ter hab ich noch die Assoziation mit Traubenschalen, Trester oder Grappa, die am Tisch aber sonst nicht geteilt wird. Auch im Mund ist das jetzt keine Ãœberraschung. Die Ã„hnlichkeit zum Bourbon ist offensichtlich, aber eben mit mehr bitteren und wÃ¼rzigen Noten und deutlicherem Holzanteil. Einen Abgang hÃ¤tte ich nicht erwartet, aber trotzdem bekommen. Zwar gibt es keine groÃŸen und komplexen VerÃ¤nderungen (was aufgrund des jungen Alters, das die meisten US-Whiskeys haben auch nicht Ã¼berrascht), aber trotzdem einen mittellangen Abgang, bei dem die bitteren Noten immer mehr verschwinden und einer malzigen SÃ¼ÃŸe Platz machen. Insgesamt ist das ziemlich OK. Kein Ãœberflieger, aber doch gut trinkbar. Vielleicht ist der Unterschied schon, dass ich ihn nicht zwischen anderen Whiskys trinke und der Rye-typische Geschmack dadurch nicht als extremer Kontrast hervortritt.</p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0131.jpg"><img decoding="async" class="alignright size-thumbnail wp-image-1763" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0131-150x150.jpg" alt="Knob Creek" width="150" height="150" /></a>Weiter geht es mit dem <strong>Knob Creek Straight Rye Whiskey, 50%</strong>, der aus dem Hause Jim Beam stammt. Was unter dem Namen Jim Beam verkauft wird, finde ich pur weitestgehend ungenieÃŸbar. Dass die Destillerie aber an sich schon mehr drauf hat, habe ich hingegen schon mehrfach gehÃ¶rt und wird hier tatsÃ¤chlich auch bestÃ¤tigt. Der Geruch ist vom Charakter Ã¤hnlich, aber eindeutig milder. Anfangs ist ein bisschen LÃ¶sungsmittel dabei, spÃ¤ter kommt das Holz dann doch durch, bleibt aber leichter und besser eingebettet. Der Geschmack ist dann krÃ¤ftiger als erwartet, insgesamt aber eine Ecke sÃ¼ÃŸer als beim Rittenhouse. Das alles wirkt inklusive des Abgangs sehr Ã¤hnlich, aber etwas leichter (was beide bei der Prozentzahl eigentlich nicht sind). Interessant finde ich, dass die IntensitÃ¤t mit der GrÃ¶ÃŸe des Schluckes eklatant zunimmt.<br />
Zum Vergleich gibt es einen Bourbon von Knob Creek. Hier gibt es wenig Ã¼berraschend mehr Vanille und mehr SÃ¼ÃŸe. Direkt neben dem Rye wirkt der sehr sehr leicht, gefÃ¤llt mir aber ausgesprochen gut. Kann man sich beides schon mal ins Regal stellen, vor allem da die Preise hier fÃ¼r Whisk(e)y angenehm human sind.</p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0125.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1761" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0125-150x150.jpg" alt="Ryemaggedon" width="150" height="150" /></a>Nummer drei ist ein Experiment und damit der erste AusreiÃŸer des Abends. Schon lange vor der Craft Beer Szene hat sich in den USA eine kleine, aber Ã¼berzeuge Craft Whiskey Szene etabliert, die mit sÃ¤mtlichen Konventionen bricht und ohne Skrupel alles ausprobiert, was man mit Destillat so anstellen kann. Das fÃ¼hrt dazu, dass vieles nicht mehr unter dem Label &#8222;Whiskey&#8220; laufen darf, bringt aber auch ziemlich extravagante AbfÃ¼llen hervor (die in Folge auch nicht jedermanns Geschmack sind). Der <strong>Corsair Ryemageddon, Corsair Artisan LLC, 46%</strong> stellt dabei nach Bekunden der Hersteller den Versuch dar, so viel Schokolade wie mÃ¶glich in einen Rye zu packen. In der Nase merke ich davon allerdings nichts. Zwar ist das vÃ¶llig anders als die beiden VorgÃ¤nger, erinnert uns aber sehr viel mehr an einen Obstbrand (Kirsche oder Zwetschge) als an Schokolade. Vom Fass ist absolut nichts wahrzunehmen. Der Geschmack ist ebenso eigen, sehr weich und mit sehr viel Frucht, aber ebenfalls ohne Schokolade, was mich jetzt nicht direkt stÃ¶rt. Das einzige Manko ist der recht kurze und unspektakulÃ¤re Abgang. Ansonsten finde ich das Experiment recht gelungen, auch wenn zumindest in meiner Wahrnehmung nicht das bringt, was geplant war.</p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0123-1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-1762 alignright" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0123-1-150x150.jpg" alt="Crown Royal" width="150" height="150" /></a>Mit dem letzte Whiskey vor der Pause wechseln wir Ã¼ber die Grenze nach Kanada. WÃ¤hrend die USA die strengsten gesetzlichen Regeln fÃ¼r Whiskey haben, sind die Kanadier in der Hinsicht das genaue Gegenteil. Erlaubt ist alles und somit kann man sich nicht mal drauf verlassen, dass sich im Rye Ã¼berhaupt Roggen in nennenswerten Mengen befindet. Das ist hier nicht der Fall und soll uns auch ansonsten nicht weiter stÃ¶ren. Beim <strong>Crown Royal Northern Harvest Rye, The Crown Royal Distilling Company, 45%</strong> kommt fÃ¼r mich zum ersten Mal eine Note heraus, die an sich auch typisch fÃ¼r Rye Whiskey ist, nÃ¤mlich Pfeffer. Der befindet sich in einer sehr harmonischen Gesellschaft von vollen, fruchtigen Noten und eher dezentem Wurzelwerk. Auch im Mund ist der Pfeffer deutlich neben den anderen typischen Geschmacksnoten und bleibt auch im Abgang stets wahrnehmbar. Da wird der Crown Royal im Vergleich zu den VorgÃ¤ngern ein bisschen wÃ¤ssrig, aber ansonsten finde ich das sehr gelungen. Bislang mein Favorit.</p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0128.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1764" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0128-150x150.jpg" alt="Copper Fox" width="150" height="150" /></a>In der Pause kÃ¶nnen die &#8222;Mutigen&#8220; ein weiteres Experiment einer Craft Distillery probieren: den <strong>Copper Fox, 45%</strong>. Da bin ich dabei, aber das Ergebnis ist eher interessant als Ã¼berzeugen. Hier wurde mit Apfel- und Kirschchips gearbeitet und auch ansonsten viel gedreht. Man fragt sich nur warum, wenn das Ergebnis dann so ausfÃ¤llt. Es mag Menschen geben, die so was wirklich mÃ¶gen. Aber es gibt ja auch Menschen, die sich gerne Stromkabel an die Geschlechtsteile anschlieÃŸen. FÃ¼r den Rest der Menschheit fÃ¤llt das dann eher in die Kategorie &#8222;fiese Scheisse&#8220; und da gehÃ¶re ich auch dazu.</p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0126.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-thumbnail wp-image-1765" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0126-150x150.jpg" alt="James Oliver" width="150" height="150" /></a>Nach der Essenspause geht es von den Standards zu den eher besonderen AbfÃ¼llungen. Die erste ist ein <strong>James Oliver, Indio Spirits Distillery, 4 Jahre, Rye, 50%</strong>. Der bringt deutliche Honignoten mit rein, sowohl in der Nase wie auch im Mund. Dabei ist er insgesamt sowohl ziemlich ausgewogen, wie auch eher komplex. Der Roggen ist nicht dominant, sondern ergÃ¤nzt sich mit etwas Frucht, etwas Holz, Vanille und dem Honig zu einer feinen Komposition. GefÃ¤llt mir richtig gut und ist schon klar eine andere Klasse als die Konkurrenten vor der Pause.</p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0129.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1766" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0129-150x150.jpg" alt="Willets 5" width="150" height="150" /></a>Eine Totenfeier ist fÃ¼r viele ein trauriger Moment. Ich hingegen halte sie fÃ¼r eine gute Gelegenheit, die Vergangenheit nochmal hochzuhalten und dann mit ihr abzuschlieÃŸen. Das ist nichts schlechtes, sondern eben der Lauf der Dinge. Der Leichnam ist in dem Fall auch nur fÃ¼r seine Fans gestorben, denn Willet&#8217;s produziert wieder Whiskeys. Nur eben nicht in der GÃ¼teklasse wie frÃ¼her, zumindest nach Aussage der AnhÃ¤nger. Wir haben hier zwei der alten AbfÃ¼llungen im Glas, einen <strong>Willett Straight Rye, Kentucky Bourbon Distillery, 5 Jahre, Barrel No. 49, 55%</strong> und einen <strong>Willett Straight Rye, Kentucky Bourbon Distillery, 4 Jahre, Barrel No. 24, 55%</strong>. <a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0130.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-thumbnail wp-image-1767" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0130-150x150.jpg" alt="Willets 4" width="150" height="150" /></a>Die These vom Absturz kÃ¶nnen wir damit nicht Ã¼berprÃ¼fen, aber zumindest die von der alten Klasse. Auch hier zeigen beide eine recht harmonischen Geruch, bei dem der Rye-Charakter nicht dominiert, sondern schÃ¶n eingebettet ist. Der jÃ¼ngere wirkt dabei frischer, der Ã¤ltere weckt die Assoziation von Ã¼berreifer Frucht, die kurz vor dem VergÃ¤ren ist. Geschmacklich sind beide sehr Ã¤hnlich, der Ã¤ltere drÃ¼ckt den jÃ¼ngeren aber mit seinem Volumen klar an die Wand. DafÃ¼r enden beide wieder in einem schÃ¶nen, stimmigen Abgang. Feine Sache, die Ã¼bergroÃŸe Begeisterung will sich aber nicht einstellen. Im Zweifel wÃ¼rde ich hier dem James Oliver den Vorzug geben. Wenn man bedenkt, dass man fÃ¼r diese alten AbfÃ¼llungen auch locker mal den dreifachen Preis hinlegt (sofern man sie Ã¼berhaupt noch bekommt), sowieso.</p>
<p>Wo wir gerade beim Preis sind &#8211; fÃ¼r vÃ¶llige Phantasiepreise bekommt man auch richtig lang gereifte AbfÃ¼llungen. Wobei gereift hier in die falsche Richtung deutet. Aufgrund der klimatischen Bedingungen und der neuen FÃ¤sser reift amerikanischer Whisky nicht nur sehr viel schneller als schottischer oder irischer, sondern erreicht dann auch recht schnell den Punkt, an dem ihm das Fass nicht mehr gut tut. Da kommt dann keine Klasse mehr dazu, sondern das Ergebnis wird ekelhaft bis untrinkbar. Thomas hat auf einer Messe eine kleine Menge 25jÃ¤hrigen Willet&#8217;s erworben und die bestÃ¤tigt diesen Eindruck. Ein Glas fÃ¼r alle ist da auch genug, denn den meisten reicht es, die Nase kurz reinzuhalten. Hustensaft reicht, um das beschreiben (wobei ich da auch schon attraktivere hatte). Eine Fingerspitze abgeleckt bestÃ¤tigt den Eindruck auch im Mund. Bah!</p>
<p><a href="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0127.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1768" src="http://www.negatron.de/wp-content/uploads/2016/06/IMG_0127-150x150.jpg" alt="IMG_0127" width="150" height="150" /></a>Gehen wir zurÃ¼ck zu sinnvollen GetrÃ¤nken. Der <strong>Michterâ€<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2122.png" alt="™" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />s Barrel Strength Kentucky Straight Rye, Barrel No. L15E494, 54.9%</strong> zum Abschluss hat nicht nur die coolste Flasche, sondern zeigt auch nochmal, was bei Rye so mÃ¶glich ist. Insgesamt sehr Ã¤hnlich zum James Oliver mit Honignoten und einer ausgewogenen KomplexitÃ¤t. Dabei aber etwas voluminÃ¶ser und tiefer. Da haben wir fÃ¼r mich den Gewinner des Abends. Bei dem kÃ¶nnte ich mir durchaus vorstellen, dass in mein Regal wandert, da der Preis auch mehr als in Ordnung ist.</p>
<p>Sehr schÃ¶nes Tasting, bei dem man viel neues und spannendes entdecken konnte. Gern mehr in der Richtung!</p>
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